2465069

Warum neue Airpods "Pro" heißen, obwohl sie keine sind

29.10.2019 | 17:55 Uhr | Halyna Kubiv

Mit der neuen Bezeichnung folgt Apple dem aktuellen Trend, alles Teuere gleich "Pro" zu nennen. Ein Kommentar.

Viel wurde über die dritte Generation der Airpods gemunkelt, seit gestern Abend kann man die neuen drahtlosen Kopfhörer von Apple im Online Store bestellen. Nicht bewahrheitet haben sich die Gerüchte, dass die Kopfhörer in unterschiedlichen Farben wie Schwarz oder Mitternachtsgrün kommen, aber die Zeichnungen mit den markanten Ohreinsätzen, die bereits in früheren Versionen von iOS 13 entdeckt waren, haben sich als richtig erwiesen.

Der Hersteller hat die neuen Kopfhörer auf den Namen Airpods Pro getauft, wohl als Fortsetzung der logischen Reihe von Mac Pro und Macbook Pro über das iPad Pro bis zuletzt dem iPhone 11 Pro. Mit den Kopfhörern bemerkt man den semantischen Bruch besonders deutlich, aber fangen wir von Anfang an. Apple hat schon immer eine treue und große Zielgruppe – die Profi-Anwender. Mit der berühmten Zwei-mal-zwei-Matrix von Steve Jobs war die Verteilung klar: Da gibt es ein Laptop für normale Nutzer und eins für Profis, sowie einen Desktop-Rechner für Heim-Anwender und für Profis – mit entsprechender Bepreisung. Selbst heute im deutlich komplexeren Produktportfolio von Apple ist ungefähr klar, wer zu einem Apple-Erzeugnis mit dem Zusatz "Pro" greifen muss bzw. soll. Der teuerste Mac Pro, der noch nicht veröffentlicht ist, ist für die Kino-Industrie und Wissenschaft gedacht, komplexe Modelle oder Animationsfilme lassen sich statt Wochen in Stunden berechnen. Der iMac Pro ist wohl am besten bei Video-Profis und Youtuber aufgehoben, Apple hat  Final Cut X extra darauf angepasst. Das Macbook Pro 15 Zoll Retina passt in die Rücksäcke von Foto-Journalisten, Profi-Fotografen und anderen rein. Das Macbook Pro 13 Zoll Retina ist anscheinend ein Lieblingsgerät von Entwicklern und Programmierern. Das iPad Pro ist für Zeichner, Photoshopper, andere digitale Künstler perfekt gemacht. Selbst beim iPhone 11 Pro kann man sich noch herausreden und sich als Travel-Blogger tarnen, machen die drei Kameras auf der Rückseite doch druckreife Fotos.

Wo sind die Profis bei den Airpods?

Aber welche professionelle Gruppe sollen dann die Airpods Pro ansprechen? Für Musiker kommen sie nicht in Frage, wegen Bluetooth-Latenzen. Für Sportler, vor allem für Läufer, werden sie eher zum Hindernis, müssen sie doch auf ihren Herzschlag, Atmung und Pace achten. Da hilft schon eher eine Apple Watch oder Kopfhörer mit einem Pulsmesser im Ohr wie Jabra Elite Sport weiter. Wir kennen zwar zwei professionelle Musikhörer – Peter Müller und Thomas Bergbold – die für die Macwelt Audio-Tests schreiben und gegen die eloquentesten Sommeliers bestehen können, so poetisch sind deren Beschreibungen der Klangunterschiede. Aber die Ausnahme bestätigt eher die Regel – die Musik-Fans unterteilen sich nicht in Profi- und Hobby-Hörer, sie sind eher alle eben Musikhörer.

Warum also der Zusatz "Pro" bei den neuen Airpods? Schaut man sich etwas genauer die Seite im Apple Store an, wird die Sache etwas klarer. Apple hat aus nur einem einzigen Modell von vor drei Jahren gleich das ganze Portfolio der drahtlosen Kopfhörer aufgebaut. Denn die Airpods der zweiten Generation sind nicht wie die erste Generation aus dem Angebot verschwunden, sondern bleiben in der Leiste "Zubehör". Der Preis der Pro-Generation von 280 Euro sieht in dieser Reihe fast schon normal aus: Die Airpods 2 mit der normalen Ladehülle kosten 180 Euro, eine Version mit der drahtlosen Ladehülle – 230 Euro, Airpods Pro – 280 Euro. Hätte Apple die dritte Generation wie die zweite behandelt, mussten die zwei billigeren Versionen aus dem Store verschwinden, wie dies bei den Airpods 1 der Fall war. Der Einstiegspreis bei den Airpods würde dann gleich 280 Euro betragen. Man vergisst es schnell, aber vor drei Jahren hat sich das Internet nicht nur über das ungewöhnliche Aussehen der Apple-Kopfhörer lustig gemacht, sondern über den hohen Preis empört: "InEar-Kopfhörer fast 200 Euro? Die Earpods kosten doch im Apple Store nur 30 Euro! Was erlaube Apple!" Nun kosten die neuesten Airpods gleich einen Hunderter mehr – und keiner regt sich darüber auf.

Wir finden es jedoch etwas schade, dass die Produktlinie "Pro" in der jüngsten Apple-Namensgebung zum Synonym von "teuer" mutiert. Zwar waren auch die ersten Macs Pro und Macbooks Pro nicht gerade billig, der Käufer war sich sicher, für sein Geld auch eine entsprechende Leistung zu erwarten. Zwei zusätzliche Sensoren und aktive Geräuschunterdrückung macht noch unserer Meinung nach kein Profi-Gerät aus, so kann Apple wegen zweier drahtloser Kopfhörer das Qualitätssiegel "Pro" verspielen, das die Firma seit nun mehr als zehn Jahren pflegt.

Macwelt Marktplatz

2465069