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Windows 11: Warum Mac-Anwender ein Problem haben

29.06.2021 | 08:30 Uhr | Stephan Wiesend

(Update: Die ARM-Version ist bereits verfügbar.) Das kommende Windows 11 hat viele neue Einschränkungen, die eine Installation erschwerren

Mit Windows 11 hat Microsoft letzte Woche den Nachfolger von Windows 10 vorgestellt. Das neue System bietet viele Verbesserungen, eine gut gestaltete Oberfläche und neue Funktionen. So soll etwa Teams in das System integriert werden und vieles mehr. Für Mac-Anwender, die Windows nutzen wollen, gibt es aber schlechte Nachrichten: Bisher war es kein großes Problem, Windows auf einem Mac zu installieren, wahlweise über Bootcamp oder eine Virtualisierungssoftware. Mit Windows 11 ändert sich dies aber offenbar.

Laut den Systemanforderungen wird nicht nur ein relativ neuer Rechner verlangt, dieser muss offenbar zwingend ein Sicherheitsmodul namens TPM bieten – das Macs gar nicht besitzen. Ein weiteres Problem ist Unterstützung von DirectX 12, was ein Problem für Virtualisierungslösungen bedeutet. Die hohen Systemanforderungen haben übrigens auch viele Windows-Fans überrascht, werden doch fast alle Windows-Rechner mit einer CPU vor 2017 damit inkompatibel – auch einige Modelle von Microsoft wie Surface Pro 4 und das teure Surface Studio 2 . Macht Redmond aber wirklich ernst, haben Mac-Anwender, die auf Windows-Software angewiesen sind, ein Problem. Aktuell ist aber noch vieles im Unklaren, auch von den Herstellern von Virtualisierungssoftware wie Parallels erste Stellungnahmen. Wir werden diese aber nachliefern, wenn diese vorliegen. Hier einige vorläufige Fragen und Antworten:

Läuft Windows 11 als virtualisierte Umgebung auf M1-Macs?

Update vom 29.6.2021

Die ARM-Version ist aktuell bereits verfügbar. Hatte man vor dem 24.6 bereits die ARM-Version von Windows 10 über Parallels installiert, wird die neue Windows 11-Version über die Update-Funktion des Systems angeboten. Nach ersten Berichten funktioniert die Installation allerdings nicht bei allen Anwendern, bei manchen erst nach einem Neustart. Bei vielen wird ein TPM-Fehler angezeigt und verhindert den Download. Wie man die ARM-Version erhält und trotzdem installiert, wird mittlerweile bereits in einigen Youtube-Tutorials erklärt.

Ursprünglicher Artikel:

Die noch nicht angekündigte ARM-Version von Windows 11 sollte eigentlich auf M1-Macs laufen können, ganz wie die ARM-Version von Windows 11. Bei Parallels Desktop für M1-Macs fehlt aber noch TPM und DirectX-12-Unterstützung. Zusätzlich sind die Hardwareanforderungen der ARM-Version von Windows 11 noch nicht bekannt.

Was ist ein TPM-Modul?

TPM ist ein Sicherheitschip, der Apples T2 Security Chip ähnelt und sichere Verschlüsselung und sichere Anmeldungen garantiert. Bei neueren CPUs ist ein solcher Sicherheitschip bereits integriert, bei älteren Geräten oder Mainboards ohne TPM kann er oft nachgerüstet werden. Bei Asus-Mainboards handelte es sich etwa um einen kleinen Stecker – der übrigens seit der Veröffentlichung rapide im Preis gestiegen ist.

Von Asus gibt es TPM-Chip auch zur Nachrüstung.
Vergrößern Von Asus gibt es TPM-Chip auch zur Nachrüstung.

Hat ein Mac ein solches TPM-Modul

Faktisch nein. Beim neueren Intel-CPUs ist es zwar integriert aber inaktiv. Und am Mac hat man bisher keine Möglichkeit, diese Funktion zu aktivieren. Bei vielen Windows-Rechnern ist dies per BIOS oder UEFI möglich (auch TPM, fTPM oder PTT), bei Macs nicht.

Funktioniert Windows 11 in einer Virtualisierungsumgebung?

(Update vom 01.07.) Gegenüber der Presse hat Parallels bereits angekündigt , Windows 11 auf den Mac bringen zu wollen.

Es gibt sogar schon erste Erfolgsmeldungen: Von VMware-Mitarbeiter Michael Roy wurde bereits auf Twitter bestätigt, dass die x86-Version der Insider Preview unter Fusion läuft.

Ursprünglicher Artikel

Voraussichtlich sollte Windows 11 in Parallels, Vmware und Virtual Box auf Intel-Macs nutzbar sein. Hier kann ein TPM-Modul in Software nachgebildet werden, bei Vmware etwa vTPM genannt. Bei Parallels kann man TPM in den Pro-Versionen unter Intel aktivieren – für die M1-Version von Parallels wurde dies allerdings erst angekündigt. Bisher gibt es allerdings noch keine offizielle Bestätigung durch die Hersteller, ob Windows 11 unterstützt wird. Ein weiteres Problem: Microsoft fordert in seinen Systemanforderungen eine Grafikkarte mit DirectX 12. Virtualisierungslösungen wie Parallels unterstützen aber bisher nur die Vorversion DirectX 11. Ob dies die Nutzung wirklich verhindert ist noch unklar. Parallels hat eine Stellungnahme angekündigt, sobald mehr über die neue Windows-Version bekannt ist.

Läuft Windows 11 auf M1-Macs?

Voraussichtlich wird allenfalls die ARM-Version von Windows auf M1-Macs laufen. Eine Installation, etwa mit Bootcamp, wäre aber nur möglich, wenn Apple die Voraussetzungen schafft. Es gibt zwar die Möglichkeit der Emulation von x86-Windows auf einem ARM-Mac, etwa mit Qemu , das führt aber zu sehr schlechter Performance und ist für den Alltag nicht brauchbar.

Die ersten Testversionen sollen laut Berichten doch ohne TPM auskommen?

Es ist aktuell unklar, wie streng Microsoft auf die genannten Systemanforderungen besteht. Die erste Insider Preview ist noch gar nicht erschienen . Für diese gelten aber vorerst noch geringere Anforderungen, zumindest, bis die finale Version erscheint. Welche Anforderungen für die finale Version schließlich gelten werden, ist noch nicht bekannt. 

Gibt es keine Hacks, um Windows 11 trotzdem zu nutzen?

Es gibt bereits erste Anleitungen, wie man Windows 11 auch auf älteren Rechner ohne TPM installieren kann. Allerdings ist ungewiss, ob dies auch bei der finalen Version funktionieren wird und ob dies zu Problemen im laufenden Betrieb führt.

Wo bekommt man die ARM-Version?

Vermutlich wird es wie bei Windows 10 eine ARM-Version von Windows 11 für OEM-Kunden und eine Version für Entwickler. Ob es eine Kaufversion gibt, ist unbekannt.

Was sind die genauen Systemanforderungen?

CPU mit 1 GHz mit mindestens zwei Kernen, 64-Bit-CPU, 4 GB RAM, 64 GB Speicherplatz, UEFI, Grafikkarte mit DirectX 12 mit WDDM 2.0-Treiber, Display mit 720p und mehr als 9-Zoll. Für viele der neuen Funktionen gibt es noch weitere Anforderungen

Warum sorgen Microsoft und Apple nicht für problemlose Kompatibilität?

Das ist nicht bekannt, es gibt keine Stellungnahmen von Apple oder Microsoft. Manche vermuten, dass Windows auf dem Mac für beide Firmen ein „Problem of Lost Sale“ ist: Ein Mac-Anwender mit Windows-System kauft beispielsweise nicht mehr in Apples App Store, sondern im Microsoft App Store. Auch Microsoft profitiert wenig von Windows auf einem Mac. Die Unterstützung ist aufwendig, liefert aber wenig Vorteile für das Unternehmen.

Wann ist das neue System verfügbar?

Offiziell erscheint es Ende 2021, erste Insider Previews sind bereits verfügbar.

Ist Windows 10 damit veraltet?

Windows 11 ist der offizielle Nachfolger von Windows 10. Windows 10 wird laut Microsoft noch bis 2025 mit Updates unterstützt. Möglicherweise wird Windows 10 aber noch viel länger in Gebrauch bleiben. Vor allem in Firmen und Behörden werden schließlich oft sehr alte PCs verwendet. So hat selbst das nicht mehr mit Updates versorgte alte Windows 7 laut Statcounter noch immer etwa 15,5 Prozent Marktanteil .

Für die Testversionen gelten geringere Hardwareanforderungen.
Vergrößern Für die Testversionen gelten geringere Hardwareanforderungen.
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