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"It's showtime": Apples Services

25.03.2019 | 21:10 Uhr | Peter Müller

Zeitschriften in Apple News: Apple News+ nennt Apple die Erweiterung. Neu ist die Kreditkarte Apple Card mit Apple Cash, einem Payback-Programm. Weiter geht es mit Apple Arcade, dem Spieleservice. Apple TV bekommt TV-Channels, auch auf Geräten Dritter. Der eigentliche Knüller mit eigenen Inhalten heißt Apple TV+ – auf den muss man aber noch bis Herbst warten.

Fast zwei Stunden Showtime: Es dreht sich nur um Services, keine neue Hardware, keine neue Software – außer die für die neuen Services unerlässlichen Updates. Das wichtigste: Apple bringt eigene Inhalte, die den Anspruch haben, das beste Fernseherlebnis zu bieten, als Apple TV+ auf den Schirm. Dieser muss nicht von Apple sein, sondern kann auch aus einem ein SmartTV bestehen oder von einer Roku- oder Fire-TV-Box gespeist sein. Schön: In über 100 Ländern wird das "Weltklasse-Storytelling" zu sehen sein, aber erst ab Herbst – und zu einem noch nicht genannten Preis. Schon eher kommt mit Apple TV Channels die Möglichkeit, aus der App "TV" heraus eine Reihe von Streamingangeboten zu abonnieren und zu verwalten. Zum Fernsehschauen muss man die App nicht mehr verlassen. Interessant könnte auch der Spieledienst Apple Arcade werden, dieser kommt aber auch erst im Herbst. Schon eher kann man über Goldman Sachs und Apple die Kreditkarte Apple Card erwerben, zumindest in den USA. Sie will ohne Gebühren und Strafzinsen auskommen und dabei sogar noch auf jede Zahlung zwei (oder gar drei) Prozent Rabatt gibt. Gleichzeitig soll sie einen besseren Überblick über die Finanzen bieten. Apple News+ bleibt erst einmal dem englischen Sprachraum (mit kleiner Ausnahme) vorbehalten: Ab sofort kann man in den USA über 300 Zeitschriften für einen Zehner im Monat abonnieren, auch Kanada ist ab sofort mit dabei, samt Quebec. Australien und UK kommen später in diesem Jahr, über den Rest der Welt gibt es bisher keine Aussagen.

Die (chronologische) Zusammenfassung der Keynote hier:

Das Intro ist diesmal ein bunter Vorspann eines virtuellen Films der Apple-Geschichte, ein wenig im Stil von "Catch me if you can" gehalten, nette Idee. Dabei bezieht sich Apple nicht nur auf wichtige Produkte aus seiner Geschichte, sondern auch auf legendäre Kampagnen wie "1984" oder "Think different".

"Was ist ein Service?" fragt Tim Cook dann rhetorisch zu Beginn der Keynote und gibt auch gleich selbst die Antwort: "Es hilft den Leuten, ihr Leben anzureichern." Neben Weltklasse-Hardware und -Software biete Apple auch jetzt schon Weltklasse-Services an: Fotos im Web, Kontaktpflege, Kommunikation und vieles mehr. Apple könne die besten Dienste anbieten, da Hardware, Software und eben die Services so eng miteinander verflochten sind. Einfach zu benutzen, auf das Detail bedacht, kuratiert und vor allem sicher.

Apple News+: Mehr Information

Apple News sei schon heute die Nummer Eins News-Anwendung mit personalisierten Artikeln und kuratierten Themen. Doch hat noch etwas gefehlt: Wenn man am Zeitungskiosk steht, will man doch alle haben und nicht nur eine? Genau das passiert: "Heute bringen wir Zeitschriften auf Apple News". der neue Service mit dutzenden Magazinen, die unterhalten und informieren, heißt nun Apple News+.

Apples Werbevideo lobt den Journalismus im Allgemeinen und die teilnehmenden Magazine im Besonderen: Time Magazine, Wired, Sports Illustrated, Fortune, Vogue, GQ - vor allem Wochen- und Monatsmagazine sind erwähnt, keine Tageszeitungen.

Über 300 Magazine über alle möglichen Themen wie Politik, Reise, Mode, Essen&Trinken, Sport – alles dabei, in einem einzigen Paket. Die Apple News-App bekommt entsprechende Erweiterungen, in denen die Magazine präsentiert werden. Ein wenig leckerer als am Kiosk, denn die Titel bewegen sich: Apple führt das Live-Cover ein. Die Artikel sind in einer lesefreundlichen Version für das iPhone gestaltet. Die App lädt neue Ausgaben der abonnierten Zeitschriften automatisch herunter, wenn sie erschienen sind und gibt Empfehlungen für weitere Magazine. Aber auch einzelne Artikel, basierend auf dem Interesse des Lesers, hebt die Anwendung hervor. Auf dem iPad sehen die Artikel ein bisschen anders aus, werden also nicht einfach hochskaliert. Über das Layout haben die Publisher nach wie vor Kontrolle.

In den letzten Wochen hatte man einiges darüber gehört, wer nicht dabei ist. Apple betont daher, wer seine Inhalte über den Service bietet: So kommt etwa die Los Angeles Times, ein aufsteigender Stern unter den Zeitungen, sowie das Wall Street Journal.

Was dem Leser gefällt und worauf sich die Empfehlungen beziehen, berechnet die App auf dem Gerät. Apple weiß also nicht, was der einzelne liest – und lässt auch nicht zu, dass Werbetreibende den Leser tracken.

Apple News+ kostet 9,99 US-Dollar im Monat, im ersten Monat ist der Dienst sogar gratis. Auch die Mitglieder einer Familie können den Service ohne zusätzliche Kosten über die Familienfreigabe nutzen. Vorerst startet Apple News+ nur in den USA und Kanada, Ende des Jahres auch in Australien und dem UK. Das könnte sogar dann noch in der EU sein, aber vom Rest Europas und der Welt ist noch keine Rede.

Mehr zu Apple News+ lesen Sie hier.

Wir glauben an die Power des Journalismus, es werde großartig für Leser und Verleger, freut sich Tim Cook, ehe es zum nächsten Thema geht:

Apple Pay

Der Bezahldienst ersetzt immer mehr die Geldbörse, in diesem Jahr werden zehn Milliarden Zahlungen darüber erledigt. In mehr als 40 Ländern will man bis Ende des Jahres den Dienst anbieten – Deutschland ist ja schon seit Dezember dabei. Sogar im ÖPNV springen erste Unternehmen auf, die BVG etwa. In den USA ist das noch ein wenig zurückhaltend aufgenommen, in Portland, Chicago und New York soll man aber bald damit in Bus und Bahn zahlen. Die eigentliche Neuerung ist aber die

Apple Card

Einfach, transparent und sicher soll sie sein: Jennifer Bailey stellt die neue Kreditkarte vor. Innerhalb von Minuten soll man die Kreditkarte erhalten, nutzbar ist sie überall, wo Apple Pay unterstützt wird. Die Karte ist in der Wallet App hinterlegt, die neue Funktionen bekommt. Support bekommt der Kunde direkt über den Messenger auf dem iPhone. Die Informationen über Zahlungen und wo man sie wem geleistet hat, werden transparenter und in Kategorien eingeordnet. Der Kunde erkennt Zahlungstrends, was zu besserer Kontrolle über die "finanzielle Gesundheit" führen soll. Cashback gibt es bei jeder Zahlung: Daily Cash nennt Apple das Feature seiner Karte, zwei Prozent gibt es auf jede Zahlung, sogar drei Prozent auf Zahlungen bei Apple. Die Gutschriften landen auf der Apple-Cash-Card und können so leicht wie Bargeld weiter gereicht werden. Es gibt kein tägliches Limit für das Cashback.

Kredit hat natürlich den Nachteil, dass er zurück bezahlt werden muss. Die Apple Card will dabei mit Informationen helfen, welche Zinsen für die Schulden anfallen, die man so anhäuft. Jährliche Gebühren oder Strafzinsen verlangt Apple nicht. Für die Karte benötigt Apple aber Partner: Die Karte gibt Goldman Sachs aus, die Investmentbank steigt damit in das Privatkundengeschäft ein. Akzeptiert wird die Apple Card an allen Terminals, die mit der Mastercard zurecht kommen.

Auch hier ist Sicherheit gefragt: Alle Berechnungen zu den Ausgaben erledigt das Gerät, nicht ein bei Apple stehender Server. Apple weiß nicht, was man wo für welchen Preis gekauft hat, auch Goldman Sachs gibt keine Daten zu Werbezwecken weiter. Die Karte gibt es sogar physikalisch, aus einer dünnen Titanplatte gefertigt, mit NFC Chip und dem Namen des Inhabers eingraviert – keine weiteren Informationen sind darauf gedruckt.

Mehr zu Apple Card lesen Sie hier.

App Store: Spiele im Paket

Der nächste Service steht an: Tim Cook spricht über den App Store und vor allem die darin erhältlichen Spiele. Der App Store ist die größte Spieleplattform, schon eine Milliarde Menschen haben Spiele daraus geladen. Insgesamt gibt es über 300.000 Titeln. Zwei Geschäftsmodelle gibt es bisher: Einmal bezahlte und Free2Play-Titel, die sich über Werbung und In-Game-Käufe finanzieren. Aber nun bringt Apple einen neuen Service, der Entwicklern neue Möglichkeiten bieten soll. Apple Arcade heißt der Service für mobile Spiele und solche für das Wohnzimmer. Einige der teilnehmenden Entwickler kommen in einem Werbevideo zu Wort, das auch etliche Spielszenen zeigt. Diese freuen sich, dass die regelmäßig garantierten Einnahmen aus Apple Arcade ihnen die Arbeit abseits des Mainstreams überhaupt ermöglichen. Mehr als 100 Titel – neu und exklusiv – sind zum Start dabei, nur in Apple Arcade findet man diese Spiele. Apple Arcade bekommt einen eigenen Bereich im App Store, es kommen ständig neue Titel dazu. Alle Spiele kann man auf iPhone, iPad, Apple TV und Mac spielen. Es handelt sich hier nicht um einen Streamingdienst wie Google Stadia, alle Spiele lassen sich auch offline spielen. Außerdem sind die Titel plattformübergreifend, man kann also auf dem Mac daheim da weiter zocken, wo man zuletzt auf dem iPhone in der Bahn aufgehört hat. Die Spiele lassen sich wie gewohnt über die Bildschirmzeit einschränken, für die Familie in der Familienfreigabe zahlt man nichts extra. Aber der eigentliche Preis ist noch nicht bekannt: Apple Arcade startet ja auch erst im Herbst 2019. Mehr zu Apple Arcade lesen Sie hier.

Weiter geht es aber mit

TV: Mehr als Entertainment, sondern Kultur

Alles auf alle Bildschirme gebracht, die Apple-TV-App bekommt ein wesentliches Update. Peter Stern zeigt die Details: Alle Filme aus allen Quellen hat man nun in der Apple-TV-App, auch die Angebote von Kabelanbietern. Neu an Apples Angebot: Bezahlen muss man nur für die Sender und Pakete, die einen interessieren, alles ist in einer App, werbefrei, offline wie online schauen, für die ganze Familie: Apple TV Channels heißt das Ganze. Mit dabei sind etwa HBO, Starz, epix, CBS und viele mehr, alles in eine App integriert und damit mit nur einem Passwort erreichbar. Die App muss man für's Fernsehschauen nicht mehr verlassen.

Wenn man weiß, was man als nächstes sehen will, hilft vor allem Siri weiter, doch für Empfehlungen sollen selbst-lernende Algorithmen helfen. Zudem unterrichtet die TV App über Sportereignisse.

Aus der App heraus kann man neue Dienste abonnieren, wie Showtime oder Prime Video, Hulu und mehr. Auch für Kinder sind jede Menge Inhalte in einer eigenen Rubrik dabei. Etwa alle Folgen der Sesamstraße, auch die aus der Zeit, in der die heutigen Präsentatoren im entsprechenden Alter waren.

Die App Apple TV ist auf Apple TV (dem Gerät) nutzbar, aber auch auf iPad und iPhone. Außerdem kommt die App erstmalig auch auf den Mac, allerdings erst im Herbst. Das Software-Update für die mobilen Systeme mit den Apple Channels kommt im Mai. Die Apple-TV-App wird es auch auf SmartTVs geben und auch auf den TV-Sticks von Roku und Amazon. Die Apple-TV-App ist bisher nur in zehn Ländern verfügbar, soll aber in mehr als 100 Ländern zur Verfügung stehen, wenn sie in spätestens neun Wochen kommt.

Mehr zu Apple TV+ lesen Sie hier.

Eine Sache noch – oder ein paar mehr

Der eigentliche Knüller sind aber die eigenen Inhalte, die Apple hat produzieren lassen und die in Apple TV+ Niederschlag finden. Zack van Amburgh und Jamie Ehrlicht, die von Sony geheuerten TV-Experten stellen den Dienst nun persönlich vor. "Best stories ever told" lautet das Motto der Inhalte.

Die Künstler stellen sie selbst vor: Steven Spielberg, M. Night Shyamalan, J. J. Abrams, Reese Witherspoon, Ron Howard, Sofia Coppola, Oprah Winfrey, Jennifer Aniston und viele mehr berichten vor der Kamera, wie sie ihre Geschichten erzählen.

Steven Spielberg betritt nun auch selbst die Bühne – stehender Applaus. "Amazing Stories" – ein seit 1926 existierendes SciFi-Magazin – habe ihn als Kind fasziniert und inspiriert. So ist es nun auch kein Wunder, dass die Amazing Stories nun für Apple TV+ neu aufgelegt werden. Es folgen Reese Witherspoon und Jennifer Anniston, die ihre "The Morning Show" vorstellen – eine Sitcom über TV-Journalisten und die Beziehungen von Männern und Frauen am Arbeitsplatz TV-Show. Mit dabei: Steve Carrell.

Die postapokalyptische Serie "See" stellt "Aquaman" Jason Momoa zusammen mit Alfre Woodard vor, "Little America" zeigt die Leben von Immigranten in den USA – Geschichten aus dem echten Lebe. Der aus Pakistan stammende Komiker Kumia Nanjiani stellt das Konzept vor und warum man mit Apple diese Serie gedreht habe: Humanität ist in der DNA Apples verankert.

Auch für die Kinder ist was dabei: Big Bird aus der Sesamstraße stellt eine Serie über Coding im Vorschulalter vor – "Helpster".

J. J. Abrams und Sarah Bareilles sprechen über ihre Serie, die von einer jungen Musikerin in New York handelt und wie sie ihre eigene Stimme findet. Bareilles trägt auch gleich den Titelsong vor. Irgendwie fühlen wir uns an "Fame" und "Coyote Ugly" erinnert - das wird aber eine ganz andere Geschichte: "Little Voice".

Das war es aber noch lange nicht, viele weitere Künstler sollen zu den "Highest Quality Originals" beitragen, von Dokumentationen zu Dramas, für Kinder, für alle. Apple TV+, der Platz für die kreativsten Geschichtenerzähler der Welt. Hoher Anspruch. Und noch wissen wir nichts über Preise und Verfügbarkeit. Und vor allem nicht, wann wir das alles sehen sollen...

Apple TV+ wird in über 100 Ländern verfügbar sein und kommt im Herbst. Es gibt keine Werbung und ist auf allen Geräten verfügbar, die Apple TV unterstützen. Preise stehen offenbar noch nicht fest – oder Apple will sie nicht nennen.

Oprah Winfrey

Als Höhepunkt der Show kündigt Tim Cook Oprah Winfrey an, für einen Moment, der alles verändern soll. Wir suchen eine gemeinsame Basis, um unsere Verschiedenheit zu überwinden: "Darum habe ich mich Apple angeschlossen", erklärt die legendäre Showmasterin. Zwei Dokumentationen habe sie in Arbeit und freue sich, mit den über einer Milliarde Apple-Nutzern zu kommunizieren und sie zu inspirieren.

Komplette Keynote im Live-Ticker nachlesen

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