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iOS 14 durchgesickert – warum das für Apple ein Problem ist

31.05.2020 | 08:04 Uhr | Stephan Wiesend

Wie das Magazin Vice berichtet, kursiert seit Februar eine frühe Version von iOS 14 im Web. Für Apple könnte das zum Problem werden.

Für Jailbreaker, Hacker und Sicherheitsforscher ist es immer ein Hauptgewinn, vorab einen Blick auf eine neue iOS-Version zu erhaschen. Sicherheitsforscher und auch Hacker haben dann einen Vorsprung bei der Suche nach Schwachstellen, aber auch Journalisten können dank dieser Vorabversionen exklusiv über neue Systemfunktionen berichten, die Apple noch unter Verschluss halten will – erst am 22. Juni soll die erste öffentliche Beta-Version erscheinen.

Informationen sickern zwar immer wieder vorab durch, im Februar ist aber Apple offenbar eines der größten Missgeschicke der letzten Jahre passiert: Wie das Magazin Vice berichtet , geriet ein für Entwickler gedachtes iPhone mit iOS 14 in die falschen Hände. Angeblich soll es sich um ein iPhone 11 mit einer frühen Testversion von iOS (Stand Dezember) handeln, das ausschließlich für Entwickler von Apple selbst gedacht war. Noch schlimmer: Es handelte sich offenbar um eine unverschlüsselte Version, die sich leicht verbreiten ließ. Jemand erwarb es aber von chinesischen Anbietern für mehrere tausend Dollar und konnte das Betriebssystem auslesen. Pech für Apple: Der Käufer behielt die Systemkopie nicht für sich. Die wertvolle Testversion wurde in Hacker- und Jailbreaker-Kreisen schnell verbreitet, unter anderem über Twitter. Auch die Magazine 9to5Mac und Vice erhielten eine Kopie und konnten die Existenz dieser Kopie bestätigen, Vice hat sie nach eigenen Angaben aber bereits wieder gelöscht. Für Endanwender ist sie wohl kaum nutzbar und enthält anscheinend nur begrenzt neue Funktionen.

Ärger mit Apple ist aber vorprogrammiert, selbst einige Sicherheitsforscher sollen sich von dieser Version deshalb lieber fernhalten. Laut Fachleuten handelt es sich bei diesem sogenannten Leak um einen sehr seltenen Vorfall, der für Apple noch Folgen haben könnte. Wird durch die Testversion doch schon sehr früh ein tiefer Einblick in das kommende System möglich. Bis zum Erscheinen der finalen Version wird Apple zwar noch viele Details ändern, auch das Aussehen wird sich gegenüber der frühen Version noch stark ändern. Sicherheitsforscher und auch Hacker erhalten aber trotzdem einen großen Zeitvorsprung. Wie der bekannte ehemalige Jailbreaker Will Strafach gegenüber Vice kommentiert, handele es sich definitiv um einen „bad leak“. Die Veröffentlichung der Entwicklerversion von iOS sei ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Apples Schutz gegen Leaks immer mehr verschlechtert habe. Das gelte ja auch für neue iPhones, bei denen schon vor der Vorstellung alle Details bekannt wären.

Von Apple gibt es zu dem Thema bisher keinen offiziellen Kommentar gegenüber Vice, die Version wird aber offenbar intern geprüft.

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