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Insider: „Project Titan – Robotik statt iCar“

02.12.2021 | 15:30 Uhr | Stephan Wiesend

Apple arbeitet im Projekt Titan an einem kommenden Produkt, es gibt aber prominenten Zweifel, ob es sich immer noch um ein Auto handelt.

Es ist wohl eines der meistdiskutierten Apple-Gerüchte: Arbeitet Apple an einem „iCar“, einem eigenen Elektroauto? Dass Apple wirklich an einem Mobilitätsprojekt arbeitet, gilt als sicher. So testet Apple auf US-Straßen autonome Fahrzeuge, beschäftigt im Projekt „Titan“ tausende an Entwicklern und warb hochrangige Experten aus der Autoindustrie an: Doug Field von Tesla oder laut jüngsten Gerüchen den bei Porsche für Fahrwerkentwicklung zuständigen Dr. Manfred Harrer von Porsche. Schon in Kürze könnte also wohl ein Tesla-Konkurrent von Apple erscheinen – oder etwa doch nicht?

Apple hat zwar vermutlich Milliarden in sein „Mobilitätsprojekt“ gesteckt. Man kann wohl davon ausgehen, dass in einer Apple-Garage bereits ein fertiger Prototyp steht und von Apple-Ingenieuren getestet wird. Die Entwicklung eines Fahrzeugs ist aber nur der erste Schritt. Noch viel teurer würde aber die Investition in die Produktion und der Aufbau eines Zulieferersystems – alles mit dem Ziel, ein profitables Produkt hervorzubringen. Bei Autos ein hochkomplexer Prozess, den Elon Musk einmal als „Produktionshölle“ bezeichnet hat. Vielleicht geht es ja beim Produkt Titan um etwas völlig anderes? 

Software kann nicht das alleinige Ziel sein

Einer der besten Apple-Kenner ist der Podcaster John Gruber, der sich in seinem aktuellen Beitrag mit Jim Dalrymple fragt, wo hier für Apple eigentlich die Geschäftsidee liegen soll. Für Apple gibt es in der Autoindustrie eigentlich ja nur zwei Alternativen: Ein eigenes autonomes Fahrzeug – eine Art „Robotaxi“ oder den Aufbau und die Lizenzierung einer Fahrzeugplattform. Es könnte Apples Ziel sein, nur die Software für autonome Fahrzeuge zu entwickeln, also eine Art carOS. Dieses würde dann an Automobilkonzerne wie Toyota oder VW lizenziert, die hohe Expertise in der Produktion aber bekanntlich oft wenig Fortüne mit Software haben. 

Wohl zurecht wundert sich Gruber aber, ob Apple wirklich als Software-Anbieter auftreten will? Das war noch nie Apples bestes Geschäftsmodell – mit der Lizenzierung von Betriebssystemen hat Apple schlechte Erfahrungen gemacht. So wurde Mac-OS ab 1994 an die sogenannten Clone-Hersteller verkauft – einer der größten Flops für Apple, der 1997 schnell beendet wurde. Bisher war es schließlich immer die Stärke von Apple, Software und Hardware aus einer Hand anzubieten. Auch die zweite Alternative, ein eigenes Angebot an hochspezialisierten und teuren Fahrzeugen, hat seine Tücken. Das Auto der Zukunft ist wohl ein sich autonom steuerndes Fahrzeug, das man nicht mehr selbst besitzt, sondern wie eine Art Robo-Taxi verwendet. Auch dies klingt nicht nach einem Business für Apple, werde doch ein Auto dadurch immer weniger ein persönlicher Gegenstand. Die Stärke von Apple sei es schon immer gewesen, Produkte für den „persönlichen Nahbereich“ zu entwickeln. Das habe etwa ein Gerät wie die Apple Watch gezeigt, die man täglich und körpernah verwende.

Noch wichtiger: Die Gefahr der Produkthaftung ist beim autonomen Fahren außerdem immens und Gruber meint, dass allein die Amerikaner„sue the shit out of Apple” würden, also bei den kleinsten Unzulänglichkeiten den Hersteller verklagen würden. Bei der Frage, was Apple dann auf den Markt bringen wird, ist sich Gruber allerdings weniger sicher. Möglich wären ein oder auch mehrere Produkte, etwa für den Heimbereich, vielleicht auch in Verbindung mit AR/VR. Dass es hier viel zu verbessern gibt, habe er selbst erfahren und nennt seinen Roomba-Staubsauger als Beispiel, denn der sei außerordentlich dumm. So verirre sich der autonome Staubsauger regelmäßig unter dem Küchentisch und finde nicht heraus, bis der Akku leer ist… Bei Produkten für den Haushalt wären auch die Risiken deutlich niedriger, denkbar wäre vielleicht sogar ein Haushaltsroboter für einfache Aufgaben wie „Bier aus dem Kühlschrank holen“.

Unsere Meinung

Es ist keineswegs sicher, dass Apple wirklich ein eigenes Auto auf den Markt bringen wird – hier hat sich wohl auch der Fokus des Projektes mehrmals geändert. Die Zeiten ändern sich und neben den ja weiter bestehenden alten Herstellern konkurrieren immer mehr neue Start-ups wie Rivian und Aurora um die knappen Kunden. Auch wenn wir nicht an einen Haushaltsroboter glauben, vielleicht wäre ja für Apple der Bereich Home-Automation wirklich das profitablere Feld?

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