889352

Wettkampf um den Internet-Ausweis

22.01.2002 | 00:00 Uhr |

Microsofts "Passport" hat Konkurrenz bekommen. Zur "Liberty Alliance" haben sich auf Betreiben von Sun mittlerweile 40 Firmen zusammengeschlossen.

Den "Browser-Krieg" um die Vorherrschaft bei den Internet-Präsentationsprogrammen hat Microsoft längst gewonnen. Nun versucht der weltgrößte Softwarekonzern, auch bei der Ausstellung virtueller Ausweise für den Handel im Internet die erste Adresse zu sein. Über das neue Betriebssystem Windows XP und Online-Angebote wie Hotmail hat Microsoft bereits rund 200 Millionen Internetnutzer für das Authentifizierungs-Projekt "Passport" für sichere Transaktionen im Internet gewonnen. Doch unterdessen regt sich nicht nur unter den Microsoft-Konkurrenten Kritik.

Viele Unternehmen fürchten, dass Microsoft damit seine Monopolstellung bei den Betriebssystemen nun auf einen weiteren Bereich im Internet ausweiten könnte. Auf Initiative des Technologie- Konzerns Sun Microsystems haben sich inzwischen rund 40 Unternehmen zusammengeschlossen, um mit der "Liberty Alliance" eine Alternative zu den Microsoft-Plänen zu entwickeln. Zu dieser Allianz gehören AOL Time Warner, General Motors, Bank of America, American Airlines, United Airlines, Cisco Systems, RealNetworks, NTT DoCoMo, Vodafone, Nokia und eBay.

Die "Liberty Alliance" will verhindern, dass die Kontrolle der Daten allein in der Hand von Microsoft bleibt. "Hinter 'Passport' steckt eine einzige Firma, die dann alle Daten verwaltet", sagte Greg Papadopoulos, Vizepräsident und Technik-Chef bei Sun. Mit offenen Software-Standards statt mit herstellergebundenen (proprietären) Produkten wolle die "Liberty Alliance" erreichen, dass die sichere Datenübertragung im Netz für alle transparent bleibt. "Der Grundgedanke ist, dass Sicherheit so simpel wie möglich hergestellt werden muss, um nachvollziehbar zu bleiben", erläuterte Sun- Sicherheits-Experte Whitfield Diffle.

Die "Liberty Alliance" will sich dabei die Tatsache zu Nutze machen, dass es im weltweiten Datennetz schon jetzt Authentifizierungen gibt. Ist ein Nutzer zum Beispiel Kunde bei dem Online-Shop Amazon, so hat er dort bereits seine persönlichen Daten hinterlegt. Das Projekt sieht nun vor, dass die Online-Unternehmen untereinander die Gewährleistung für die Richtigkeit der persönlichen Daten weitergeben. Zugleich sei damit sichergestellt, dass nicht ein einziges Unternehmen alle Daten zentral verwaltet. Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner betont, dass auch bei "Passport" die Daten nicht zentral gespeichert werden müssen. Außerdem wolle Microsoft "Passport" nicht allein auf Windows beschränken, sondern arbeite auch an einer Lösung für andere Betriebssysteme, etwa Linux. Der Hauptvorteil der Microsoft-Lösung sei die Akzeptanz am Markt. "Passport ist keine Technologie, die nur aus technischen Konzeptpapieren besteht."

Beim Streit um den Internet-Ausweis der Zukunft geht es aber vor allem um das Thema Sicherheit: Immer wieder waren Produkte vor allem von Microsoft Ziel von Virenangriffen, was die Softwareschmiede aus Redmond nun empfindlich bei der Durchsetzung ihrer ".Net"-Strategie (Dot-Net) stören könnte. Die Sicherheitslücken in den Microsoft- Produkten Outlook, Exchange und anderen Programmen hat Konzerngründer Bill Gates nun zum Anlass genommen, seinen Entwicklern ins Gewissen zu reden. In einem E-Mail-Rundschreiben hatte Gates vergangene Woche persönlich alle Mitarbeiter dazu aufgerufen, in ihrer Arbeit oberste Priorität auf Sicherheit zu legen.

Mit dem Stichwort "Sicherheit" begründet Microsoft auch die jüngste Attacke auf den Konkurrenten Sun Microsystems: Im neuen Microsoft-Betriebssystem Windows XP fehlt eine Unterstützung der Sun- Programmiersprache Java - angeblich um die Internet-Anwender nicht durch die aktiven Java-Inhalte zu gefährden. Sun wirft dem Konkurrenten dagegen vor, die Java-Plattform aus rein taktischen Gründen auszuschließen. Mit Java können Programmierer Software entwickeln, die auf allen Betriebssystemen, nicht nur auf Windows, läuft.

Sun-Chef Scott McNeilly lässt denn auch keine Gelegenheit aus, den Erzrivalen zu attackieren. Microsoft "blockiere" mit seiner XP- Sperrmauer "Penicillin", während es "Ebola und andere gefährliche Viren" fahrlässig herein lasse. "Wann gab es das letzte Java-Virus", fragt McNeilly rhetorisch. "Und wann gab es das letzte Office-Virus? Richtig, in den letzten zehn Sekunden." dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
889352