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iCloud-Backup – Zur Hölle mit der Sicherheit!

23.01.2020 | 09:30 Uhr |

Ist denn nun das FBI böse, weil es von Apple etwas verlangt, das Cupertino nicht herausrückt, weil es nicht böse sein will? Oder ist alles ganz anders? Unser Kolumnist aus der Hölle hat mal wieder ganz spezielle Ansichten.

Macphisto und seine Kollegen aus der Hölle halten sich bekanntlich für allwissend, allmächtig und – um nicht in ein unauflösbares Paradoxon zu laufen – nicht für allgütig, sondern stolz für böse und verschlagen. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Das „sei“ ist hier kein Konjunktiv, sondern ein Imperativ, nur hält sich der Mensch eben nicht daran – hilfreich und gut mag er manches Mal oder sogar recht häufig sein, aber viel zu selten.

Hier unten im Abgrund der Hölle stören einen die Abgründe der Menschheit wenig, die Temperaturregler verfügen über eine Tausenderskala, was machen da schon zwei oder vier Grad Celsius, bösartig und verschlagen wie wir da unten sind?

Mit der Güte ist es nun einmal schwierig: Predigt man Wasser, wird der Inhalt schon in Frage gestellt, wenn man auch nur den kleinsten Schluck Wein zu sich nimmt. Doch der hölzerne Tisch kann Wein auch geben – wer die Zukunft gestaltet, muss sich mit den Werkzeugen der Gegenwart plagen.

Wer nun frei von Sünde, der werfe den ersten Stein, das ist natürlich kein Zitat des Macphisto. Und von ihm kommt auch nicht das über die Freiheit, die man nicht mehr verdiene, wenn man sie zugunsten der Sicherheit aufgebe. Aber Macphisto erkennt freudig die Bosheit der Steinewerfer und derjenigen, die Freiheiten beschneiden wollen, um eine Sicherheit zu erlangen, die es in einer komplexen Welt nicht geben kann.

Bigott klingt für Macphisto daher das Getöse, Apple würde ja heimlich Wein saufen und trotz aller Beteuerungen hinsichtlich Datenschutz und Privatheit  als Sünder mit Steinen auf noch größere Sünder werfen. Macphisto kann da nur sein gehörntes Haupt schütteln und seine Zotteln in Flammen setzen.

Zumal die Faktenlage eine dünne ist. Klar, Tim Cook hat vor gut zwei Jahren mal in Aussicht gestellt, die Verschlüsselung von iCloud-Backups zu verbessern. Es ist ja nicht so, dass die Sicherungskopien von iPhone und iPad heute offen auf Servern lägen, auf die ein jeder zugreifen könnte. Nein: iPhone/iPad-Nutzer haben Schlüssel für ihre Geräte und Apple hat auch für jedes einen. Den rückt es aber nur heraus, wenn eine richterliche Anordnung erfolgt. Aus welchen Gründen, wie viele das sind und wer da genau nachfragt, legt Apple alljährlich in einem Transparenzbericht offen .

Ob denn nun eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für iCloud-Backups kommt, ob Apple das Projekt aufgegeben oder nur verschoben hat, das weiß nicht einmal Macphisto, obwohl er sich ja für allwissend hält. John Gruber beschreibt in einem Blog Daring Fireball ein fiktives Treffen, in dem Apple das FBI höflich fragt, ob die Bundespolizei denn etwas dagegen hätte, wenn Cupertino all seine iCloud-Backup-Schlüssel in den Orkus schleuderte. Für ebenso irrig hält Gruber die Annahme, dass Apple darüber Journalisten der ehrwürdigen Nachrichtenagentur Reuters Details nennt – Reuters kann seine Quellen an sich nur beim FBI gehabt haben oder bei hinterlistigen und verschlagenen – womöglich ehemaligen –  Apple-Mitarbeitern. Falls es die gibt, wären sie ganz nach Macphistos Geschmack: Edel sollten sie sein, hilfreich und gut – sind aber doch nur fehlbare Menschen.

Dass Apple iCloud-Daten seiner chinesischen Kunden auf Servern in China speichert, die einer staatlichen Firma gehören, ist natürlich Fakt. Die Schlüssel lägen aber in den USA, beteuert Apple. VPN-Apps bietet der App Store im Reich der Mitte keine an, der restriktive Staat hat gerne die Sicherheit, dass seine Untertanen nur die Informationen bekommen, die ihnen nicht zu viel Freiheit einreden. Wie kann man in einem solchen Land, mit einem solchen Regime nur Geschäfte machen? Tja, das fragt sich auch Macphisto während er genüsslich Öl aus Saudi-Arabien verbrennt, damit die Hölle am Ende nicht auch noch zufriert.

Edel sei Apple, hilfreich und gut. Schon klar. Aber Cupertino ist nicht allwissend, nicht allmächtig und nicht allgütig. Schon gleich gar nicht alles gleichzeitig.

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