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Whatsapp-Mitbegründer kritisiert Apple und Facebook

18.03.2019 | 10:59 Uhr | Thomas Hartmann

Längst hat Brian Acton nach dem Verkauf von Whatsapp an Facebook das soziale Netzwerk verlassen – öffentlich bemängelt er deren Umgang mit Privatheit.

Brian Acton hat 2014 gemeinsam mit Mitbegründer Jan Koum den weit verbreiteten Messenger Whatsapp für 19 Milliarden US-Dollar an Facebook verkauft. 2017 hat er dann nach mehr als drei Jahren im Konzern diesen verlassen, weil Facebook Whatsapp künftig durch Werbung und spezielle Business-Angebote für den direkten Kundenkontakt monetarisieren will, seiner Ansicht entgegen der ursprünglichen Abmachung bei der Übernahme. Er plädiert während eines eines seiner seltenen Auftritte für eine Rückkehr zum alten Modell, als man für die Nutzung von Whatsapp beispielsweise einen US-Dollar für ein ganzes Jahr bezahlte. Acton war jüngst Gast bei einer Veranstaltung der Stanford University, wo der 47-Jährige Alumnus ist. Er war einer der Gastreferenten der Computer Science 181 über die sozialen Auswirkungen und die Verantwortung von Technologiefirmen. Darüber berichtet ausführlich BuzzFeedNews .

Brian Acton meint, angesichts der finanziellen Umstände, den Investoren und seiner 50 Mitarbeitenden in dem damaligen Start-up hatte er keine andere Wahl, als das Angebot von Facebook anzunehmen. Dennoch konnte er sich mit dem Geschäftsmodell von Facebook nie anfreunden und plädierte nach dem Datenskandal des Konzerns mit  Cambridge Analytica unter anderem rund um die US-Wahlen öffentlich auf Twitter dafür, das eigene Facebook-Profil zu löschen (" #deletefacebook ").

Ausführlich kritisiert er die Pläne von Facebook und auch Google bei der Datennutzung der eigenen User. Ein Grund für seine Abwendung von dem sozialen Netzwerk war unter anderem das "willkürliche" Verhalten des Konzernchefs Marc Zuckerberg. Whatsapp hält Acton nach wie vor zugute, dass man die durchgehende Verschlüsselung eingeführt habe, die es Dritten unmöglich mache, die Kommunikation auf dem Messenger zu verfolgen. Für ihn ist es demnach wichtiger, unschuldige Menschen wie in unterdrückten Staaten zu schützen als vor Kriminellen.

Doch auch Apple bekommt sein Fett ab. So begrüßt er die Entscheidung von Facebook, aufgrund einer neuen Initiative zum besseren Privatschutz der eigenen Nutzer doch keine Server in China zu betreiben, wogegen Apple in China umfänglich Server im Einsatz habe, trotz der eigenen Überzeugungen zum Datenschutz, um die etwa 1,4 Milliarden Menschen des Landes mit den eigenen Diensten zu erreichen.

Acton meint, dass viele dieser Firmenentscheidungen rücksichtslos und eigenwillig seien und kritisiert den Versuch, Plattformen durch Unternehmen gezielt zu moderieren. Er hält es für unmöglich und meint, dass die kuratierten Netzwerke nicht zuverlässig entscheiden könnten, was Hassrede sei und was nicht. So habe Apple Schwierigkeiten wirklich herauszufiltern, was eine gute App und was eine schlechte App ist. Entsprechend sieht er bei Google das Problem zu entscheiden, was eine gute und was eine schlechte Website sei. Diese Unternehmen könnten das einfach nicht – wir aber geben ihnen die Macht und kaufen deren Produkte, meint er weiter: "Wir registrieren uns für ihre Websites." Und erneut forderte er auf, das eigene Profil bei Facebook zu löschen: "Delete Facebook, right?".

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