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Was iOS (15) verschwitzt: Eine große Foto-Müllhalde

28.07.2021 | 16:40 Uhr | Halyna Kubiv

iOS 15 geht viele Baustellen an, doch es gibt ein unterschwelliges Problem, das sich nicht so schnell lösen lässt.

Die Apple Community-Foren sind eine gute Erweiterung zu Apples eigenem Newsroom: Wenn letzterer neue Funktionen oder Geräte ausschließlich im positiven Licht darstellt, gibt es gefühlt nur noch Probleme und Fehler, wenn man die Diskussions-Foren durchforscht. Doch diese sind eine recht gute Quelle, wenn man die Probleme aufspürt, die einem nicht so bewusst sind. Filtert man auf der deutschen Seite Apple-Communities den Bereich "iOS-Apps" , betreffen knapp achtzig Prozent Fragen und Problembeschreibungen Fotos. Ein fast identisches Bild ergibt es sich, wenn man zu der US-Amerikanischen Variante von Apple-Communities wechselt: Die Menschen haben Fragen zu den Rückblicken, zur Funktionsweise der Rubrik "Für dich", zu Live-Fotos und so weiter.

Wenn man bedenkt, dass Apple über zwanzig kostenlose Standard-Apps anbietet, die vorinstalliert mit jedem iPhone und iPad ausgeliefert werden, zeigt, dass Fotos - und zwangsläufig auch Kamera - eine der beliebtesten und genutzten Anwendungen auf dem iPhone sind. Vielleicht deswegen stellt der Hersteller auf fast jeder WWDC- oder iPhone-Keynote neue Foto-Funktionen vor, zuletzt war das geniale Feature von smarten Foto-Vorschlägen in einem Widget (ab iOS 14) hinzugekommen.

iPhone als mobile Fotomediathek

Die vielen Fragen zur Foto-App bei Apple Communities zeigen aber auch: Das eigene iPhone ist neben der immer besseren Kamera zu einer mobilen Fotomediathek geworden und damit sind einige wunde Punkte verbunden, die wohl den Nutzern und dem Hersteller unterschwellig bewusst sind. Wie eine jede Mediathek nimmt die eigene Fotosammlung recht viel Platz in Anspruch, sei es im iPhone-Speicher oder in der iCloud. Nur die wenigsten iPhone-Inhaber haben die Gewohnheiten eines professionellen Fotografen: Viele Fotos mit unterschiedlichen Kameraeinstellungen machen und nur die besten behalten. Es bleibt meistens nur beim ersten Schritt – viele Fotos machen, erlaubt doch das Smartphone scheinbar deutlich mehr an virtuellem Speicher als noch die analogen Kamerafilme mit ihren 36 Aufnahmen. Nach drei, vier Jahren wächst die eigene Mediathek auf mehrere Gigabytes, wenn man das "Unglück" hat,  Kinder oder Haustiere zu bekommen, explodiert die Fotosammlung regelrecht, möchte man doch bei den Kleinen alle Stufen der Entwicklung registrieren.

Während Apple sich seit Jahren bewusst ist, dass das eigene iPhone die Digitalkamera längst ersetzt hat, und jedes Jahr Verbesserungen bei Objektiven oder noch mehr Kameras oder einfach neue Aufnahmemodi bringt, wuchern bei den Nutzern ihre Fotomediatheken und damit die Probleme.

iOS als Aufräum-Helfer

Dabei ist eigentlich das iPhone mit seiner Neuronalen Engine und Künstlichen Intelligenz der perfekte Ort, um dem Nutzer beim Aufräumen etwas zu helfen. Wechselt man aktuell in den Einstellungen zum iPhone-Speicher, schlägt das System vor, große Videos zu löschen, um den Speicherplatz freizumachen. Wie wäre es mit einer Analyse aller Fotos, sodass iOS mit seinen ML-Algorithmen gleiche oder ähnliche Fotos findet, sie zu einer Serie zusammenfasst und diese nach Bedarf in ein einziges Bild umwandelt?

Das Widget "Smarte Fotos" ab iOS 14 ist genial: In diesen knapp zehn Monaten haben wir uns an viele Ereignisse und Menschen aus vergangenen Jahren erinnert wie nie davor. Dieses Widget benutzt wohl eine geheime Apple-Magie im Hintergrund, sodass die vorgeschlagenen Fotos nur schön sind und positive Emotionen hervorrufen. Wie wäre es aber mit einem vergleichbaren Widget, das nach nicht gelungenen, verwackelten Fotos sucht und einige Vorschläge zur Löschung macht? Ein oder zwei gelöschte Fotos am Tag werden dem Nutzer nicht so viel Überwindung kosten wie ein bewusstes Ausmisten, das bei Fotos nach einer intensiven Reise schon mal einen Abend füllen kann. 

Im Laufe der Jahre hat Apple die Synchronisierungsmöglichkeiten der iPhone-Fotos ausgebaut, mittlerweile muss man fast schon einen Studiengang abschließen, um genau zu wissen, was etwas im Apple-Sprech bedeutet und welche Folgen einzelne Handlungen in synchronisierten Mediatheken haben. Auch hier muss der Hersteller überlegen, was man vereinfachen kann, welche Funktionen sterben sollen, damit die Nutzer sich schneller zurechtfinden. Fotostream ist etwa eine Option aus den Zeiten vor iCloud, vielleicht lohnt es sich, es mit iCloud zu vereinen?

Lesetipp: Fotostream, iCloud-Mediathek und Fotofreigabe – das sind die Unterschiede

Kurzum: Die immer besser werdenden Kameras am iPhone haben das Gerät in eine mobile Fotomediathek verwandelt. Sowohl  Nutzer, als auch das iOS schaffen es immer seltener, diese Fotomediathek effektiv zu verwalten. Dazu wird die eigene Fotosammlung auf dem iPhone immer größer, Apples Speicherplatz-Preise bleiben jedoch happig, sodass die Nutzer immer wieder ausmisten müssen. Die schlauen Algorithmen von Apple können dabei helfen und auch die Synchronisierungsmöglichkeiten per iCloud könnte man etwas vereinfachen.

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