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So funktioniert die Motivation über die Apple-Watch-Ringe

18.06.2019 | 17:34 Uhr | Halyna Kubiv

Die Aktivitätsapp ist wohl die wichtigste App für die Apple Watch, ein Erkennungsmerkmal sind dabei drei Ringe, die drei Tagesziele symbolisieren sollen.

Apple hat es sich auf die Fahnen geschrieben, aus seinen Kunden gesündere Menschen zu machen. Die Apple Watch hat sich deshalb in den letzten Jahren zu einem wahrhaftigen Fitness-Tracker und -Begleiter gemausert. Die drei Ringe in Rot, Neon-Gelb und Türkis haben dabei die Aufgabe, den Nutzer dazu zu motivieren sich mehr zu bewegen. In der Praxis funktioniert dies erstaunlich gut: Wir haben uns schon mehrmals dabei ertappt, eine halbe Stunde vor Mitternacht frenetisch durch die Wohnung zu hüpfen oder Fitnessübungen zu machen, nur weil auf dem Aktivitätsring ein paar Kalorien bis zum Ziel fehlten. Zusätzliche Intensität nahmen die Übungen dann an, wenn der perfekte Monat oder die längste Bewegungsserie auf dem Spiel standen. Und ja, wir kennen den Trick, wie man das Tagesziel an Kalorien kurzfristig zurücksetzen kann, wirkliche Genugtuung konnte man aber nur dann verspüren, wenn man tatsächlich etwas dafür getan hat.

Wie schafft es die Apple Watch aber, aus scheinbar erwachsenen Nutzern hopsende, rennende, schwitzende Wesen zu machen, nur weil ein bunter Ring nicht geschlossen ist? Welche Kräfte treiben die Apple-Watch-Anwender buchstäblich in die Höhe?

Die erste Antwort ist Belohnung. Richtet ein Anwender seine Watch zum ersten Mal ein, sieht er am Abend ansprechende Grafiken, die signalisieren, dass sich ein oder gleich drei Aktivitätsringe schließen. Obwohl dies recht abstrakt ist, wird dieses digitale Lob doch als Belohnung für eigene Mühen gesehen. Ein Glückshormon wird ausgeschüttet, der Nutzer will dieses Erlebnis wiederholen, weil er dabei schon mal positive Emotionen verspürt hat: Die Apple Watch hat einen so zu sagen am Haken. Dieser Kreis von Anstrengen und einem Lob als Belohnung nutzt sich mit der Zeit ab. Eine Belohnung funktioniert am besten dann, wenn sie neu, unregelmäßig oder unerwartet ist, die täglichen Bewegungsziele werden spätestens nach ein paar Wochen zu einer Routine. Was treibt dann die Menschen dazu ein, ihre Ziele einzuhalten?

Eine mögliche Erklärung liefert der Psychologe Daniel Kahneman in seinem Buch " Schnelles Denken, langsames Denken ". Die tägliche Dosis an verbrannten Kalorien, Trainingsminuten und Stehstunden ist ein kurzfristiges Ziel, das dazu relativ überschaubar ist. Wenn Apple aber mit seine Algorithmen alles richtig gemacht hat, muss sich der Nutzer immer wieder etwas anstrengen, um sein Aktivitätsziel zu erreichen. Hat sich der Anwender daran gewöhnt, die Ringe im Blick zu behalten und diese dann ordentlich zu schließen, sieht er nämlich sonst sein erreichtes Ziel als eine Selbstverständlichkeit: Nun habe ich seit mehreren Wochen meine Ziele erreicht, heute soll es auch klappen. Wenn aber etwas dazwischen kommt – ein langer Arbeitstag, eine Verabredung statt Fitness-Studio, Anfahrt mit der Bahn statt mit dem Fahrrad – steht der Nutzer vor einer potentiellen Enttäuschung. Kahneman spricht davon, dass die Menschen in vergleichbaren Situationen fast schon einen Verlust spüren. Das menschliche Gehirn ist jedoch darauf trainiert, alles Negative, was potentiell bedrohlich sein kann, zu vermeiden . Deswegen setzten die Menschen deutlich mehr Kräfte darauf ein um eine mögliche Katastrophe abzuwenden, als einen Erfolg zu erzielen. Zwar ist ein nicht geschlossener Aktivitätsring noch längst keine Lebenskatastrophe, wenn aber der Nutzer weiß, dass er sich ein wenig anstrengen muss, um ein selbstverständlich gewordenes Ziel zu erreichen, wird er dafür fast alles tun – unter anderem kurz vor Mitternacht durch die Wohnung zu hüpfen.

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