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Warum ich die Whatsapp-Sprachnachrichten hasse

04.06.2021 | 09:30 Uhr | Halyna Kubiv

Sprachnachrichten sind schnell, bequem und deswegen recht beliebt. Davon profitiert aber nur der Absender.

Kennen Sie das GefĂŒhl der hellen Vorfreude, das sich dann plötzlich in bittere EnttĂ€uschung umschlĂ€gt? Nein, die Rede ist von Jendriks Auftritt beim ESC 2021, sondern von Sprachnachrichten. Wobei wir schon wieder beim deutschen Eurovisions-Beitrag wĂ€ren, denn dabei fĂŒhle ich keineswegs "keinen Hass", sondern eher umgekehrt: Die Whatsapp meldet eine Nachricht von einem Kontakt, von dem man tatsĂ€chlich etwas hören will, und es kommt eine zweiminĂŒtige Sprachnachricht. Nach diesen zwei Minuten ist man fast genauso schlau wie davor, schade einfach um die Zeit.

Man kann schon verstehen, warum Sprachnachrichten all die Messenger-Dienste erobert haben. Das mobile Internet ist mittlerweile so gut und weit verbreitet, dass man nicht mehr auf die GrĂ¶ĂŸe der abgeschickten Dateien achten muss. Zudem kann man etwas einsprechen deutlich schneller als eintippen. Und gesprochene Sprache beherrschen wir intuitiver und wohl besser als geschriebene: Schreiben oder in dem Fall Tippen ist eine zusĂ€tzliche Schicht zwischen dem Absender und EmpfĂ€nger. Diese ist in der Entwicklung der Menschheit deutlich spĂ€ter entstanden als gesprochene Sprache, auch Kinder lernen Sprechen deutlich frĂŒher als das Schreiben.

Das Monster ist los

Doch bei der digitalen Kommunikation, sei es per Whatsapp oder iMessage ist das die Pest. Whatsapp hat wohl verstanden, welches Monster es geschaffen hat, denn letzte Woche gab es ein Update , das die erhaltenen Sprachnachrichten doppelt so schnell abhören lĂ€sst. Doch das wird das Problem nicht lösen. Es liegt eher in der Natur der Kommunikation per Sprachnachricht bzw. per Messenger. Diese war und ist einseitig, die Instant Messenger haben gegenĂŒber E-Mail etc. nur noch die Möglichkeit geschaffen, die Nachrichten ohne Aktualisieren zu empfangen und direkt im gleichen Fenster zu antworten.

Eine Sprachnachricht hat fĂŒr den Absender recht viele Vorteile, fĂŒr den EmpfĂ€nger fast nur Nachteile. Ist man nicht in die Stimme verliebt, muss man sich mehrere Minuten lang mit den "Ähms" und "Also" abmĂŒhen, denn der Absender ist nur in den seltensten FĂ€llen ein ausgebildeter Radiomoderator, der spontan druckreife und kohĂ€rente Gedanken formulieren kann. FĂŒr einige wird es eine Offenbarung, aber man labert doch ziemlich viel Schwachsinn, die gedachte Information kann in dem eigenen Gedankenfluss schnell untergehen. FĂŒr das GegenĂŒber wird das noch schwieriger, der weiß ja meistens nie im Voraus, was man ihm zu mitteilen gedachte und muss die QuĂ€ntchen Information im zugeschickten Redeschwall herausfischen. Selbst unterbrechen oder nachfragen geht es nicht, denn die Sprachnachricht ist ja schon fertig verfasst.

Tipp: Die empfangenen Sprachnachrichten können Sie mittels einer App in Text umwandeln. Unser Test dazu gibt es hier.

Sprachnachrichten sind nicht so diskret

Dazu hat man nicht immer die Möglichkeit, die Sprachnachricht diskret abzuhören, noch vor der Pandemie im BĂŒro vor Ort musste sich der Absender gedulden, wenn es Feierabend war. Im Bus, in der Bahn und Co. ohne Kopfhörer ist es auch nicht sonderlich nett, noch die Mitreisenden mit dem Stream of Consciousness eines Unbekannten zu beschallen.

Deswegen schlagen wir an der Stelle vor, die veraltete und bei manchen verhasste Funktion der Sprachnachrichten einen Schritt weiter zu denken. Wie wĂ€re es, wenn Sprachnachrichten gegenseitig werden, das heißt, der EmpfĂ€nger kann den Sender hören, wĂ€hrend dieser gerade spricht, quasi Instant Voice Messaging . Er kann dann spontan nachfragen, wenn etwas nicht klar ist, den Redner etwas einschrĂ€nken, wenn dieser ausschweift, er kann dann praktisch sofort eine Antwort liefern, ohne noch eine zusĂ€tzliche Sprachnachricht zu verschicken. Aber wir bezweifeln, dass eine solche Funktion jemals auf iPhones oder Samsungs dieser Welt schaffen kann, schließlich konnten sich die Telefonanrufe nie wirklich durchsetzen, denn dabei muss man noch dem GegenĂŒber zuhören, bei einer Sprachnachricht ist der Störenfried nicht aktiv beteiligt, man kann so ausreden, ohne jemand ins Wort fĂ€llt.

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