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Warum es keinen ARM-Mac geben wird

24.11.2016 | 13:51 Uhr |

Steht Apple nach dem Wechsel auf die PowerPC-Plattform in den Neunzigern und dem Switch zu Intel vor gut elf Jahren vor der nächsten Transition? Diese Gründe sprechen dagegen.

Auch wenn sich iOS und macOS immer mehr ähneln und ein iPad Pro von einem Macbook auf den ersten, flüchtigen Blick ja nur durch die feststehende Tastatur sich unterscheidet, legt Apple weiterhin starken Wert auf die Separierung der Welten. Mac bleibt Mac, iPad bleibt iPad, Hybride stehen nicht auf dem Plan. Damit verfolgt Apple weiterhin eine völlig andere Strategie als etwa Microsoft mit Windows 10 und den passenden Surface-Produkten. Obwohl sich das iPad mit mehr oder weniger Erfolg dazu anschickt, Laptops aus den Büros zu vertreiben , ergibt die Trennung der Welten weiterhin Sinn. Nicht nur, weil es iOS (noch) an grundlegenden Fähigkeiten fehlt, etwa hinsichtlich Multitasking, Datenverwaltung und Mehrbenutzersystem.

Wesentliche Unterschiede

Wesentlicher Unterschied besteht auch in der Hardware, der Mac setzt seit bald elf Jahren auf Intels Chips, iPad und iPhone seit jeher auf die ARM-Plattform. Apple gestaltete die Chips nach den Vorlagen des britischen Anbieters selbst und lässt sie in Asien fertigen, von Samsung und neuerdings von TSMC. Wie etwa der A10 Fusion mit seinen zwei plus zwei Kernen im iPhone 7 (Plus) zeigt, sind die Mobilprozessoren von heute bei weitem nicht mehr mit den ersten iPhone- und iPad-Chips vergleichbar, die zwar wenig Strom verbrauchten, aber nur eine schwache Performance boten.

So wäre ein Macbook mit ARM-Chip denkbar, System und Programme leicht zu portieren, und in Sachen Leistungsfähigkeit muss sich ein A9X oder A10 Fusion hinter dem im 12-Zöller verbauten Intel Core M nicht verstecken. Im Gegenteil: Das iPad Pro schlägt schon heute Mittelklasselaptops und sogar einige Desktops in den einschlägigen Benchmarks.

Pro und Kontra

Doch wird Apple diesen Schritt nicht wagen. Für einen erneuten Wechsel der CPU spräche zwar die Tatsache, dass Intel bei der Chip-Entwicklung nicht das gewünschte Tempo vorlegt, die "nur" 16 GB RAM im Macbook Pro stehen als  Beispiel dafür. Denn von der jüngsten Prozessorenfamilie Kaby Lake, die auch 32 GB RAM ansprechen könnte, gibt es noch keine Vierkerner, Apple musste sich mit Skylake-Chips zufrieden geben.

Auch wären noch leichtere Mobilrechner möglich, da ARM-Chips im höchsten Maße effizient sind und nur wenig Energie verbrauchen. Und hatte Apple nicht immer nach gut einer Dekade die CPU-Plattform gewechselt, von 68k zu PowerPC in den Neunzigern und zu Intel vor gut elf Jahren?

Was aber gegen eine weitere Transition spricht: Mit Windows auf dem Mac wäre es erstmal vorbei - dabei waren Bootcamp und Virtualisierer wie Vmware Fusion und Parallels Desktop wesentliche Gründe dafür, dass der Mac seinen Marktanteil in den letzten zehn Jahren wesentlich ausbauen konnte.

In einem hypothetischen ARM-Macbook könnte Lightning als einzigen Port zwar USB-C ersetzen, in einem Macbook Pro aber gewiss nicht das flexible Thunderbolt 3 und die darin enthaltenen Protokolle, wie HDMI, USB, Ethernet und weitere. Intel-Chips bringen diese Fähigkeit mit.

Vor allem aber wäre ein erneuter Wechsel der CPU mit einem großen finanziellen und administrativen Aufwand verbunden, den sich Apple für sein zwar solides, aber nur 15 Prozent des Umsatz einbringenden Mac-Geschäft wohl kaum antun würde. Wenn auch 2016 für Mac-Fans eher enttäuschend verlief, 2017 sollte wieder ein besseres Jahr für den Mac werden. Einen Umstieg auf ARM werden wir so schnell nicht sehen.

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