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iPad Pro 2020: Warum der A12Z-Chip keine Mogelpackung ist

30.03.2020 | 18:30 Uhr | Stephan Wiesend

Das neu iPad Pro bietet einen verbesserten Chip namens A12Z, der sich auf eine überraschende Weise vom Vorgänger A12X unterscheidet.

Bei Erscheinen des neuen iPad Pro waren viele iPad-Fans doch etwas enttäuscht: Apples neues iPad Pro nutzt als CPU einen Chip namens A12Z, der offensichtlich die gleichen Daten wie der A12X des iPad Pro 2018 bietet und technisch fast identisch ist. Auch im CPU-Test Geekbench lieferte das neue iPad Pro die gleichen Leistungswerte wie das zwei Jahre alte iPad Pro 2018. Für viele Anwender irritierend, woran aber wohl vor allem Apple Schuld ist: So steckt im neuen iPhone 11 ein Chip der Linie A13, dessen Vorteile Apple bei Vorstellung in den höchsten Tönen lobte "so hoch­entwickelt, dass er anderen um Jahre voraus ist". Zumindest der Vorwurf, der neue CPU sei eine Mogelpackung, ist aber falsch: Im neuen iPad Pro verwendet Apple nämlich keineswegs den gleichen Prozessor wie im Vorgänger. Der neue Chip A12Z bietet einige versteckte Verbesserungen, auf die unter anderem Quinn Nelson von SnazzyQ hinwies .

Der Hintergrund ist eine wenig bekannte Besonderheit bei der Produktion von Chip, das so genannte Chip Binning: Bei der teuren und aufwendigen Produktion von CPUs und GPUs entstehen aus technischen Gründen Chips mit unterschiedlicher Qualität und Leistungsfähigkeit. Besonders hochwertige Module erreichen stabil die maximale Performance und werden beispielsweise als teure i7-CPU verkauft, weniger perfekt produzierte Chips werden aus Kostengründen nicht aussortiert, sondern nur für niedrigere Leistung spezifiziert – und kommen vielleicht als i5 oder i3-CPU auf den Markt. Apples A12X im iPad 2018 war ein Chip mit 8 CPU-Cores und 7 GPU-Cores – einer der GPU-Kerne war aber bisher immer deaktiviert. Der Hersteller konnte so den "Ausschuß" in Grenzen halten. Der neue A12Z ist zwar technisch gleich, kann aber wohl dank gesteigerter Herstellungsqualität beim Produzenten TSMC nun 8 CPU-Kerne und 8 funktionierende GPU-Cores bieten – er liefert also einen zusätzlichen aktiven Grafik-Kern und somit bessere Grafikleistung. Laut Berichten gibt es noch weitere kleine Unterschiede zum Vorgänger wie bessere Performance Controller und eine bessere thermische Architektur – auch dies sollte die Leistung verbessern.

Das belegen erste Tests: Wie in Messungen der Seite Barefeats auffiel, ist die CPU-Leistung mit der des Vorgängers identisch – das gilt aber nicht für die Grafikleistung: Im GPU-Benchmark Metal GPU überholt das neue iPad die Vorversion mit 10337 zu 9276 Punkten, im 3DMark Sling Shot liegt das neue iPad mit 4015 Punkten ebenfalls deutlich vor dem iPad 2018 mit 3629 Punkten. Zumindest die Grafikleistung wurde also eindeutig verbessert.

Fazit

Der neue Chip ist etwas schneller als der Vorgänger, schon die Performance des iPad Pro 2018 bat aber nie Anlass zur Kritik. Warum Apple aber keine iPad-Version des A13 entwickelt hat, ist weiterhin nicht völlig klar. Ein möglicher Grund könnte sein, dass Apple die Vorteile des A13 im iPad Pro nur wenig relevant erschienen. Eine der Stärken des iPhone-11-Prozessors sind neben Bildbearbeitung etwa fortgeschrittene Stromsparfunktionen , was bei einem iPad wohl weniger ausschlaggebend ist.

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