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Warum der Tod von Lightning gut für Apple ist

21.06.2022 | 15:30 Uhr |

Auch Apple wird vom Lightning-Ende profitieren, auf eine eher indirekte Weise. Schließlich steigt der Hersteller langsam selbst um.

Das Ende des Lightning-Anschlusses von Apple scheint tatsächlich nahe. Anfang des Monats hat die EU eine Entscheidung getroffen, die USB-C als gemeinsamen Ladeanschluss für alle Mobiltelefone vorsieht . Und jetzt? Die US-Gesetzgeber haben den Schritt aus voller Kehle unterstützt . Die britische Regierung hat erklärt, dass sie diese Strategie nicht verfolgen wird, aber man kann nicht ein Smartphone für die Briten und ein anderes für alle anderen machen. Wenn es keine rechtlichen oder politischen Wunder gibt, wird Apple den Wechsel vollziehen müssen, sehr wahrscheinlich mit dem iPhone 15 im Jahr 2023 .

In Wahrheit ist diese Anforderung gar nicht so verkehrt, denn Apple hat die Umstellung bereits zur Hälfte vollzogen: Macs und fast alle iPads basieren auf USB-C, wobei der letzte Verweigerer in Form des Einsteiger-Geräts iPad 10.2 voraussichtlich noch in diesem Jahr umsteigen wird. Das iPhone wäre das letzte Teil des Puzzles, wenn auch das größte und wertvollste Teil.

Unter den vielen Gewinnern ist auch Apple

Es hat viele Vorteile, wenn sich die Branche auf einen einzigen Ladestandard einigen kann. Es ist sinnvoll für die Verbraucher, die Ladegeräte von alten Gadgets leichter wiederverwenden können und sich keine Gedanken über ein kompatibles Ladegerät machen müssen. Es ist sinnvoll für die Umwelt, da Elektroschrott reduziert werden sollte. Und es ist sogar sinnvoll für die Politiker, die sich gegenüber den Großkonzernen durchsetzen und für die kleinen Leute eintreten können.

Die Art und Weise, wie dieses Gerangel ablief, lässt jedoch vermuten, dass jemand den Preis für diese Vorteile zahlen muss. Am ehesten würde man annehmen, dass Apple der Verlierer ist, da das Unternehmen durch die Abgrenzung von Geräten mit einem proprietären Ladestandard den Zubehörmarkt kontrollieren und davon profitieren kann und Kunden an sich bindet. Aber muss es in diesem Spiel wirklich Verlierer geben?

Nur ein kleiner Teil des Geschäfts betroffen

Zubehör ist sicherlich ein lukratives Nebengeschäft, das Apple nur ungern gefährden wird, aber was die Kundenbindung angeht, sollte man bedenken, dass Standardisierung auch bedeutet, dass Kunden der Wechsel von der Konkurrenz auch schwerfallen könnte. In Anbetracht der Tatsache, dass es weltweit wesentlich mehr Android- als iPhone-Nutzer gibt und Apple stolz auf seine Kundentreue und die Benutzererfahrung ist, sollte man meinen, dass sich das Unternehmen bei der Aussicht auf einen leichteren Plattformwechsel die Hände reiben würde. ( Allerdings ist der Umstieg vom Android auf ein iPhone selbst mit Lightning kein Problem: Apple legt nach wie vor ein passendes Kabel bei, das andere Ende ist bereits standardisiert: Vormals USB-A, aktuell USB-C. – Anm. d. Red. )

Ganz allgemein hat Apple viel Geld verdient, indem es dem Grundsatz der Einfachheit gefolgt ist und Kaufentscheidungen so einfach wie möglich gestaltet. In einer Welt, in der alle Smartphones (und Tablets, Laptops und E-Reader) über denselben Ladeanschluss verfügen, fühlen sich Technikneulinge beim Kauf wohler. Das ist eine gute Nachricht für jeden Hersteller, insbesondere aber für Apple, das die einsteigerfreundlichsten Geräte und Softwareplattformen anbietet.

Das Hauptproblem: Die Gesetzgebung entwickelt sich langsam und es ist schwer, darauf zu vertrauen, dass die politischen Gremien mit dem Fortschritt der technologischen Innovation Schritt halten. Aktivisten setzen sich seit 2014 für einen gemeinsamen Ladestandard ein, und diese Entscheidung wird erst 2024 in Kraft treten. Wenn USB-C veraltet ist, wird es dann ein weiteres Jahrzehnt dauern, bis man sich auf den nächsten Standard einigen kann? Wir hoffen nicht. ( Zumindest bei der EU gibt es bereits Vorschläge, ab 2026 auch den Stand der Dinge bei den drahtlosen Lademöglichkeiten zu sondieren . Die Flucht Apples zu Magsafe kann sich schwieriger bis unmöglich gestalten. – Anm. d. Red)

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Macworld.com

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