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Wie Apple den App Store verbessert

10.06.2016 | 10:40 Uhr |

Ab nächster Woche sind Abonnements für praktisch alle Apps zugelassen. Was das für Hersteller und Kunden bedeutet.

Am kommenden Montag wird Apple die neuen Fassungen seiner Betriebssysteme für Mac, iPhone/iPad, Apple TV und Apple Watch vorstellen, aber auch der App Store bedarf dringend der Renovierung. In ungewöhnlicher Weise erklärt Apples Marketingchef Phil Schiller schon einige Tage vor der WWDC, wie das Angebot ab Herbst aussehen wird  – vielleicht will sich Apple zum Auftakt der WWDC am 13. Juni diesbezüglich eher kurz fassen.

Wie Schiller im Interview mit The Verge und Daring Fireball erläutert, werden vor allem Anbieter kostenpflichtiger Apps davon profitieren - und das nicht erst ab Herbst, wenn der App Store in iOS und OS X sich im neuen Look präsentieren wird.

Die Abos kommen

Schon ab kommenden Montag wird Apple nur noch 15 Prozent Umsatzanteil bei denjenigen Abos nehmen, die in ihr zweites Jahr gehen. Apple will damit Entwickler ermutigen, verstärkt auf Abo-Modelle zu setzen, auch für Apps, bei denen das bisher keine Abrechnungsmethode war. Derzeit bieten vor allem News- oder Streaming-Apps oder Datingportale Jahresgebühren an, auch einige Fitnesstrainer lassen sich regelmäßig bezahlen. Künftig könnten aber beispielsweise Anbieter von Casual Spielen wieder vom Freemium-Modell mit seinen nervigen In-App-Käufen abrücken und für ihre Unterhaltungsapps regelmäßig kassieren – bei Nichtgefallen wird dann eben das Abo nicht verlängert.

Mit der Stärkung des Abo-Modells soll aber auch das Problem gelöst sein, dass Entwickler für bedeutende Upgrades nicht erneut kassieren können. So mussten sie bisher einen völlig neuen Titel einstellen und Bestandskunden neu überzeugen. Mit einem jährlichen größeren Update wäre auch für die Verlängerung des Abos gut zu argumentieren. Einmalige Upgrades gegen Geld – von Version 1.x auf 2.0 etwa – wird der App Store weiterhin nicht anbieten. Kostenlosen Demos, die beispielsweise nach 30 Tagen nur noch per In-App-Upgrade funktionieren, hat Schiller ebenso eine Absage erteilt. Weiterhin wird es also diverse "Lite"-Titel geben, deren Daten man nicht in die Vollversion übernehmen kann, entscheidet man sich für diese.

3D-Touch, bezahlte Such-Anzeigen

Nicht nur an Entwickler denkt Apple bei der Renovierung des Stores, von einer verbesserten Suche sollen allen Nutzer profitieren. Gegenüber The Verge verspricht Apples Senior Vice President, Apple habe Wert darauf gelegt, dass "die Anwender damit glücklich werden". Die Tabs für die Kategorien kehren zurück, auf kompatiblen Geräten unterstützt der App Store auch 3D Touch: Nach einem kräftigen Druck kann man die App-Empfehlungen mit anderen teilen. Da laut Apples Plan Abos mehr Gewicht bekommen sollen, haben man auch eine einfachere Möglichkeit zur Verwaltung geschaffen. Entwickler können zudem ihre Apps in der Suche bewerben. Diese Funktion hat übrigens Bloomberg noch Mitte April als Gerücht gebracht.

Update: Mehr Fragen als Antworten

Im Prinzip können alle Apps auf das Abo-Modell umstellen, doch hat die Sache einen Haken. Denn Apple behält sich laut der App-Store-Richtlinien vor, Apps abzulehnen, die im Abo nicht auch regelmäßig neue Inhalte nachladen oder mit Updates neue Funktionen bringen. Für Softwarehersteller und Nutzer ergeben sich aber weitere Fragen, die teilweise noch offen sind. Apple wird sie den Entwicklern auf der WWDC hoffentlich noch näher erläutern, daraus ergeben sich auch die Konsequenzen für Anwender, die jetzt noch nicht alle klar sind. Unser Macworld-Kollege Glenn Fleishman hat die wichtigsten Fragen zusammengetragen und sie so weit wie möglich beantwortet:

Apps im Abo - Fragen und Antworten

1. Werden Entwickler Ihre Apps plötzlich umstellen?

Das wird gewiss nicht passieren. Nicht alle Apps sind für ein Abo-Modell geeignet und schon jetzt verkaufen diverse Programme bestimmte Inhalte innerhalb der App auf Zeit, etwa den Zugang zu VPN-Servern oder eine ausführliche Analyse von Fitnessdaten. Diese Abos verlängern sich nicht automatisch, die App muss ihren Nutzer daran erinnern, den gewünschten Service erneut zu buchen. Anbieter, die sich bislang scheuten, ihren Apps Funktionen bereit zu stellen, die sie kontinuierlich kosten - etwa Speicher im Web - könnten diese nun nachrüsten und per Abo dafür kassieren.

2. Welche Apps kommen überhaupt für Abos in Frage

Jede Menge. Zum Beispiel Apps, deren Anbieter kontinuierlich für Speicherplatz bezahlen müssen. Fotoservices könnten so Abos aus der App heraus anbieten. Multiplayerspiele kommen für das Modelle ebenso in Frage wie Audio- und Video-Mediatheken oder Publikationen. Diese können zwar schon per In-App-Kauf Abos anbieten, die App als solche ist aber kostenlos. Das könnte der ein oder andere Verlag ändern. Generell sind auch kontinuierlich verbesserte Apps etwa für den Unternehmenseinsatz Kandidaten für Abos. Großer Vorteil: Bisher musste ein Entwickler sich seine Arbeit immer mit einer neuen App bezahlen lassen – der Kunde hatte dann SuperBusinessApp 1.5.8 immer noch auf seinem Gerät installiert, wobei er schon auf SuperBusinnesApp 2 umgestiegen ist. Mit dem Abo könnten auch teurere Programme in die App Stores von iOS und OS X gehen, die auch Monatsabos anbieten. Gut möglich, dass Apple auch auf Adobe schielt, das seine Creative Cloud nun auch theoretisch über den Mac App Store vertreiben könnte.

3. Was passiert bei gestiegenen Abo-Preisen? Muss ich dann auf einmal mehr zahlen?

Das ist gut möglich, muss aber nicht sein. Entwickler haben die Gelegenheit, den Preis nur für Neukunden zu erhöhen, wer bereits ein Abo gelöst hat, kann das auch zum alten Preis fortführen. Das wird dann aber allein eine Entscheidung des Entwicklers sein. Will er von allen mehr Geld, müssen das Bestandskunden erfahren. Sie können die Preiserhöhung dann ablehnen, das Abo endet dann aber zum nächst möglichen Zeitpunkt.

4. Wenn das Abo endet, lässt sich dann die App nicht mehr nutzen?

Die Frage ist eigentlich schon beantwortet mit der aktuellen Sachlage: Mal so, mal so. Beenden Sie Ihr Abo von Netflix oder Apple Music, haben Sie keinen Zugriff mehr auf Serien, Filme und Mietmusik. Beenden Sie Ihr Abo der Süddeutschen Zeitung oder der Macwelt, bekommen Sie keine neuen Ausgaben mehr, können die alten aber weiter lesen. Jedoch ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern... Für andere Anwendungsbeispiele bleiben aber Fragen offen. Was passiert, wenn mit dem Abo auch die Miete für Cloudspeicher endet? Werden Daten gelöscht oder kann man sie nur noch lesen, aber auf seinen Speicher keine weiteren Dokumente mehr ablegen? Bei Spielen scheint die Antwort auf der Hand zu liegen: Es gibt dann halt keine neuen Levels oder Items mehr, Business-Apps bekommen nach Abo-Ende keine Erweiterungen oder Fehlerbereinigungen mehr. Zu hoffen ist, dass Apple im Freigabeprozess auf inakzeptable Härten achtet - also etwa Löschen von Daten nach Abo-Ende verbietet.

5. Wie werden Abos in Apps gepflegt?

Apps können unterschiedlich Arten von Abos anbieten. Denken wir an eine App für einen Studiengang, die einerseits Lehrmaterial für komplette Semester anbietet, aber auch für einzelne Kurse. Die Abo-Verwaltung soll verhindern, dass man Inhalte doppelt abonniert. Wenn man also schon alle Kurse für das zweite Semester gekauft hat, kann man nicht noch die Mathe-Vorlesungen für das zweite Semester dazu kaufen. Für den Anwender wird es wohl eine App geben, in der alle seine Abos aufgelistet sind - so kann man rechtzeitig nicht mehr benötigte kündigen.

6. Und wenn eine bezahlte App ins Abo wechselt? Muss ich dann nochmal zahlen?

Die Frage ist noch völlig offen, hier besteht die Hoffnung, dass Apple derartige Härten unterbindet. Denkbar wäre aber, dass eine bereits bezahlte App nicht mehr weiter gepflegt wird und man dann früher oder später auf den Abo-Nachfolger wechseln muss. Entwickler werden aber genau überlegen müssen, was sie welchen Kunden zumuten können. Eine generelle Antwort auf diese Frage ist also nicht möglich.

7. Sind jetzt endlich Trials und Demos möglich?

In gewisser Weise ja. Die Richtlinien erlauben eine kostenlose Probephase, die zwischen sieben Tagen und einen Monat dauern kann. Apple Music hatte beispielsweise drei kostenfreie Probemonate, Netflix, Watchever und Konsorten verlangen bei Neukunden auch erst nach 30 Tagen die erste Bezahlung. Das wird nun auf weitere Apps ausgedehnt, so kann man etwa neue Spiele ein paar Tage oder Wochen ausprobieren und bei Nichtgefallen rechtzeitig das Abo kündigen. Das kann man aber natürlich nicht wiederholen, pro App ist nur eine Probephase möglich. Unter den alten Modellen wird es weiterhin keine Trials geben. Demos – also funktional eingeschränkte – sind auch weiterhin nicht erlaubt. Wir werden also weiterhin im App Store kostenlose SuperApps Lite haben, die nur ein oberflächliches Urteil über die Qualität der Vollversion erlauben.

8. Fallen die Preise nach einem Jahr?

Geht ein Abo in das zweite Jahr, zieht Apple satt 30 Prozent nur noch 15 Prozent des Umsatzes ein. Aller Voraussicht nach werden Entwickler diesen Preisvorteil aber nicht an ihre Kunden weitergeben. Künftige Umsätze sind noch schwerer zu planen, wenn man genau klären muss, welche Abos wann in das zweite Jahr gehen. Zudem soll der sinkende Apple-Share ja auch Entwickler in das Abo-Modell locken. Anbieter müssen sich genau überlegen, ob das eine niedrigere Abgabe bedeutet, als wenn sie auf Ihre Kosten den Vertrieb und die Abrechnung von Abos von Mac-Apps laufen lassen. Für den Mac App Store geht die Rechnung vermutlich nicht auf, für iOS-Apps gibt es aber keinen alternativen Store, mit einer Zunahme von Abo-Apps für iPhone und iPad wird in der nächsten Zeit also zu rechnen sein.

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