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"Whatever": Ist Apple Trump etwa egal?

18.08.2020 | 13:35 Uhr | Peter Müller

Eine weitere Runde im Streit zwischen China und den USA kann ohne Apple nicht auskommen. Diesmal betroffen: WeChat.

Die Apple-Aktie ist dieser Tage so viel wert wie nie, Apples Marktkapitalisierung nähert sich den zwei Billionen US-Dollar. Seit drei Wochen ist das Unternehmen wieder das mit dem höchsten Börsenwert weltweit, nachdem der saudische Ölkonzern Aramco aus Gründen der Krise Federn lassen musste. Nächste Woche steht ein Split im Verhältnis 4:1 an, was bedeutet, dass der Kurs von heute auf morgen auf etwa 115 US-Dollar fallen wird. Im Kurs-Chart wird aber natürlich keine Falllinie zu sehen sein, dieses wird an die neuen Gegebenheiten angepasst, denn eine "alte" Apple-Aktie wird einfach gegen vier "neue" eingetauscht. Zuletzt hatte Apple vor sechs Jahren zu einer solchen Maßnahme gegriffen , damals gar im Verhältnis von sieben zu eins. Auch seinerzeit lag der "neue" Kurs bei etwas über 100 US-Dollar und nun eben zwischen 450 und 460 US-Dollar.

Seitdem Apple aber Aramco wieder überholte, eine Rekordbilanz für das dritte Quartal seines Geschäftsjahres hinlegte , Analysten der Apple-Aktie noch viel höhere Zielkurse zuwiesen und Cupertino den Aktien-Split ankündigte, ist der Verlauf der Kurve aber ein wenig flach. Nicht auszuschließen, dass Börsianer die Entwicklungen im Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und China bange abwarten, um dann eventuell doch andere Empfehlungen für Anteilsscheine des iPhone-Herstellers zu geben.

Die dunkle Bedrohung aus dem Weißen Haus

Apple muss zwar Tod und Teufel nicht fürchten, wenn aber China einerseits als Werkbank wegfällt und – noch viel schlimmer – als Absatzmarkt, wird es dem Unternehmen einen schweren Schlag versetzen. Nicht nur Apple, wohlgemerkt, aber der Mac-Hersteller steht als prominentes Beispiel.

Bisher konnte Apple verhindern, in den Zollstreit des Weißen Hauses mit den Machthabern in Peking hineingezogen zu werden, weder musste Cupertino die Preise für iPhones erhöhen noch eine Reduzierung seiner Marge schlucken. Der Wind wird aber schärfer und weitet sich zum Sturm aus, so wie der um seine Wiederwahl fürchtende POTUS 45 um sich schlägt. Man mag nicht unbedingt widersprechen, dass TikTok einen sehr verdächtigen Umgang mit den Daten der Nutzer pflegt und dass Huawei als staatsnahes chinesisches Unternehmen vielleicht ein nicht so vertrauenswürdiger Partner für die Netzwerkausrüstung ist. Doch der Generalverdacht gegen China lenkt vor allem vom eigenen Versagen der US-Politik und auch der ihrer Industrie ab: Huawei scheint einigermaßen alternativlos für den Aufbau des 5G-Netzes zu sein – und die von TikTok gesammelten Daten hätten nicht nur diverse US-Behörden, sondern nun auch Firmen wie Oracle für ihre Marketingzwecke sehr gerne.

Produktionsverlagerungen kosten

Der Schaden, den der Wüterich von Washington aber gerade denen Firmen anrichten könnte, die er angeblich bewundert, droht mit jeder Eskalationsstufe größer zu werden, Apple eben als Beispiel herangezogen. Cook und Konsorten verlegen bereits weitblickend Teile der Produktion in andere asiatische Niedriglohnländer wie Vietnam oder Indien, doch dauert es geraume Zeit, um dort die bei Foxconn und Co. geltenden Standards zu erreichen, was Produktionsqualität, Sicherheit, Arbeits- und Umweltschutz betrifft. Eine iPhone-Fabrik in Wisconsin wäre indes eine Utopie, für die Löhne, die Apple in China und Umgebung zahlt, würde man im mittleren Westen kaum Mitarbeiter finden, schon gleich gar nicht in der benötigten Anzahl. Bliebe in dem Fall die Navigation zwischen Skylla und Charybdis, das eine Übel höhere Endverbraucherpreise gegen das andere Übel geringere Marge ausbalanicert. Und in dem Fall spräche man nicht von wenigen Prozentpunkten, Apple gingen mehr Gefährten verloren als seinerzeit Odysseus.

Nun ist China aber nicht nur Werkbank, sondern auch Absatzmarkt für Apple, der zweitwichtigste nach dem heimischen. Und kein Chinese – auch nicht aus der Diaspora – würde ein Smartphone kaufen, auf dem sich WeChat nicht installieren lässt, nach TikTok die zweite App, die der notorische Twitterer des Oval Office gerne aus den App Stores amerikanischer Unternehmen verbannt sähe. Warum das so ist, hat die Süddeutsche Zeitung am Wochenende ausführlich erklärt , auch wir haben schon öfter darüber berichtet. WeChat ist in China eine Art System im System, man kann gewissermaßen alles in der App erledigen, was man mit einem Smartphone erledigt. Kommunikation natürlich, aber auch Einkäufe, Tischreservierungen im Restaurant, Bezahlung von Beträgen von privat zu privat und von privat zu Unternehmen. Selbst die Corona-Tracking-App Chinas läuft über WeChat. Die Popularität der Plattform ist ja auch der Grund für Apple gewesen, sein einst recht langweiliges iChat/iMessages/Nachrichten immer weiter auszubauen, aber so recht voran kommt Apple dabei nicht. Wir sagen nur: Apple Pay Cash. Ein chinesisches iPhone ohne WeChat ist kein chinesisches iPhone mehr, und über andere Wege als den App Store wird Apple Installationen nicht akzeptieren wollen – noch so eine schwierige Passage zwischen zwei Extremen, in der man eigentlich nur untergehen kann.

Egal

Dem Präsidentendarsteller in der Pennsylvania Avenue scheint das entweder egal zu sein, nicht bewusst – da zu komplex und seinen Intellekt vollkommen überfordernd – oder schlicht ein weiterer Schritt auf das Ziel hin, die multilaterale Welt, wie wir sie kennen und schätzen, zu zerstören. Es ist ja nicht so, dass die Folgen des erratischen Handelns der orangenen Plage den betroffenen Unternehmen nicht bewusst wäre, auch Ford, Disney und andere Unternehmen haben neben Apple Bedenken geäußert, ohne WeChat als Bezahlplattform in China keine Geschäfte mehr machen zu können. Und was sagt der Dekrete Unterkrakelnde im Interview mit Bloomberg diesbezüglich? „Whatever, Gotta do what’s good in terms of the security of our country. We’ve been very badly let down by China." Wörtlich übersetzt etwa: "Wie auch immer, wir müssen uns um die Sicherheit des Landes kümmern, China behandelt uns sehr schlecht." Apple, Amerika und der Rest der Welt, den man einst den "Westen" nannte, hat vermutlich nur noch eine einzige Chance: Eine gleiche, faire, geheime und direkte Wahl am 3. November, wie sie im Buche steht, respektive der US-Verfassung. Aber selbst die will der Amtsinhaber offenbar zerstören.

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