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Warum Trump (auch) an der Chip-Krise schuld ist

24.03.2021 | 13:21 Uhr | Stephan Wiesend

In der Weltwirtschaft herrscht aktuell ein Mangel an Chips, der die Autoindustrie aber auch andere Branchen betrifft. Neben weiteren Ursachen ist auch Trump daran schuld.

Auf den ersten Blick klingt der Vorwurf nach Bashing: Donald Trump wäre jetzt auch noch für die aktuelle Chip-Krise verantwortlich. Wie immer wieder berichtet wird, hat der ehemalige US-Präsident aber wohl entscheidend zum aktuellen Chip-Mangel beigetragen .

Als direkter Auslöser des aktuellen Mangels an Halbleitern verschiedener Art gilt vor allem der Rückgang der Autokäufe zu Beginn der Epidemie 2020. Vor allem Käufe von Neufahrzeugen wurden unter dem Eindruck der Pandemie zurückgestellt – eine verständliche Reaktion. Die verschreckten Autohersteller reduzierten sofort ihre Bestellungen für Komponenten, darunter auch die immer wichtigeren Halbleiter. Chip-Hersteller wie Samsung und TSMC hatten aber keine Probleme ihre Halbleiter an andere Abnehmer loszuwerden und stellten die Produktion um. Ohne es zu wissen, hatten die Automobilhersteller ihre Bestellungen zu Beginn eines sich abzeichnenden Chip-Mangels storniert. Während der Pandemie stieg nämlich die Nachfrage nach IT-Geräten – sowohl von Büroarbeitern die ins Home-Office wechselten aber auch von Konsumenten, die neue Unterhaltungselektronik und Playstations kauften. Selbst für diese Anbieter war das Angebot aber nicht ausreichend, was Interessenten der Playstation 5 zu ihrem Leidwesen erfahren mussten. Aber auch Interessenten eines PC-Monitors oder Macbook Pro waren betroffen.

Was der Ex-Präsident damit zu tun hat

Was die Krise anscheinend entscheidend verschlimmerte (neben Produktionsausfällen durch Schneestürme in Texas und Bränden in Fabriken ) war Trumps Handelskrieg mit China. Seit September darf etwa Huawei keine mit US-Technologie hergestellten Chips mehr kaufen. Da Hersteller wie Xiaomi und Huawei aber noch immer von amerikanischen Chips wie abhängig sind, begannen sie schon vorher die Märkte leer zu kaufen. (Das führte nebenbei auch dazu, dass Konkurrenten von Huawei ebenfalls Großbestellungen aufgaben.) Chinesischen Chip-Herstellern wurde gleichzeitig die Nutzung von US-Technologien verboten, was viele ihrer US-Kunden verschreckte – falls ihr Lieferant plötzlich auf einer Embargoliste landen sollten. Ein nicht genannter Autohersteller wechselte deshalb vom chinesischen Hersteller SMIC zum völlig überbuchten Hersteller TSMC in Taiwan – der nicht liefern konnte. Oft sind es schließlich keine topmodernen Hochleistungs-Chips, die nicht mehr lieferbar sind, sondern ein günstiger Baustein mit alter Technologie –  der aber für ein Bremssystem im Ford-SUV benötigt wird und die Produktion stoppt.

Nach Einschätzung von Experten könnte der Chipmangel noch bis Mitte des Jahres anhalten. Sowohl in China sollen bis 2025 zahlreiche neue Produktionsanlagen geschaffen werde n, auch Intel investiert gerade 20 Milliarden Dollar in neue so genannte Fabs. China plant zwar eine eigene Chip-Produktion aufzubauen, 2020 konnten die heimischen Produzenten aber den Halbleiterbedarf gerade einmal zu 30 Prozent decken. Beherrscht wird hier bisher auch nur das 14-Nanometer-Verfahren, TSMC in Taiwan ist dagegen schon bei fünf Nanometern. Es kostet schließlich Milliarden an US-Dollar und dauert  über ein Jahr an Aufbauzeit, eine solche Fabrik in Betrieb zu nehmen. Allein die Produktion eines so genannte Wafers, aus dem die Halbleiter entstehen, beansprucht 90 Tage – nicht nur für die Automobilhersteller eine sehr teure Wartezeit.

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