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Warum das beste Monterey-Feature immer noch fehlt – und warum das gut so ist

02.12.2021 | 08:50 Uhr |

Auf Universal Control – die nahtlose Bedienung mehrerer Apple-Geräte – müssen wir weiter warten. Jason Snell erklärt die Gründe dafür und sagt, warum das gut so ist.

In etwa drei Wochen wird es selbst in Cupertino wie überall auf der Nordhalbkugel Winter. Sonst hat der Wechsel der Jahreszeiten in der Bay-Area nur zur Folge, dass die Leute etwas dickere Kapuzenjacken tragen, Apple bricht diesmal am Ende des Herbstes ein Versprechen, das es zum Ende des Frühlings gegeben hatte.

Mehrere Funktionen von iOS 15 und macOS Monterey, die Tim Cook, Craig Federighi und Kollegen auf der WWDC im Juni zeigten, sind nicht zum Start im September/Oktober erschienen. Immerhin hat Apple nachgeliefert: Shareplay in iOS 15.1, aber die iCloud+ Funktionen sind immer noch in der Beta-Phase und Ausweise in der Wallet gibt es in den USA auch nicht vor 2022. Apple behauptet jedoch immer noch, dass die nahtlose Bedienung (Universal Control)  "später in diesem Herbst" ausgeliefert werde, was bedeutet, dass keine drei Wochen mehr Zeit bleiben, bevor Apple sein Versprechen für die vielleicht beste Funktion von Monterey nicht mehr halten kann.

Sicher, drei Wochen sind eine lange Zeit... bis man bemerkt, dass Apple noch nicht einmal eine Beta-Version von macOS und iOS veröffentlicht hat, die diese neue Funktion unterstützt. Wenn die Funktion noch nicht einmal bereit ist, von mutigen Menschen ausprobiert zu werden, wie soll sie dann bis Mitte Dezember für uns alle bereit sein? Das wird nicht funktionieren.

Niemand mag die Wartezeit vor der Bescherung, hauptsächlich nicht darauf, die Geschenke auspacken zu dürfen, die buchstäblich wie der Umriss eines neuen Fahrrads geformt sind. Aber wir können es uns nicht aussuchen. Apples Geschenke – Apples Regeln.

Wir warten auf das Christkind

Zunächst eine kurze Zusammenfassung: Universal Control – im Apple-Deutsch "nahtlose Bedienung" genannt – ist eine Funktion, die es Nutzern mehrerer Macs, iPads oder beider Geräte ermöglichen soll, diese zu einem nahtlosen Erlebnis zusammenzuschweißen. Es ist weit mehr als die Bildschirmfreigabe wie das mit macOS Catalina und iPadOS 13 eingeführte Sidecar, mit der ein iPad wie ein zweites Display für einen Mac fungiert. Mit Universal Control bleibt das iPad ein iPad und der Mac ein Mac – aber alle diese Geräte können mit denselben Eingabegeräten gesteuert werden und Zwischenablagen und Drag-and-drop gemeinsam nutzen, als wären sie ein und dasselbe Gerät.

In gewisser Weise ist Universal Control die Krönung mehrerer Funktionen, die Apple seit einiger Zeit in macOS und iOS integriert hat. Die universelle Zwischenablage ist eine wichtige Komponente. Das geräteübergreifende Ziehen und Ablegen hat mehr als nur einen Hauch von Airdrop. Auch die gemeinsame Nutzung von Eingabegeräten, mit der man mehrere Macs oder Macs und iPads über eine einzige Tastatur und Maus steuern kann, nutzt wahrscheinlich eine Fernzugriffstechnologie, um Tastenanschläge und Trackpad-Gesten an andere Geräte zu übertragen.

Aber all diese Funktionen zusammenzubringen? Das ist knifflig. Und Apple tut gut daran, vorsichtig zu sein.

Apple scheint sich Zeit zu nehmen, um sicherzustellen, dass Universal Control so funktioniert, wie es soll.
Vergrößern Apple scheint sich Zeit zu nehmen, um sicherzustellen, dass Universal Control so funktioniert, wie es soll.
© Apple

Ihre Geduld wird belohnt werden

Im letzten Jahrzehnt gab es eine Zeit, in der Apple neue Versionen von iOS und macOS unabhängig davon auslieferte, ob alle Funktionen für die Öffentlichkeit bereit waren oder nicht. In letzter Zeit ist das Unternehmen viel vorsichtiger geworden und verschiebt Funktionen, wenn sie nicht funktionieren.

Das ist eine kluge Entscheidung. Ich höre immer noch Leute über neue macOS- und iOS-Funktionen meckern, die nicht funktionieren – obwohl sie Apple inzwischen behoben hat. Man hat wirklich nur eine Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen, und wenn eine Funktion nicht zuverlässig funktioniert, werden die Anwender sie nicht mehr nutzen.

Apple hat sich mit Universal Control auch die Latte in eine Höhe gelegt, wie es nur Apple kann. Die Funktion wird, wie angekündigt, im Wesentlichen keine Oberfläche haben. Sie sollten in der Lage sein, ein Gerät neben ein anderes zu stellen und dann den Mauszeiger auf Ihrem Mac auf den angrenzenden Bildschirm zu schieben, wo er dann eingeblendet wird. Im Hintergrund prüfen Ihre Geräte natürlich über das drahtlose Netzwerk, ob sie sich in der Nähe befinden, und die Richtung, in die Sie den Zeiger vom Bildschirmrand wegschieben, zeigt an, ob sich das Gerät in der Nähe links oder rechts befindet. Es scheint einfach zu sein, aber es erfordert einen enormen Aufwand, um so etwas mühelos zu gestalten. Es wäre viel einfacher, wenn die Benutzer eine Taste drücken, ein Gerät in der Nähe finden, es durch Klicken bestätigen, zum anderen Gerät gehen und es durch Klicken bestätigen, dann ziehen, um die Anordnung der Geräte anzuzeigen... Das ist die alte Methode, wie man sie etwa von der Nutzung externer Monitore kennt,  und ich halte es für großartig, dass Apple diese Funktion weniger umständlich und intuitiver gestalten will.

Ich weiß nicht, ob Universal Control bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember um 16.58 Uhr MEZ für alle verfügbar sein wird, auch nicht in Form einer Beta-Version. Aber ich bin trotzdem begeistert von den Möglichkeiten. Ich habe ein Macbook Air M1, das ich die meiste Zeit geschlossen ein paar Meter von mir entfernt aufbewahre – aber wie wäre es, wenn ich es ganz einfach über dieselbe Tastatur und dasselbe Trackpad steuern könnte, mit denen ich auch meinen iMac bediene. Ich war kürzlich mit einem Macbook Air und einem 12,9-Zoll iPad Pro unterwegs und es wäre schön gewesen, beide Geräte mit einer einzigen Tastatur und einem Trackpad verwenden zu können – und dabei mein iPad als iPad und nicht nur als externen Mac-Monitor zu nutzen.

Universal Control ist ehrgeizig. Es baut auf der Technologie auf, die Apple seit Jahren in macOS und iOS integriert hat. Und es verspricht, das Leben mit mehreren offenen Apple-Geräten viel besser zu machen. Ist es ärgerlich, dass wir seit der Ankündigung sechs Monate warten mussten, um es auszuprobieren? Ja, natürlich. Aber Sie kennen ja das Sprichwort: Gut Ding will Weile haben. Also üben wir uns weiter in Geduld.

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