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Warum der neue Mac Pro Räder hat

07.06.2019 | 16:00 Uhr | Halyna Kubiv

Für die nicht sofort nachvollziehbare Entscheidung, den neuen Mac auf Räder zu stellen, gibt es eine einfache Erklärung.

Apple wird wohl seinen neuen Mac Pro nach dem Lego-Prinzip verkaufen: Auf der Produkt-Webseite gibt es schon jetzt eine Liste mit Bestandteilen und Zubehör, die man später in den Einkaufskorb legen kann. Darunter gibt es unter anderem das Mac Pro Wheel Kit , etwas, was Apple auch kurz auf der Keynote gezeigt hat. Statt vier Füßen kann das Grundgerüst des Rechners alternativ auf Rädern stehen. Doch wozu?

Eine relativ einfache Erklärung liefert der Produkt-Manager des Mac Pro Doug Brooks in einem Interview gegenüber dem Podcast " Mac Power Users ". Die Entscheidung, den Mac auf die Räder zu stellen, kam nicht sofort – erst während der Planung des neuen Rechners. Apples Ingenieure hatten sich typische Einsatzszenarios in großen Medienfirmen angesehen. Vor allem im Video-Bereich muss ein Rechner gleichzeitig viel leisten und einigermaßen mobil sein. Dafür existieren die so genannten DIT-Carts, Rollwagen für Digital Imaging Technicians (DITs) also Mitarbeiter im Foto- und Video-Bereich. Hat man darauf Kameras, Speicherlösungen und Rechner verfrachtet, kann man die hochwertige Ausrüstung schnell und leicht zwischen diversen Sets transportieren. Wie Brooks erklärt, wurden in den Mac-Pro-Prototypen extra Bewegungssensoren eingebaut, um festzustellen, welche Kräfte und wie auf den Rechner einwirken, wenn man ihn jeden Tag irgendwohin transportiert. Das Anwendungsszenario war ja ein deutlich anderes als beispielsweise in einem sterilen und gekühlten Rechenzentrum.

Für den neuen Mac Pro gibt es auch Rollen.
Vergrößern Für den neuen Mac Pro gibt es auch Rollen.

Aber auch zu weiteren Besonderheiten des neuen Mac Pro verriet Brooks interessante Einzelheiten. So hat Apple schon vor knapp zwei Jahren ein ganzes Team von so genannten Digital Creatives eingestellt: Profis, die sich mit Video- und Bildbearbeitung beschäftigen. Diese hatte man in ein Team mit System-Architekten gesteckt, so dass die Ingenieure aus erster Hand wissen konnten, woran es bei der Arbeit am Mac hakt. Wie Brooks erklärt, haben sich aus dieser Zusammenarbeit nicht nur Entscheidungen zur Hardware ergeben. Vielmehr hat man auch bei der Software nachgebessert: Denn was hilft 1,5 TB RAM, wenn man hundertmal pro Tag ein Dialogfenster wegklicken muss, das eine schicke, aber verdammt langsame Animation beim Schließen einblendet? Dabei ist man auch an Adobe angetreten. Die kommende Version von Premiere wurde extra für den Mac Pro entwickelt und wird die schnellste Premiere-Version überhaupt sein – vorausgesetzt, man betreibt die Software auf dem kommenden Rechner von Apple.

Dass Apple eine bestimmte Zielgruppe der Nutzer im Sinn hatte und die Wünsche dieser Nutzer genau getroffen hat, zeigen Reaktionen, die Mike Wuerthele von Appleinsider zusammengefasst hat: Innerhalb von 24 Stunden nach der Ankündigung haben sich bei ihm alle möglichen Profis gemeldet, mit der Aussage, der neue Mac Pro sei genau das Richtige. Darunter waren nach Appleinsider Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, NASA, Spieleentwickler, Wissenschaftler aus allen möglichen Bereichen, Mitarbeiter des Energie-Sektors, Filmstudios, Radiosender und Zeichentrick-Macher.

Selbst mittelständische Architektur-Büros überlegen sich den Kauf und wollen den neuen Mac fünf Jahre und mehr betreiben. Dieses Szenario bestätigt auch Brooks in seinem Interview: Apple habe den neuen Mac Pro nicht entworfen, um auszureizen, was schon jetzt möglich ist, sondern das möglich zu machen, was in drei bis vier Jahren kommen wird. Und dann haben womöglich alle Desktop-Rechner Räder, nicht nur der Mac Pro.

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