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Wie Beats cooler als Apple wurde

17.11.2021 | 16:40 Uhr | Halyna Kubiv

Nebst iPhones, Airpods und Macs hat Apple in seinem Hause noch eine wertvolle Marke, die seit Jahren etwas unter dem Radar fliegt.

Beats ist bislang der teuerste Kauf in Apples Geschichte:  2014 hat das Unternehmen in Cupertino drei Milliarden US-Dollar für die Musik-Firma bezahlt . Im Nachhinein hat sich die riesige Investition gelohnt, nach nur einem Jahr startete Apple seinen Musik-Streaming-Dienst Apple Music, die auf den von Beats gelegten Grundlagen aufbaute. Apple hat sich damit auch eine Kopfhörer-Sparte zugelegt. Ok, mit den Airpods, Airpods Pro und Max macht das Unternehmen zunehmend seiner Beats-Abteilung Konkurrenz, doch wenn man genauer hinschaut, sind die Kopfhörer mit einem B drauf genauso gut, wenn nicht besser, weil etwas erschwinglicher als Airpods von Apple. 

Musikalische Kompetenz, keine B-Ware

Was Beats so besonders macht, sind die Leute, die die Firma gegründet und geführt haben und mit der Übernahme zu Apple gewechselt sind. Jimmy Iovine ist sehr gut auf dem US-Amerikanischen Musik-Markt vernetzt – er hatte schon das legendäre Album "Born To Run" von Bruce Springsteen mitproduziert. Dr. Dre –  bürgerlich André Romelle Young – wurde als Rapper in Los Angeles bekannt, doch er verhalf mit seinen Produktionen dem Durchbruch von Snoop Dog, Eminem, Kendrick Lamar und 50 Cent und einigen mehr. Beats war also vor dem Verkauf an Apple im Musikgeschäft mittendrin, was zu einer etwas abwegigen Marketing-Strategie führt. Aber dieser Marketing-Strategie verdanken wir, dass Beats in den größten Hits der Pop-Geschichte (bis 2015) verewigt wird. 

Aggressives Produkt-Placement in Meisterwerken

Selbst wenn Apple Beats je einstellen oder verkaufen sollte, oder die beiden Firmen pleitegingen – was nicht in der nahen Zukunft passieren kann – ist der Kopfhörer-Hersteller bereits in der Pop-Geschichte verewigt, nämlich in den größten Hits der letzten beiden Dekaden. Produkt-Placement als Werbeform hat Beats nicht ausgedacht, erste Beispiele finden sich noch bei  Jules Vernes und bei Édouard Manet , die Film-Industrie hat die Form weiterentwickelt, die Musikindustrie mit ihren Kurclips auf die Spitze getrieben. Denn manche frühen Videos von Lady Gaga sind eine Abfolge von vorgestellten Produkten, von  Wodka Nemiroff bis eben Beats

Hier sind Beats in Form eines Laptops vorgestellt. Video: "Bad Romance" von Lady Gaga
Vergrößern Hier sind Beats in Form eines Laptops vorgestellt. Video: "Bad Romance" von Lady Gaga
Hier sind weder "normale" Beats als Kopfhörer zu sehen. Video: "Poker Face" von Lady Gaga
Vergrößern Hier sind weder "normale" Beats als Kopfhörer zu sehen. Video: "Poker Face" von Lady Gaga

Aber nicht nur Lady Gaga hatte eine Schwäche für Kopfhörer mit dem geschwungenen B, alleine in den Top-100 besten Songs von 2014 kam Beats als Werbeplatzierung beachtliche 18 Mal vor. Insgesamt haben die Autoren von " Brands and Films " in den Top-100 von 2014 39 Product-Placements gezählt, in fast der Hälfte kamen als die Beats-Kopfhörer vor. Das bestplatzierte Video aus der Liste ist der Song "Bang Bang" von Ariana Grande, Nicki Minaj und Jessie J. 

Nicht zu übersehen: Ein Beat-Lautsprecher vor dem Spiegel Arianas Grande. Video: "Bang Bang" Ariana Grande, Nicki Minaj, Jessie J.
Vergrößern Nicht zu übersehen: Ein Beat-Lautsprecher vor dem Spiegel Arianas Grande. Video: "Bang Bang" Ariana Grande, Nicki Minaj, Jessie J.

Doch nicht nur Künstlerinnen zeigten gerne in ihren Videos Beats-Kopfhörer, abgesehen von Dr. Dre, der ja die Firma führte, tauchten die Beats in den Videos von  Linkin ParkSnoop DogJustin Bieber mit Usher , Coldplay

Beats tauchen in allen Genres auf, bei Sängern und Sängerinnen aus allen Stilrichtungen. Die Tatsache, dass wir uns noch heute daran erinnern, beweist ein gutes Händchen von Iovine und Dr. Dre. Denn die beiden haben ihre Expertise bewiesen, indem sie ihr Produkt in die Videos platziert haben, die später mal auf Youtube Milliarden Aufrufe gesammelt haben. Anders als bei der davor, dazwischen oder danach geschalteten Werbung, muss man so ein Product-Placement recht genau planen: Einen Künstler oder eine Künstlerin auswählen, der oder die das Potential zum Star hat, den Song aussuchen, der später ein Hit werden kann und noch das Team rund um die Band, den Sänger oder die Sängerin überzeugen, das Produkt zu platzieren. 

Und das hat sich ausgezahlt: Das Video von Ariana Grande, Nicki Minaj und Jessie J. hat mittlerweile 1,7 Milliarden Aufrufe, das Video von Coldplay zählt 1,2 Milliarden Aufrufe. Die drei Videos von Lady Gaga mit Beats-Platzierung ("Poker Face", "Love Game", "Bad Romance") kommen zusammen auf 2,6 Milliarden Aufrufe, Spears' "Work Bitch" spielt da eher im Mittelfeld mit 367 Millionen Aufrufen. Ob Apple mit seinen eigenen Produktplatzierungen in den Filmen und Serien von Apple TV+ solche Zahlen erreicht, bleibt abzuwarten. 

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