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Zurück aus der Hölle: Ist Apple doch nicht doomed?

30.01.2020 | 11:59 Uhr |

Das iPhone ist zurück - tönt es von der Wall Street. Unser Kolumnist aus der Hölle hat gar nicht mitbekommen, dass es weg war.

Mit das Schönste in Macphistos höllischem Heim ist der Sound. In Höhlen ist Echo einfach viel imposanter als draußen, auch wenn die von den umgebenden Felsmassiven auf den Königssee zurück geworfenen Schallreflexionen schon recht fein klingen. Ist aber nichts gegen das höllische Lachen, das sich bei Macphisto auch mal über Jahre hinweg von Wand zu Wand hin und her wirft.

"Apple is doomed" und somit auf dem direkten Weg in die Verdammnis, das heißt es an sich schon seit fast vierzig Jahren – eben fast so lange, wie Apple existiert. Nun ist alles, was entsteht, wert, dass es zugrunde geht , weswegen besser nichts entstünde – in der Verdammnis ist aber immer noch nichts von Apple angekommen: Macphisto müsste das wissen. Im Limbus mag vielleicht die Airpower stecken, wie man aber Spekulationen von jenseits der ewigen Abgründe hört, denkt Apple über eine Reanimation nach , womöglich in etwas zurückhaltender Form.

Indes lauscht Macphisto noch dem Nachhall der Lacher über Apple-Doomsday-Geschichten aus dem Januar 2019. Damals mussten in Kalifornien – was zwar nicht das Paradies ist, an vielen Orten diesem aber nahe kommt  – Apple-CEO Tim Cook und sein Finanzchef Luca Maestri eine Bilanz für das Weihnachtsgeschäft 2018 vorlegen, die ihnen in wesentlichen Teilen nicht so gut gefiel. Das iPhone hatte gegenüber dem gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor deutlich weniger Umsatz eingefahren, Services und Wearables hatten zwar stark zugelegt, konnten das aber nicht ganz kompensieren.

Und die Herren (sowie einige Damen) an der Wall Street, die dort ihr Geld hintragenden Anlegern sagen, welche Firmenanteile sich lohnen, weil die Unternehmen gesund sind und eine tolle Zukunft vor sich haben, jaulten ob des angebissenen Obstes aus Cupertino nun auf, weil sie es für einen faulen Apfel hielten. Schon im Herbst zuvor hatten die Erinnyen der Börsenberichterstattung dafür gesorgt, dass die Apple-Aktie nach Erreichen eines neuen Allzeithochs deutlich verloren hatte. Und das alles, weil Apple im Q1 2019 mit seinem iPhone 51,9 Milliarden US-Dollar eingenommen hatte und keine 61 Milliarden mehr wie ein Jahr zuvor. Das waren aber immer noch 65,9 Millionen Stück, wie Strategy Analytics ausgerechnet hat. Andere Unternehmen träumen von solchen Krisen, für Wall Street zählt aber nur ewiges Wachstum.

Macphisto, der sich mit der Ewigkeit von Berufs wegen beschäftigt, weiß aber, dass bei begrenzten Ressourcen kein unendliches Wachstum geben kann und lässt ob der Ignoranz der Finanzakteure gegenüber dieser Tatsache sein Lachen im Subkontrabass ertönen.

Nun aber vermelden Wall-Street-Analysten begeistert die Rückkehr des iPhones. Das ist aber des Pudels Kern: Das iPhone war nie weg. Es ging zuletzt nur weg wie warme Semmeln, im Dezemberquartal waren das 70,7 Millionen Stück ( Strategy Analytics ), was eine Einnahme von 55 Milliarden US-Dollar bedeutete und zur Folge hat, dass dieselben Leute, die Apple letztes Jahr noch am Abgrund sahen, das Unternehmen heute einen Schritt weiter wähnen und einen Zielkurs angeben, der Apples Börsenwert in die Nähe von zwei Billionen US-Dollar heben würde.

"Wir sehen das Apple-Quartal im Dezember 2019 als einen Mikrokosmos für die Performance des gesamten Jahres 2020, wobei das iPhone wieder an die Spitze und in die Mitte zurückkehrt", schreit etwa Tom Forte von D.A. Davidson ganz laut. Bei euch, Ihr Herrn, kann man das Wesen gewöhnlich aus dem Namen lesen.

Macphisto vermutet ja, Ming-Chi Kuo, der sich vor allem auf die Prognose künftiger Apple-Produkte spezialisiert hat, seine Seele schon einem Kollegen von hier unten verkauft hat, so genau sind seine Vorhersagen oft. Also dürfen wir schon bald außer mit der Airpower Mini mit Apple Tags rechnen, mit einem höllisch gut klingenden OverEar-Kopfhörer einem 14-Zoll-Macbook-Pro und vielleicht schon bald mit dem "nächsten großen Ding", einer AR-Brille Apples. Damit kann man sich die Realität zwar nicht schön schauen oder trinken, aber gewiss nützliche Informationen einblenden.

Wie auch immer sich die Sachen verkaufen oder nicht, die Analysten halten sich an das Motto "Es war die Art zu allen Zeiten, Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten." Macphisto freut sich auf die nächsten Geschichten über Apples Höllenfahrt – denn Macphisto lacht recht gern.

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