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Zehnter Todestag von Steve Jobs: Erinnerung und Ausblick

05.10.2021 | 08:30 Uhr | Peter Müller

Zehn Jahre nach Steve Jobs' Tod geht es Apple besser denn je. Kein Wunder, die Firma selbst hat Jobs als sein bestes Produkt bezeichnet.

Zehn Jahre sind gerade in der IT am Ende der  Ära des Moore'schen Gesetzes eine lange Zeit, und doch wieder nicht. Zehn Jahr gehen schnell vorüber: Am 5. Oktober 2011 verstarb Steve Jobs an den Folgen seiner langjährigen Krebserkrankung, in Europa war bereits der 6. Oktober angebrochen.

Man hätte es ahnen können, am 24. August hatte Steve Jobs 2011 seinen Posten als CEO endgültig aufgegeben, weiterhin wolle er beratend im Hintergrund aktiv sein. Optimisten wie wir hatten daher vermutet und gehofft, dass er sich bei der Vorstellung des iPhone 4S – dem ersten Gerät mit der sprechenden Assistentin Siri, der wir uns gestern an dieser Stelle widmeten – vielleicht ja per Videoschalte aus dem Home-Office melden würde – aber die Agonie war bereits zu weit fortgeschritten.

Lange Leidenszeit

Schon ein paar Wochen später erfuhr man einige der Hintergründe, die Apple und Steve Jobs bis dahin in Euphemismen wie "kurative Auszeit" oder "Stoffwechselstörung" versteckt hatten. Auch erfuhr man von den Zweifeln Jobs' ob das Abwarten nach der ersten Diagnose 2003 und die frutarische Ernährung wirklich so klug war – doch hatten seinerzeit die Ärzte auch im Falle einer raschen Operation nur eine Lebenserwartung von fünf Jahren geben können. Vermutlich aber hätte ein Jahr vorher nicht schon die Leber Metastasen gehabt und bei deren Transplantation 2009 das Bauchfell. Selbst Vordenker sind hinterher immer klüger.

Ein Geheimnis hat Steve Jobs ins Grab genommen – aber vielleicht war es auch nur einem Irrtum aufgesessen, als er seinem Biographen Walter Isaacson davon erzählte, er hätte das Fernsehen "geknackt" und wisse nun, wie ein disruptives Apple-Produkt aussehen müssten. Schnell machte die Mär von einem Apple-Fernsehapparat die Runde, aber selbst wenn Cupertino in die Richtung hin entwickelt hätte, wäre bald klar gewesen, dass in der Sparte kaum Margen zu holen sind. Wie weit Apple wirklich in der Entwicklung voran geschritten war und wer letztendlich aus welchen Gründen den Stecker zog – wir wissen es nicht. Glauben aber zu ahnen, dass bei Apple in der Tat auf ein "Ja" erst einmal tausend Mal "Nein" kommen muss.

Statt auf einen Glotz-Apparat setzt Apple heute auf Services – und darauf, sein Programm Apple TV+ auf möglichst viele Geräte zu bringen, nicht nur die eigenen. Wiederkehrende Umsätze, nur wenige Dollar pro Nutzer, aber schon Apple hat verdammt viele Nutzer.

Was von Steve Jobs bleibt

Zehn Jahre nach dem Ableben des Gründers und legendären Produktvisionärs ist Steve Jobs in Cupertino allgegenwärtig – nicht nur als Namensgeber des Steve Jobs Theater, das Apple hoffentlich im nächsten Frühjahr wieder unter 2G oder 3G-Regeln mit Publikum füllen kann. Die heutige Führungsriege fragt sich aber wohl nur noch selten, was Steve nun tun würde – sie tun es einfach – gewiss auch in seinem Sinne, denn gegen Ende des Lebens hatte Steve Jobs Apple selbst als sein größtes Produkt betrachtet.

In diesen Tagen hören wir auch manchmal neue Anekdoten, wie die gestern berichtete, Steve Jobs hätte die Haltbarkeit des iPhones mit einem Wurf des Prototypen auf den Boden in den Redaktionsräumen des Wall Street Journal demonstriert. Der Wagemut, die komplette Firma auf den Erfolg des iPhone zu wetten, hätte auch nach hinten losgehen können. Ein gesprungenes Display nach dem Droptest oder zuvor eine misslungene Präsentation auf der Macworld Expo in San Francisco am 9. Januar 2007 ab 9.41 Uhr Ortszeit – und das wäre es mit Apple vielleicht gewesen.

Apple für die Welt nach dem Smartphone bereit

Sein Nachfolger Tim Cook, den man ohne Weiteres als einen Jobs-Vertrauten bezeichnen kann, mag etwas weniger risikofreudig sein. Zumindest bisher. In den letzten zehn Jahren hat auch er, der manchen Apple-Fanboys immer noch als dröger Technokrat gilt, auch in Sachen Produkte etwas voran gebracht. Die Apple Watch, von der man bei Apple anfangs gar nicht so recht wusste, welchen Sinn und Zweck sie erfüllt, sollte es allmählich auf Rezept geben – Gesundheitsgerät statt Schmuckstück. Der Wechsel von Intel zu eigenen Chips im Mac – nicht ohne Risiko, aber nicht nur in Sachen Leistungsfähigkeit die beste Entscheidung für ein Produkt, das selbst Steve Jobs in den letzten Lebensjahren ein wenig stiefmütterlich behandelte. Oder eben die Idee, Apples Ökosystem in Sachen Services auszuweiten und damit letztendlich von Geräten unabhängig zu machen – das wird sich langfristig auszahlen. Die nächsten bedeutenden Schritte in dieser Richtung werden wir in Sachen Smart Home sehen.

Denn auch wenn das iPhone noch lange gewaltige Geldströme nach Cupertino spülen wird: Die Zeit nach dem Smartphone hat bereits begonnen. Und sogar das nächste große Ding in Gestalt einer Hardware könnte Apple bereits in petto haben: Bis Tim Cook den ersten Prototypen einer AR/VR-Brille durch die Gegend schleudern wird, kann es nicht mehr so lange dauern. Wichtiger werden für Apples künftigen Erfolg aber die Software und die Services dahinter sein. Den Anspruch, Software so natürlich werden zu lassen, als sei sie gar nicht da, den "Ease of Use", den schon die Oberfläche des Mac vor fast 38 Jahren zeigte, kann Apple nicht hoch genug hängen. Aber das ist tief in der DNA des Unternehmens verankert.

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