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Warum das Mac-Jahr 2022 enttäuschen könnte

24.02.2022 | 10:50 Uhr |

In diesem Jahr bringt uns Apple hinsichtlich des Mac zwar vieles, aber längst nicht alles, was wir uns wünschen.

Die letzten 16 Monate waren eine aufregende Zeit für den Mac. Es begann im November 2020 mit dem beeindruckenden System-on-a-Chip (SoC) M1 in Macbook Air, Macbook Pro und Mac Mini, und als gerade die Begeisterung abzuflauen begann, stellte Apple im Mai 2021 einen überarbeiteten 24-Zoll-M1-iMac vor. Ein paar Monate später kamen der M1 Pro und Max in einem völlig neu gestalteten Macbook Pro auf den Markt.

Das ist in einer recht kurzen Zeit eine ganze Menge, über die man sich freuen kann. Mit dem sich nähernden Ende des zweijährigen Umstiegs von Intel-Chips auf Apple-Silicon liegt die Erwartungshaltung nun sehr hoch. Das bedeutet natürlich, dass wir uns alle auf eine Enttäuschung bei den Macs einstellen, die in diesem Jahr auf den Markt kommen werden.

Eine Enttäuschung? Ja. Bevor der Umstieg begann, wussten wir nicht, was uns erwartet, aber jetzt haben wir eine ziemlich gute Vorstellung davon. Und das bedeutet, dass wir über das, was Apple tatsächlich veröffentlicht, hinwegsehen und über das, was wir nicht bekommen haben, nachgrübeln werden - und wir reden hier nicht einmal von einem faltbaren Macbook .

Das M2 wird ein inkrementelles Update sein

In seinen Prognosen für die Leistung des M2-Prozessors , des Nachfolgers des M1, schätzt Macworld-Redakteur Jason Cross, dass die CPU-Geschwindigkeit insgesamt um 20 Prozent steigen könnte, was ein guter Wert ist. Das ist keine schlechte Generationsverbesserung und besser als einige der Updates von Intel-Macs der letzten Jahre. In ähnlicher Weise waren der M1 Pro und der M1 Max massive Verbesserungen gegenüber ihren Intel-Vorgängern und dem M1 selbst.

Aber die erste Generation von Apple-Silicon bedeutete eine so dramatische Verbesserung gegenüber den Intel-Prozessoren, die sie ersetzten, dass der M2 sie unmöglich übertreffen kann. Als der M1 auf den Markt kam, wusste niemand so recht, wie gut er abschneiden würde, so dass hier ein Überraschungsmoment eine Rolle spielte. Jetzt, wo wir wissen, was wir erwarten können, ist die Begeisterung für die Leistung des M2 vielleicht nicht mehr so groß. Das ist schade, denn wir sollten nicht bei jeder Veröffentlichung eines neuen Prozessors eine rasante Leistungssteigerung erwarten, aber es wird schwer sein, nicht ein wenig enttäuscht zu sein, wenn der M2 kein weiteres umwerfendes Upgrade ist.

Nichts Neues beim Design des iMac Pro

Der iMac M1 vom Frühjahr 2021 ist kein schlechtes Gerät . Das Design ist attraktiv genug und er ist ein guter Ersatz für den 21,5-Zoll-iMac.  Gerüchte behaupten, dass Apple den 27-Zoll-iMac durch eine "Pro"-Version ersetzen wird, die sehr ähnlich dem 24-Zoll-Modell gestaltet sein wird.

Aber das wäre eine verpasste Gelegenheit. Uns hatten Berichte erfreut, dass der große iMac vom Design her näher am Pro Display XDR liegen würde und nicht eine weitere Variation desselben Designs wäre, das vor fast 18 Jahren entwickelt wurde. Er wird wahrscheinlich in Spacegrau und Silber erhältlich sein und schwarze statt weiße Rahmen haben, damit er sich vom 24-Zoll-iMac abhebt. Aber der iMac Pro mit Apple Silizium wäre ein großartige Gelegenheit, ein Statement zu setzen, das ihn vom  Consumer-Level-Schwestermodell deutlich abhebt – das werden wir wahrscheinlich nicht bekommen.

Es wäre schön, wenn Apple für den kommenden iMac Pro ein neues Design ausprobieren würde, das sich von dem unterscheidet, das sie seit Jahren verwenden.
Vergrößern Es wäre schön, wenn Apple für den kommenden iMac Pro ein neues Design ausprobieren würde, das sich von dem unterscheidet, das sie seit Jahren verwenden.
© Willis Lai/IDG

Das neue Macbook Air wird polarisieren

Von allen neuen Macs, die 2022 auf den Markt kommen sollen , ist das Macbook Air das interessanteste. Gerüchten zufolge soll es zum ersten Mal seit Jahren komplett überarbeitet werden und ein vom iMac inspiriertes Design erhalten. Das bedeutet, dass es Pastellfarben, weiße Ränder und eine weiße Tastatur haben könnte. Ich werde mich mit einem Urteil zurückhalten, bis wir einen richtigen Blick darauf werfen können, aber wir sind sicher, dass es polarisieren wird. Und einige Leute werden es wirklich hassen.

Zugegeben, das ursprüngliche Macbook Air hat auch einige Meinungen hervorgerufen, vor allem wegen seines sehr kantigen Designs und des hohen Preises, aber dieses hier wird anders sein. So, wie es das iBook in Key Lime war - auf der Apple Expo im Jahr 2000 vorgestellt.

Face-ID wird weiter fehlen

Apple weigert sich bisher hartnäckig, Face-ID in einen iMac einzubauen, und wir wissen nicht, warum. Da der iMac ein größeres Gerät als das Macbook Pro ist, sollte im Rahmen ausreichend Platz für ein Face-ID-Modul sein. Und Face-ID wäre ein nettes Feature, das das Pro-Modell vom Consumer-Modell abhebt. Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihren iMac auch so schnell per Face-ID entsperren, wie es beim iPhone der Fall ist, das wäre großartig!

Aber auch das wird vermutlich nicht passieren. Wenn Apple auf Face-ID weiter verzichtet, könnte das nur daran liegen, dass das Unternehmen keine Unterscheide zu den mobilen Profi-Macs, dem 14- und 16-Zoll-Macbook Pro, etablieren will. Deren Deckel sind zu dünn, um das aktuelle Face-ID-Modul unterzubringen. Touch-ID wird mit Sicherheit in die Tastatur integriert und funktioniert gut, aber es ist eine Funktion, die sich für Apples Consumer-Produktpalette eignet, wie das iPhone SE und das iPad Air. Face-ID ist ein Profi-Feature und für den Mac längst überfällig.

5G wird keine Aufwartung machen

In seiner gesamten Geschichte hat Apple noch keinen Laptop mit integrierter Mobilfunkverbindung hergestellt. Aber statt "das haben wir schon immer so gemacht, wo kämen wir denn da hin?" wäre es an der Zeit für eine neues Mindset. Man wird nie erfahren, wo man hinkommt, wenn man gar nicht erst losgeht. Auch wenn die 2022er Macbooks über Wi-Fi 6E verfügen, sind gute Wi-Fi-Hotspots, die schnelle, sichere und konsistente Verbindungen bieten, schwer zu finden, und man sollte nicht den Akku seines iPhones und den womöglich mageren Datentarif strapazieren müssen, wenn man fernab des WLAN einen Internethotspot benötigt.

Wenn Apple also in diesem Jahr Updates für das Macbook Air und das Macbook Pro 13 Zoll (vermutlich jeweils mit M2-Chip) veröffentlicht, warte ich gespannt auf die Ankündigung der 5G-Unterstützung. Und ich werde enttäuscht sein, wenn dies nicht der Fall ist.

Wie cool wäre es, eine Mobilfunkverbindung in der Mac-Menüleiste zu sehen? Sehr cool.
Vergrößern Wie cool wäre es, eine Mobilfunkverbindung in der Mac-Menüleiste zu sehen? Sehr cool.

Die Touchbar wird auf die schlimmste Weise weiterleben

Berichten zufolge wird Apple einen neuen Laptop auf den Markt bringen, der den Platz des Macbook Pro M1 13'' einnimmt. Wenn dieser Laptop eine "verwässerte" Version des 14-Zoll-Macbook Pro ist, wäre das ein zufriedenstellender Ersatz - die Attraktivität der teureren Version, aber mit einem langsameren (aber immer noch schnellen) M2-Prozessor und vielleicht einem Display, das nicht so schick ist wie ein Liquid Retina XDR Mini-LED-Display.

Neuere Berichte besagen jedoch, dass Apple einfach die CPU des bestehenden 13-Zoll Macbook Pro auf einen M2 aufrüstet. Alles andere bliebe gleich, es hätte also weiterhin nur zwei Thunderbolt/USB 4-Anschlüsse, eine unterdurchschnittliche 720p-Facetime-Kamera und die Touchbar. Wenn ich diese Berichte lese, höre ich eine traurige Melodie in meinem Kopf: Warum sollte man dieses Macbook Pro Modell kaufen, wenn es dem Macbook Air so ähnlich ist, das billiger ist? Weil man unbedingt eine Touchbar haben will? Oje! ( Zur Touchbar ud ihrer Sinnhaftigkeit gehen die Meinungen durchaus auseinander. Anm. d. Red. )

Der Mac Pro mit Apple Silicon wird unattraktiv wie der Mülleimer von 2013

Es ist so gut wie sicher, dass der  Mac Pro beim Weg zu Apple Silicon der letzte Schritt sein wird. Berichten zufolge wird er ein Monster in puncto Rechenleistung sein – das ist es nicht, was uns Sorgen bereitet. Besorgniserregend sind die Berichte, die besagen, dass Apple an einem nicht-modularem Design arbeitet, das nur halb so groß ist wie der aktuelle Mac Pro und die Möglichkeit, Komponenten wie Erweiterungskarten hinzuzufügen, für eine kleine Stellfläche opfert.

Wiederholungen gefallen nicht
Vergrößern Wiederholungen gefallen nicht
© Michael Homnick/IDG

Das klingt ganz nach dem Mac Pro 2013. Das Lustige ist, dass Apple zugegeben hat, dass es seine Lektion mit diesem Mac gelernt hat, zurück ans Zeichenbrett gegangen ist und 2019 einen modularen Mac Pro herausgebracht hat. Wenn Apple zu einem nicht-modularen Design zurückkehrt, muss das Unternehmen eine zusätzliche Anstrengung unternehmen, um zu zeigen, warum Add-Ons nicht mehr notwendig sind - und selbst wenn das gelingt, werden die Leute und die Medien die Entscheidung trotzdem in Frage stellen.

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