1011437

Windows mit und nicht im Papierkorb

21.01.2009 | 08:54 Uhr | Peter Müller

Windows mit und nicht im Papierkorb

Windows 95 ist nicht für den, sondern mit Papierkorb.
Vergrößern Windows 95 ist nicht für den, sondern mit Papierkorb.

Den Papierkorb kennt Windows erst seit jener Version Win 95, die mit Verspätung, aber noch rechtzeitig zum Jahresendgeschäft am 24. August in die Läden kommt. Früher traute man sich das innovative Apple-Feature nicht kopieren, der Rechtsstreit geht aber 1995 zugunsten Microsofts aus. Die gesparten Lizenzgebühren investierte man in eine Milliarden schwere Werbekampagne, allein für das Recht, mit dem Song "Start me up" der Rolling Stones den "Start"-Knopf zu feiern, zahlte Redmond 12 Millionen US-Dollar an Mick Jagger und seine Kumpels.

Aufspringende Ordner, ein Copland-Relikt in Mac-OS 8
Vergrößern Aufspringende Ordner, ein Copland-Relikt in Mac-OS 8

Sicher, Windows 95 war nicht das Gelbe vom Ei, der Nachfolger Windows 98 auch nicht viel besser und überhaupt wollen wir hier nicht gut über Windows sprechen. Während Microsoft 1995 aber eine klare Betriebssystemstrategie verfolgt, das immer noch auf MS-DOS basierende Win95 für die Verbraucher und Windows NT für Administratoren zu entwickeln, bricht bei Apple das Betriebssystem-Chaos aus. "Pink" war gescheitert, im Geheimen 1993 auch das Projekt "Star Trek", das den Mac dorthin führen sollte, wo nie ein Apple-Rechner zuvor war, auf die Intel-Plattform. Was wollte Apple eigentlich? Ein Nischenprodukt perfektionieren oder als Systemanbieter mit Microsofts Windows konkurrieren? Die Frage "Apple/IBM/Motorola vs. Wintel" war ja bereits zu ungunsten des Mac entschieden. Copland hieß die neue Verheißung, Apple traute sich erneut in den Ring und versprach auf der Macworld Expo in Boston im August, bis zum nächsten Jahr das moderne Betriebssystem auf den Markt zu bringen, das eigentlich schon mit den Power Macs hätte zur Auslieferung kommen sollen. Tatsächlich: Im November hielten ausgewählte Entwickler die Beta-Fassung von Copland in den Händen. Diese war aber dermaßen unreif, dass niemand an eine Veröffentlichung in naher Zukunft zu denken wagte. Internetanbindung? Fehlanzeige! Effektiver Speicherschutz? Pustekuchen! Der große Wurf landete im Aus, Apple baute nur noch einzelne Bestandteile Coplands in System 7.6 (Codename Harmony) und Mac-OS 8 (Codename Tempo) ein, Harmonie und Tempo waren der Entwicklung aber längst ausgegangen. Nicht zuletzt fehlte es an Mitteln: Im April 1996 musste Apple einen Quartalsverlust von 740 Millionen US-Dollar melden. Wie dringend hätte man Lizenzgebühren und/oder Schadensersatz von Microsoft gebraucht. Aber Redmond hatte 1995 vor Gericht Recht bekommen.

Macwelt Marktplatz

1011437