2578990

Warum Österreicher keinen Homepod Mini kaufen können

08.04.2021 | 09:00 Uhr | Stephan Wiesend

Der Homepod Mini ist ein Erfolg, in Schweiz und Österreich ist der intelligente Lautsprecher allerdings nicht verfügbar.

Mit dem Homepod Mini ist Apple ein echter Erfolg gelungen. Die kleinen Homepod-Versionen waren gleich nach den Verkaufsstart fast sofort ausverkauft und die meisten Nutzer sind von den kleinen Lautsprechern begeistert .

Was aber in Österreich und der Schweiz auf wenig Verständnis stößt: Der per Sprachsteuerung bedienbare Lautsprecher ist weder im Wiener Apple Store noch in den Filialen der Apple-Hochburg Schweiz zu finden. Laut Apple ist der Homepod nämlich nicht für Österreich oder die Schweiz freigegeben. Selbstverständlich kann man ihn aber in diesen Ländern einfach in einem deutschen Webshop bestellen und auch mit einer österreichischen oder schweizer Apple-ID freischalten. Wenig Verständnis hat deshalb der HiFi-Fachmann Reinhard Haberfellner , der sich über dieses Verhalten in einem langen offenen Brief an Tim Cook Luft beschwert. Seit seinem ersten Mac, einem LC II sei er Apple-Fan und auch von seinem „illegal“ gekauften Homepod Mini sei er begeistert – und Probleme mit der österreichischen Sprache könne er nicht feststellen. Offensichtlich handele es sich um eine völlige Vernachlässigung der österreichischen Kunden durch das für das Nachbarland zuständige Apple Deutschland.

Hohe Fehlerquote bei der Erkennung der gesprochenen Sprache

Nach unserer Einschätzung hat Apple aber andere Gründe. Es liegt darin eine gewisse Ironie: Seit Jahrzehnten sind Österreicher bemüht, sich vom großen Nachbarstaat distanzieren und die eigene Kultur und Landessprache zu betonen . Die Heimatsprache sei keineswegs nur ein Dialekt, Deutsche und Österreicher grundverschieden. Der Hintergrund ist wohl weniger die Vernachlässigung von kleinen, aber zahlungskräftigen Nationen, sondern es gibt wirklich sprachliche Gründe: Österreichisches Deutsch ist für deutsche Urlauber meist gut verständlich. Wenn „König“ wie „Könik“ oder „Apfel“ wie „Apfl“ ausgesprochen wird, scheint dies eine von bundesdeutschen Sprechern trainierte Spracherkennungssoftware wie die des Homepod schnell ins Schwimmen zu bringen . Für die Nutzung in Österreich und der Schweiz müsste Apple eigentlich eine eigene Version von Siri verwenden oder ein Kunde eine hohe Fehlerquote akzeptieren.

Das Problem ist zudem nicht neu und trat schon bei der auf Siri basierenden Fernbedienung des Apple TV auf.  Auch dieses Apple-Gerät ist in der Schweiz und in Österreich zwar verfügbar, offiziell aber noch immer ohne Siri! Anders als der Homepod Mini ist ein Apple TV aber auch ohne Siri gut bedienbar, weshalb die TV-Box in beiden Ländern angeboten wird. Beim Homepod Mini ist die Sprachsteuerung dagegen eine zentrale Funktion und muss noch weit zuverlässiger funktionieren. Wie berichtet wurde, waren es bei der Apple TV vor allem Namen von Bands oder Alben, die Siri an ihre Grenzen bringen.

Offensichtlich will Apple keine Versprechungen machen, die Siri dann doch nicht halten kann. Was man Apple aber wieder einmal zum Vorwurf machen muss, ist die Kommunikationspolitik – ob es bald Sprachversionen für Schweiz oder Österreich geben wird, ist noch immer völlig offen... Ist dies aber Vernachlässigung? Auch Google hatte den intelligenten Lautsprecher Google Nest anfangs nur in Deutschland im Angebot, lieferte aber erst Jahre später eine österreichische Version nach.

Macwelt Marktplatz

2578990