2454406

Wie Apple für das nächste Top-iPhone 2400 Dollar verlangen könnte

09.09.2019 | 22:49 Uhr | Stephan Wiesend

Die Top iPhone-Modelle wie XS und XS Max erscheinen unerhört teuer, nach Meinung von Marktforschern könnte Apple aber sogar noch höhere Preise verlangen – mit einem Trick.

Als das iPhone X für 1000 Dollar auf dem Markt kam, waren viele über diesen hohen Preis empört, nach Meinung von Marktforschern könnte Apple aber noch weit höhere Preise verlangen. Simon-Kucher & Partners haben dazu 10250 repräsentative iPhone-Käufer befragt, welche Preise sie für die kommenden Modelle von 2019 zahlen würden. Für die kommenden Modelle werden zwar keine steigenden Preise erwartet, die Marktforscher wollten aber die Bereitschaft der iPhone-Kunden überprüfen.

Das Ergebnis: Bis zu zehn Prozent der Befragten wären bereit, mehr als 2000 US-Dollar für ein neues Top-Modell zu bezahlen, 15 Prozent zumindest 1800 US-Dollar. Das ist deutlich mehr als Apple aktuell für das Topmodell XS Max verlangt – in den USA 1549 Dollar. Diese hohe Zahlungsbereitschaft überrascht, es gibt aber eine bedeutsame Einschränkung zu beobachten: Die Umfrage unterschied zwischen dem sofortigen Kauf und einer monatlichen Zahlung. Nur Befragte, die ihr iPhone über eine monatliche Zahlung erwerben wollen, waren bereit, für ein Top-iPhone über zwei Jahre mehr als 99 Dollar pro Monat zu bezahlen: insgesamt 2400 Dollar. Von den Befragten, die ihr iPhone sofort bezahlen wollten, war dagegen nur ein Prozent bereit, mehr als 1999 Dollar zu zahlen – ein bekanntes Phänomen.

Die Autoren der Studie kommen deshalb zum Ergebnis, dass die meisten Käufer weit auf ihre monatliche Kosten als an die Gesamtkosten denken. Apple könne deshalb relativ leicht höhere Preise durchsetzen, wenn das Unternehmen auf bestimmte psychologische Widerstände achtet: Diese liegen bei 69,99 Dollar, dann bei 99,99 Dollar. Aktuell verlangt Apple maximal 60,99 Dollar pro Monat.

Offensichtlich gibt es ein kleines Kundensegment, das fast jeden Preis für ein Top-iPhone zahlen würde. Sind höhere Preise aber auch sinnvoll? Mit steigenden Preisen sinkt schließlich auch die Kaufbereitschaft und ein Käufer wählt ein günstigeres Modell, beispielsweise das iPhone 8 statt dem XS. Grundsätzlich ist aber laut der Studie Apples aktuelle Preisgestaltung bereits optimal, um den maximalen Umsatz mit den iPhones zu erzielen. Laut Rechnung der Marktforscher würden höhere Preise aber den Gewinn Apples erhöhen: Hebt Apple die Preise um 50 Prozent an, sinke der iPhone-Umsatz um drei Prozent, bei einer Anhebung um 100 Dollar um fünf Prozent und bei 200 Dollar Preisanstieg um neun Prozent – die verkauften Stückzahlen würden nämlich laut Studie um neun, 15 und 25 Prozent sinken. Durch die höheren Gewinnmargen der teuren Modelle könnte Apple aber trotzdem Gewinn machen – vorausgesetzt allerdings, die vor den teuren Top-Modellen zurückschreckenden Kunden würden ein günstigeres iPhone-Modell wählen und nicht zur Konkurrenz wechseln.

Unsere Meinung:

Die Studie wirkt fundiert, allerdings hat sie eine Schwäche: Sie basiert komplett auf dem iPhone treu ergebenen US-Kunden und den US-Preisen und Preispunkten. Apple ist stark auf ausländische Kunden angewiesen, nicht zuletzt China und die EU, wo Android-Smartphones sehr beliebt sind. Der Trend zu monatlichen Kosten ist aber wohl unvermeidbar. Im Unterschied zu US-Kunden sind deutsche Kunden noch wenig an monatliche Gebühren oder Mietmodelle gewöhnt. Allerdings greifen auch in Deutschland Branchen wie Autohersteller immer öfter bereits zum gleichen Preis-Trick und nennen statt Verkaufspreisen monatliche Finanzierungskosten oder Leasingraten.

Was die Studie übersieht: Der Maximalpreis für ein iPhone XS Max liegt eigentlich bereits über 60,99 Dollar. Erwirbt man ein iPhone im Rahmen des iPhone Upgrade Program, zahlt man in den USA 68,66 Dollar im Jahr – bereits knapp an dem von der Studie genannten Preispunkt von 69,99 Dollar. Offensichtlich scheint Apple diese Preispunkte bereits zu kennen und auch zu berücksichtigen.

Macwelt Marktplatz

2454406