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Wird Ihr iPhone in Frankreich schneller? Der Test

26.08.2021 | 14:00 Uhr | Stephan Wiesend

Stellt man im iPhone die Region auf „Frankreich“, soll das Gerät schneller werden. Wir haben dies nachgeprüft.

Der Vorwurf ist wie eine Ohrfeige für Apple. Laut Gizchina genügt es, ein altes iPhone auf die Region Frankreich umzustellen und plötzlich wird es schneller. Die Begründung dafür klingt im Grunde sogar plausibel: In Frankreich wurde Apple zu einer Geldstrafe von 25 Millionen Euro verurteilt , weil iOS 11 iPhones mit altem Akku ausbremste. In Frankreich scheint deshalb eine Systembremse nicht aktiv zu sein. Um das nachzuprüfen, muss man aber nicht nach Frankreich reisen. Laut dem Bericht genügt es, bei einem alten iPhone wie dem iPhone 7 die Region auf Frankreich umzustellen und die Performance steigert sich deutlich. Laut Messungen mit dem Benchmarktool Antutu von 286632 Punkten auf 298321! Das sind nur wenige Prozent, es scheint aber alte Vorwürfe zu bestätigen, dass Apple alte Geräte ausbremst.

Eine erste Messung scheint dies sogar zu bestätigen: Wir messen mit einem alten iPhone 6S mit der App Geekbench 5 nach und prüfen die Performance zuerst mit deutschen und dann französischen Landeseinstellungen: Bei einem ersten Test des iPhones, noch in der Region Deutschland, misst Geekbench 504 im SingleCore und 1000 Punkte im Multicore-Benchmark. Nun wählen wir über die Einstellung Allgemein > Sprache & Region > Region Frankreich als neuen Standort aus. Nach der Umstellung misst Geekbench nun plötzlich 541 Punkte im SingleCore und 1004 Punkte im Multicore. Zumindest im SingleCore-Benchmark also ein deutlicher Performancesprung von etwa 7 Prozent. Es scheint als würde Apple wirklich alte iPhones ausbremsen!

Geekbench hat seine Tücken.
Vergrößern Geekbench hat seine Tücken.

Leider ist die These aber nicht haltbar, weder die Theorie mit der Systembremse, noch die Messungen: Die in Frankreich beklagte Systembremse betraf nur iPhones mit schwachem Akku. Bei diesen Modellen wurde im Hintergrund die CPU auf eine bestimmte Taktung begrenzt, um das ungewollte Ausschalten des iPhones zu verhindern. Die Umstellung der Landeseinstellungen sollte also nichts ändern.

Warum aber die Performancesprünge? Dafür gibt es wohl zwei Günde: Geekbench ist kein sehr exaktes Programm und ein Neustart des Systems erhöht die Leistung. Ändert man aber die Landeseinstellungen, wird das System zurückgesetzt und die Performance bei der nächsten Messung könnte sich um einige Prozent verbessern – so wie man oft die Performance verbessern kann, wenn man ein iPhone neu startet. Außerdem sollte man Geekbench-Messungen nicht zu genau nehmen: Die Messungen weichen bei jeder Messung um ein paar Prozent von der nächsten ab. Gerade bei älteren iPhones wie iPhone 6S oder 7 fällt auf, dass ihre Performance schwanken kann. Oft genügt das Anschließen eines Netzteils, eine noch im Hintergrund aktive Youtube-App oder ein warm gelaufener Akku um die Leistung zu vermindern und Messungen zu beeinflussen. Bei aktuellen iPhones sind die Leistungswerte dagegen weit stabiler.

Wir wiederholen deshalb die Messungen mit einigen Minuten Abstand und drei Durchgängen. Drei Messungen mit Deutschland und drei Messungen mit Frankreich als Region. Die Abweichung beträgt hier nun nur noch wenige Punkte, offensichtlich bringt der Standortwechsel so gut wie keine Leistungsverbesserung.

Offenbar ist das Frankreich-Gerücht also falsch. Dass man aber Apple immer noch zutraut, alte iPhones auszubremsen, sollte Cupertino vielleicht zu denken geben.

Benchmark Geekbench 5

iPhone 6S mit iOS 14

Messung 1 (Single/Multicore)

Messung 2

Messung 3

Region Frankreich

541/1004

550/1020

550/1020

Region Deutschland

527/1004

548/1011

549/1020

 

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