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Windows 11: Was Apple für macOS lernen kann

30.06.2021 | 15:25 Uhr | Halyna Kubiv

Windows 11 scheint ein großes Software-Update seit Jahren zu sein. Nicht nur im Hubraum hat sich viel geändert, auch an der Oberfläche gibt es neues.

Parker Otolani ist ein Produkt Designer, schreibt gleichzeitig für 9to5mac und arbeitet für Buzzfeed: Eine perfekte Kombination, um die Oberfläche von Windows 11 einzuschätzen und einige Features hervorzuheben, die auf dem Mac noch fehlen . Laut Otolani ist Windows 11 ein gewaltiger Schritt nach vorne in Sachen Design bei Microsoft, das neue Betriebssystem setzt auf eine neue bzw. andere Design-Sprache und mistet viel aus. Vor allem fürs Auge ist die Oberfläche deutlich angenehmer, rundet Microsoft nun seine Ecken fast unmerklich ab.

Zwar sei macOS bei solchen grundlegenden Design-Entscheidungen immer noch weit überlegen, Windows (11) ist aber nicht mehr so schroff wie noch sein Vorgänger. Microsoft überarbeitet nicht nur die Oberfläche, sondern auch Funktionen: Das Start-Menü wandert nun aus der linken unteren Ecke ins Bildschirm-Zentrum, aktiviert sieht es aus wie eine Mischung aus Launchpad und Siri Kurzbefehlen, deaktiviert verwandelt es sich in eine Art Dock, wie wir ihn vom Mac kennen.

Zu einer weiteren willkommenen Neuerung zählt Otolani den aufgeräumten File-Manager, die Design-Sprache von Ribbons – horizontalen Balken mit den wichtigen Funktionen – verschwindet allmählich aus Windows-Programmen. Microsoft hat sie durch  Shortcut-ähnliche Symbole ersetzt, wie diese in der Symbolleiste von Finder zu sehen sind.

Was Apple von Microsoft lernen kann

Otolani weist auf einen Bereich hin, der am Mac nicht so ausgeprägt ist wie bei Windows – die Personalisierung. Der Mac-Anwender kann zwischen den zwei Licht-Modi wählen, marginal die Schriftfarben und Kontrast wählen und Desktop-Hintergründe und Bildschirmschoner noch einigermaßen anpassen. Den Rest gibt Apple jedoch vor. Man kann keine personalisierte App-Icons ( mehr ) auswählen, ein Farbschema für die Benutzeroberfläche ist auch nicht möglich.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die ganzen Betriebssysteme, so unterschiedlich sie im Quellcode sind, sich immer weiter aneinander angleichen: Android lässt sich von iOS "inspirieren" und umgekehrt, nun folgt Microsoft dem Druck der Masse und poliert die Oberfläche von Windows etwas auf. Absurderweise werden diese Neuerung die Mac-Nutzer in zwei Lager spalten. Auch aus unserem Arbeitsalltag wissen wir, dass unsere Verbesserungsvorschläge oder Fehler-Meldungen von Kollegen und von den Entwicklern als First-World-Problems abgetan werden: Was für einen Mac-Nutzer hässlich, langsam und fehlerhaft ist, ist für den Windows-Anwender eine Normalität und produktive Umgebung.

In der ganzen Design-Sprachen-Diskussion fehlt uns langsam der Mut. Mut zur Veränderung zu etwas Neuem. Microsoft hat diesen Mut vor Jahren mit seinem Konzept der Metro-Oberfläche bewiesen. Zwar ist die Plattform dafür, Windows Mobile, längst eingestampft, die besten Ideen leben jedoch weiter. Zuletzt konnten wir am Beispiel von iOS-Widgets sehen, was passieren kann, wenn Apples Designer sich hinsetzen und ein Konzept grundlegend überdenken, sowie die besten Erfahrungen aus der Industrie im Auge behalten. Hier wird offensichtlich, wie Windows Tiles einige Elemente von iOS-Widgets geprägt haben.

Klar, kann sich Apple mit iOS und iPadOS keine großen Experimente mehr leisten, schließlich will man nicht mehr als eine Milliarde Nutzer über Nacht ein neues Betriebssystem lernen lassen. Bei einem Mac wären aber die Experimente, auch bei der Oberfläche angebracht: Ist die Zielgruppe für Desktop-Geräte nicht nur ein Otto Normalanwender, sondern auch Entwickler und Tech-Enthusiasten, die sich über offensichtliche Spielereien freuen werden. Seit Jahren folgt macOS dem iOS und übernimmt von dort Funktionen und Design-Sprache. Es ist an der Zeit, den Spieß umzukehren, und den Mac zusammen mit macOS zu einer Spielwiese für Apples Entwickler und Designer zu machen.

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