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USTR beschränkt Ausnahmen auf Zölle für den Mac Pro

01.10.2019 | 09:30 Uhr | Peter Müller

Auf die teuersten Komponenten muss Apple keine Strafzölle zahlen, ganz kommt der Mac Pro aber nicht davon.

Fünf von fünfzehn

(Update vom 1. Oktober)

Apple bekommt auf Bauteile für den Mac Pro Zollausnahmen gewährt , aber nicht auf alle. Das Büro des US Trade Representative (USTR) hat fünf Komponenten die Ausnahme von den Strafzöllen gegen China verweigert, zehn weitere kann Apple aber ohne Aufschläge einführen. Zu den Komponenten, auf die Apple einen Strafzoll von 25 Prozent zahlen muss, gehören etwa die Räder, mit denen man das Gehäuse des Mac Pro optional ausstatten kann. Aber auch Mainboard, Prozessorkühler, Netzteil und -kabel bekommen keine Ausnahme und werden somit teurer in der Produktion. Die Endfertigung des Mac Pro geschieht in Austin, Texas, in der Fabrik, in der Apple seit 2013 auch den Vorgänger im Mülleimerformat gebaut hatte.

Laut UTSR habe Apple nicht beweisen können, dass Zölle auf die fünf Komponenten einen bedeutenden wirtschaftlichen Schaden zur Folge hätten, bei teureren Bauteilen wie der CPU oder der Grafikkarte scheint indes der Beweis dafür erbracht. Apple sehe keine Möglichkeit, die für den Mac Pro notwendigen Bauteile anderweitig als aus China zu beziehen. Auf Apple Watch, iMac und Airpods zahlt Apple bereits 15 Prozent Einfuhrzoll, iPhone und iPad sollen im Dezember folgen. Bisher hat Apple die Endpreise nicht erhöht, sieht man von der Apple Watch Series 5 ab, die ein wenig teurer ist als die Series 4 vor einem Jahr.

Gute Argumente auf Apples Seite

(Update vom 19. August)

US-Präsident Donald Trump hat sich von Apple-CEO Tim Cook am Wochenende erklären lassen, wie die geplanten Strafzölle auf Waren aus China Apples Geschäft stören und den Konzern im Wettbewerb mit Samsung behindern, das von derartigen Zöllen nicht betroffen sein würde. Cook habe sehr zwingende Argumente vorgebracht, weshalb er nun über die Sache nachdenke, gab POTUS 45 gegenüber Reportern in New Jersey bekannt. Cupertino scheint einen heißen Draht ins Weiße Haus zu unterhalten, wie Business Insider berichtet, traf Cook den Präsidenten schon fünf Mal in diesem Jahr. Zuletzt war er am Freitag zu einem Abendessen in Washington, woraufhin der Gastgeber twitterte, Apple wolle "riesige" Summen in den USA investieren. Ob es Cook aber nur gelingt, dem POTUS 45 die Strafzölle auf Apple-Produkte auszureden oder ihm den gesamtwirtschaftlichen Schaden für die USA zu beschreiben, sei dahin gestellt.

Vorläufiges Aufatmen

(Update vom 13. August)

Die USA wollen im Handelskonflikt mit China nun offenbar deeskalieren. Wie CNBC berichtet , seien die meisten der geplanten Strafzölle auf Importe aus China von zehn Prozent, die Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar betroffen hätten, auf den 15. Dezember verschoben. Bestimmte Güter seien sogar komplett von der Liste entfernt worden, aus Gründen der Gesundheit, (nationaler)  Sicherheit und anderer Faktoren. Für Fitnessarmbänder, Smartwatches, Smartspeaker und Bluetooth-Lautsprecher gilt nach wie vor der ab 1. September erhobene 10-prozentige Zoll. Apple betrifft es also bei Apple Watch, Homepod und Airpods. Man darf gespannt sein, ob Apple in seiner boomenden Sparte die Zölle auf Kosten der Marge absorbiert oder sie in Form von Preiserhöhungen an die Kundschaft weiter gibt.  In Folge der Nachricht legte nicht nur die Apple-Aktie wieder stark zu, sondern auch die Kurse von Handelsketten wie Best Buy oder dem Sportartikelhersteller Nike. Der US-Finanzminister Steve Mnuchin und sein chinesischer Amtskollege Liu hätten in der Angelegenheit telefoniert und weitere Gespräche für nächste Woche vereinbart.

Kursentwicklung am 13. August
Vergrößern Kursentwicklung am 13. August

Kurssturz

(Update vom 7. August)

China reagiert auf die Ankündigung neuer Strafzölle mit einer Abwertung seiner Währung – wobei einige Experten das auch etwas anders einordnen, demnach würde China nun darauf verzichten, den Wert des Yuan künstlich hochzuhalten. Die Folgen sind jedoch bedeutend und betreffen nicht nur die USA: Der Dollar wird in China teurer und damit Exporte schwieriger. Das kann die in den USA drohende Rezession schneller auslösen, Wall Street reagiert bereits. An der Börse haben die Top-Five-Unternehmen FAANG (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google) beträchtlich an Wert verloren, insgesamt 150 Milliarden US-Dollar – mehr als Costco oder IBM insgesamt an der Börse wert sind. Besonders hart hat es Apple getroffen, der Mac-Hersteller sah seinen virtuellen Preis um 53 Milliarden US-Dollar reduziert. Nach dem gestrigen Schock hat sich die Apple-Aktie wieder ein wenig erholt und ist um fast 4 US-Dollar auf derzeit 197 US-Dollar im Kurs geklettert.

Abgewettert

(Update vom 6. August)

Von Trumps Strafzöllen auf aus China importierte Produkte werden bald auch Apples dort gefertigten Produkte betroffen sein. Doch iPhone, iPad und Mac werden nicht teuer, ist sich der Analyst Ming-Chi Kuo laut MacRumors sicher . Kurz- und mittelfristig werde Apple die höheren Kosten absorbieren, was aber zulasten der Hardwaremarge gehe. Doch diese sei nicht mehr so wichtig, da Apples Umsätze mit Services stark wachsen , beschwichtigt Kuo. Dass die Auswirkungen auf Apple aber relativ gering bleiben könnten, sei auch noch einem anderen Umstand zu verdanken: Apple verlagere immer mehr seiner Produktionskapazität aus China in andere Länder wie Vietnam oder Indien. Analysten waren bisher mehrheitlich davon ausgegangen, dass Apple die Strafzölle an die Kundschaft weiter reicht, um seine hohe Marge zu bewahren. Der Nachfolger des iPhone XS würde demnach um die 100 US-Dollar mehr als heute kosten, also 1.099 US-Dollar.

Zehn Prozent Zoll

(Originalmeldung vom 2. August)

Vom Handelskonflikt zwischen China und den USA war Apple bisher nur am Rande betroffen, nun geht es aber an das Eingemachte. Wie der Präsident gestern auf Twitter (wie sonst?) ankündigte, werde die USA ab dem 1. September nun auch auf in China produzierte und in die USA importierte iPhones, iPads und Macs einen Strafzoll in Höhe von zehn Prozent erheben. Dies ist Teil einer Maßnahme, die Güter im Wert von insgesamt 300 Milliarden US-Dollar betrifft. Der Kurs der Apple-Aktie, eben noch durch überraschend starke Quartalszahlen gepusht, fiel daraufhin um zwei Prozent zurück.

Laut Trump gingen die Verhandlungen über die Handelsbeziehungen zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsmächten weiter, Ausgang ungewiss. Apple steht nun vor einem Dilemma. Einerseits könnte die Company die höheren Importkosten absorbieren, was jedoch zulasten der erzielten Marge geht und damit auch auf den Aktienkurs. Die Alternative wäre es, in den USA die Preise zu erhöhen, was die Verkäufe schädigen dürfte und damit auch dem Umsatz. Doch sehen Analysten wie Daniel Ives von Wedbush Securities das als die wahrscheinlichere Variante, wie ihn Spiegel Online zitiert :  "Apple wird die Zölle nicht einfach aus Nettigkeit schlucken." Das günstigste iPhone XS kostet derzeit netto 999 US-Dollar, eine Preiserhöhung auf 1.099 US-Dollar dürfte spätestens mit dem für Ende September erwarteten Nachfolger anstehen. Und ob Apple den Preis von 5.999 US-Dollar aufwärts für den Mac Pro halten wird, scheint ebenso ungewiss.

Bisher musste Apple nur bei Zubehör wie Ladegeräten die Strafzölle mit einkalkulieren, Trump hatte diese Woche bereits gedroht , auch auf den neuen Mac Pro werden Zölle erhoben, solange ihn Apple nicht in den USA fertigt. Ironie der Geschichte: Die roten Kappen mit der Aufschrift "Make America Great Again" lässt die Trump-Truppe ebenso in China fertigen und nicht in der Heimat …

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