2511058

Wer ist der zuverlässigste Apple-Leaker? Prosser und Gurman sind es nicht.

01.06.2020 | 13:24 Uhr | Stephan Wiesend

Bei Gerüchten über kommende iPhones und Macs stehen Leaker wie Jon Prosser und Mark Gurman im Rampenlicht.

Gerüchte über neue Apple-Produkte sind heiß begehrt und keineswegs nur für Apple-Fans interessant. Jahrelang galten der Journalist Mark Gurman von Bloomberg und der Analyst Ming-Chi Kuo dabei als die wichtigsten „Leaker“ für Apple-Interna. Mit dem Youtuber und Blogger Jon Prosser gibt es aber einen neuen Star in diesem Nachrichten-Metier. Bekannt wurde Prosser durch Twitter-Feeds, den Podcast "Recycle Bin" und den Youtube-Kanal "Front Page Tech" – Kanäle, über die er am 15. März iPad Pro und Macbook Air ankündigte, auch das Erscheinen des iPhone SE sagte er auf den Tag genau für den 15. April voraus und viele Gerüchte mehr. Wer sind diese Leaker aber überhaupt und wie zuverlässig sind sie?

In seinen Youtube-Videos wirkt Prosser mit seinem Hang zu Toiletten-Witzen vielleicht nicht gerade seriös, nach einer Berechnung der Seite Apple Track treffen seine Voraussagen aber mit einer besonders hohen Zuverlässigkeit zu: Mark Gurman wird laut der Seite eine Zuverlässigkeit von 84,2 Prozent bescheinigt, mit 86,7 Prozent Trefferquote ist Prosser aber noch deutlich zuverlässiger. Laut Prosser nimmt er sich vor der Veröffentlichung eines Gerüchtes viel Zeit und versucht, das Gerücht durch weitere Quellen bestätigen zu lassen.

Der oft zitierte Analyst Ming-Chi Kuo kann da nicht mithalten, seine Voraussagen erreichen nur eine Genauigkeit von 76,4 Prozent. So irrte sich der Analyst etwa beim Erscheinungstermin des iPhone SE. Es gibt zwei anonyme Twitter-Quellen, die sogar noch zuverlässiger als Prosser sind:  Auf der Rangliste der besten Leaker von Apple Track kommt Prosser nämlich erst auf Platz 3, Gurman folgt auf Rang 5. Mit noch höherer Genauigkeit trafen die Vorhersagen von zwei so gut wie unbekannten Leakern zu: Die beiden auf Twitter veröffentlichenden CoinX und L0vetodream erreichen mit ihren Vorhersagen eine Genauigkeit von 95,2 bzw 90,5 Prozent zu. CoinX hatte etwa über Twitter die Namen von XR, XS und XS Max vorab verraten, später die Pro-iPhones. Hier handelt es sich vermutlich um Apple-Angestellte, die selbst Gerüchte verbreiten – vermutlich ohne jede finanzielle Absicht.

Solche internen Quellen bei Apple sind es, auf die Prosser und Gurman angewiesen sind. Dabei handelt es sich offensichtlich um eine ganze Reihe an Einzelpersonen, die bei Apple arbeiten und interne Informationen weitergeben. Während CoinX und L0vetodream in den letzten Jahren aber nur sehr selten Gerüchte veröffentlichen und auch kaum ins Detail gingen, können sich dies der Youtuber Prosser und der Journalist Gurman kaum leisten – sind ihre Veröffentlichungen doch auch eine Einkommensquelle. Zumindest bei der Anzahl der Gerüchte gebührt Mark Gurman der erste Platz: Der Bloomberg-Redakteur hat mittlerweile bereits 279 Apple-Gerüchte publiziert – Prosser dagegen bisher gerade einmal 15. Auch die Reichweite von Gurman ist wohl immer noch größer, steht doch hinter Gurman das Medien-Imperium Bloomberg, Prosser hat aber immerhin 165 000 Twitter-Follower und auf Youtube 254 000 Abonnenten. Per Twitter gibt es sogar einen gelegentlichen Streit zwischen Gurman und Prosser, etwa wenn Gurman die Veröffentlichung von einem internen Apple-Dokument auf Twitter kritisiert. Schutz der Quellen ist nämlich äußerst wichtig, schließlich versteht Apple da keinen Spaß. Hier kommt es aber bei zu ausführlichen Leaks schnell zu Problemen für die Quellen. So berichtete Prosser der Macworld , eine Quelle würde  mittlerweile nur noch mit ihm zusammenarbeiten wollen: Einige zu ausführliche Veröffentlichungen zur Zukunft von iOS (vermutlich durch Gurman) hätte den Apple-Mitarbeiter fast seinen Job gekostet.

Der dritte bekannte Leaker Ming-Chi Kuo wirkt da fast abgeschlagen. Allerdings nutzt der Analyst anscheinend völlig andere Quellen wie Zulieferer von Apple. Bei Themen wie Hardware und neue Komponenten war Kuo deshalb immer sehr zuverlässig und früh informiert, weniger dagegen bei Themen wie Betriebssysteme, Erscheinungstermine und Produktnamen – Informationen, auf die ein Apple-Zulieferer keinen Zugriff hat.

Unsere Meinung : Die Gerüchte über neue Apple-Produkte scheinen jedes Jahr zuzunehmen. Kein Wunder, haben sich doch auch die „Leaker“ offensichtlich professionalisiert und veröffentlichen die Gerüchte als Vollzeit-Job. Eigentlich finden wir das aber bedauerlich: Mittlerweile gelingt es Apple kaum noch, ein Produkt ohne Leak vorzustellen und es fehlt bei Keynotes und Präsentationen immer mehr der Überraschungseffekt.

Macwelt Marktplatz

2511058