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Windows auf M1-Macs: Neue Version von Parallels Desktop

15.04.2021 | 08:06 Uhr | Stephan Wiesend

Die neue Version Parallels Desktop 16.5 bringt native Unterstützung von M1-Macs, allerdings wird nur eine ARM-Version von Windows unterstützt.

Was  viele Besitzer eines M1-Mac noch vermissen, ist die einfache Nutzung von Windows-Anwendungen über Bootcamp oder eine Virtualisierungssoftware. Wie Parallels angekündigt hat, ist aber nun die erste Version von Parallels Desktop für Apple Silicon erschienen und bringt Hoffnung auf Abhilfe.

Nach einer langen Beta-Phase, in der die Preview-Version frei getestet werden konnte , ist Parallels Desktop 16.5 sowohl für Intel als auch M1-Macs verfügbar. Das Upgrade auf die Version 16.5 ist für Besitzer von der Version 16 kostenlos, auch eine Demoversion ist verfügbar. Wichtigste Neuerung ist die Unterstützung der M1 Macs, man kann von nun an auch auf einem Apple Silicon Mac virtuelle Systeme nutzen. Die Leistung ist laut Parallels sehr hoch, so soll eine Windows 10 auf einem M1-Mac sogar um 30 Prozent leistungsfähiger sein als ein virtuelles System auf einem Macbook Pro mit Intel Core i9-CPU. Die Standardversion gibt es ab 100 Euro, ein Jahresabo ab 80 Euro.

Der Haken dabei: Auf dem Intel-Macbook läuft dabei ein Standard-Windows (x86), auf dem M1 wird nur eine ARM-Version von Windows unterstützt. Nur Betriebssysteme mit ARM Architektur sind nämlich aufgrund der neuen Prozessorarchitektur auf den neuen Macs nutzbar und diese sind nicht mit allen Windows-Programmen kompatibel. Neben zahlreichen Linuxsystemen gehört dazu auch das nicht öffentlich verfügbare Windows 10 für ARM. Parallels nennt etwa Ubuntu 20.04, Kali Linux 2021.1, Debian 10.7 und Fedora Workstation 33-1.2

Aktuell bietet Microsoft die ARM-Version nicht als Einzelversion an, nur als Betriebssystem für Windows-PCs mit ARM-CPU. Kaufen kann man dieses System deshalb nicht, allerdings kann man es als sogenannter Microsoft Insider kostenlos herunterladen. Parallels hat in einem Video die Installation ausführlich erklärt, im Prinzip ist nur ein Microsoft-Konto und eine kostenlose Anmeldung beim Insider-Programm nötig. Für Privatanwender kein Problem, eine Aktivierung ist mit einer gültigen Seriennummer ebenfalls möglich. Für Unternehmen ist vermutlich ein Blick in die Nutzungsbedingungen erforderlich.

Auch für Spiele soll sich das System gut eignen, laut Tests soll ein M1-Mac eine um 60 Prozent bessere DirectX11-Leistung erreichen als ein Macbook Pro mit Radeon Pro 555X.

Unser erster Eindruck

Testet man die Performance mit einem Benchmark-Tool, ist man begeistert. Unter macOS erzielt Geekbench 5 mit unserem Mac Mini M1 1746 bzw. 7688 Punkte. Was man wissen sollte: Die Multicore-Leistung ist von der Anzahl der verfügbaren Kerne abhängig, unter den Voreinstellungen kann Parallels einer Maschine zwischen einem oder bis zu acht Kerne zuweisen. Zwei sind für den Alltag ausreichend, für unseren Test wählen wir alle acht CPU-Kerne aus. Diese lassen sich offensichtlich auch nutzen: Unter Windows 10 für ARM erreicht die Windows-Version von Geekbench 5 ein hervorragendes Ergebnis von 1480 Punkten im Single und 6031 Punkten im Multicore - und hängt einige iMacs ab .

Leider weist Windows 10 für ARM aber in der Praxis doch einige Einschränkungen gegenüber einem üblichen Intel-Windows auf, wie wir schon bei der Preview-Version von Parallels feststellten. Anfangs gab es nur eine englischsprachige Version, und bei der Kompatibilität mit Programmen gibt es immer wieder Probleme. Ähnlich wie bei Rosetta unter macOS muss das ARM-Windows viele Apps erst übersetzen und nicht alle Windows-Apps werden unterstützt . Vor allem der erste Start einer App kann sehr lange dauern oder scheitert manchmal aus unbekannten Gründen. Bei einer App wie iTunes warteten wir außerdem oft mehrere Minuten auf den Programmstart. Vor allem vorinstallierte Tools und die Office-Programme von Microsoft selbst funktionieren aber offenbar recht problemlos. Laut Parallels sollen aber auch Spiele wie Rocket League, Among Us, Roblox, The Elder Scrolls V: Skyrim, Sam & Max Save the World laufen.

Für eine Produktiv-Umgebung ist ein solches Windows-System aktuell nach unserer Meinung nur sehr eingeschränkt zu empfehlen. Ob sich dies so bald ändert, hängt allein von Microsoft ab.

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