2540497

iPhone Pro und Mac Pro: Ein starkes Team

14.10.2020 | 09:19 Uhr | Peter Müller

Selten war die Klassifizierung "Pro" so angebracht wie bei den iPhones dieses Herbst. Aber es hat immer noch was gefehlt.

Was macht einen Pro aus? Also jemanden, der für seinen Beruf bestimmte Hardware und Software einsetzt, von der es auch Versionen für Nicht-Profis gibt, die Hobbyisten, die Otto und Lotte Normalanwender? Apple macht die Unterscheidung beim iPhone erst einmal nicht leicht, insbesondere bei den Modellen iPhone 12 und iPhone 12 Pro, die gleich groß sind. Die Farbe ist für den Profi eher sekundär, weder würden sich Filmer, Fotografen und Cutter gegen Product Red mit Händen und Füßen wehren, noch ebenso vehement auf Gold bestehen. Für den Laien macht es das etwas leichter, Product Red, Hellgrün und Blau: 12, Gold und Pacific Blue (drunter geht es bei Apple nicht!): 12 Pro.

Entscheidend, ob man nun zum "normalen" 12er greift oder zu dem für Profis, ist die weitere Ausstattung. Beide haben zwar den A14 Bionic eingebaut, der mit sechs CPU-, vier GPU- und 16 neuronalen Kernen das mobile Computing erneut auf ein neues Niveau heben will, aber die iPhone 12 Pro machen mehr daraus, vor allem das Pro Max . Da ist nicht nur die dritte Kamera, bei der Apple jedoch ein wenig gemogelt hat, denn der optische Vierfachzoom bezieht sich auf die Ultraweitwinkeloptik, gegenüber dem herkömmlichen Weitwinkel handelt es sich hier "nur" um eine 2,5-fache Vergrößerung, was aber auch nicht übel ist. Deep Fusion jetzt für alle Kameras, das ist eine Ansage, die bezüglich Nachtmodus auch für die 12er gilt, mit dem iPhone 12 Pro kommt aber noch mehr für Fotografen.

RAW-Aufnahmen direkt auf dem iPhone bearbeiten, Videos in HDR bei 4K mit 60 fps drehen: Das ersetzt zwar keine wirklich professionelle Ausrüstung im Studio und beim Außendreh, ergänzt sie aber sinnvoll, da das iPhone 12 Pro (Max) auch dorthin kommt, wo keine Profi-Filmkamera mehr reinpasst. Ganze Filme kann man mit dem iPhone drehen, ohne dass das im Kino negativ auffallen wird, Kreative bekommen vor allem ein neues Werkzeug für ihre Ideen. Mit dem Pro Max kommt nicht nur ein größerer Bildschirm, sondern auch ein größerer Lichtsensor und eine Bildstabilisierung, die diesen mit der wackelnden Hand oder dem rumpelnden Auto bewegt. Das Pro Max gesellt sich in der Branche zu einem weiteren Pro-Produkt von Apple, das zwar nicht so beweglich, dafür aber noch leistungsfähiger ist – dem Mac Pro.

Nur wenige Abstriche, aber viel Potential

Einzig beim Speicher muss man noch ein wenig Abstriche machen: Der Normalkunde mag sich zwar fragen, wie man 512 GB füllen kann, Kameramann und Regisseur fragen sich eher, wie sie denn jetzt die restlichen 85 Minuten ihres Spielfilms aufnehmen und speichern sollen. Sicher, das komplette Material für einen 90-Minuter wird auch nicht auf 1 TB passen, doch viele Kreative werden schon bald die 1-TB-Option vermissen, die sie mit dem iPad Pro etwa bekämen. Aber das hat keine so guten Kameras und keinen so starken Prozessor für die Bildbearbeitung in Echtzeit.

Und da ist dann noch etwas: Das LiDAR . Apple hat dieses gestern erneut eher in Nebensätzen erwähnt, dabei hat es enormes Potential beim Filmen und beim Mischen der Realität mit der Virtualität. Der Normalverbraucher kann damit wenig anfangen und daher auf das Pro verzichten. Das 12er und das 12 Mini sind schon auch sehr gute Smartphones, aber Apple setzt das "Pro" hier ganz klar als Distinktionsmerkmal. Anders als bei den Airpods: Deren Pro sind zwar auch deutlich besser als die "normalen", was das aber für einen beruflichen Einsatz bedeuten sollte, ist uns immer noch schleierhaft.

Nicht für Pros, sondern für alle: Homepod Mini

Ein Homepod Pro wäre eher denkbar. Der müsste aber – anders als der Homepod für den Rest von uns – Equalizer-Einstellungen zulassen und vor allem ab Werk so neutral wie möglich klingen, Vorbild Sennheiser und Beyerdynamic. Und alles andere als ein Stereopaar als Standard wäre relativ sinnlos aus Profi-Sicht. Ein solches Produkt hat Apple gestern nicht gezeigt, sondern in die andere Richtung gedacht und den Homepod geschrumpft. Auch der Homepod Mini ist an sich ein Gerät , das man besser gleich im Doppelpack kauft und dann noch etliche Satelliten für weitere Räume dazu – der Preis von 99 US-Dollar schreit gerade zu danach. Hier hat es Apple im übrigen erfreulicher Weise geschafft, den aktuellen Kurs des US-Dollars zum Euro zu berücksichtigen, wenn die Mehrwertsteuer wieder auf 19 Prozent steigt, kostet der Mini in den USA und in Deutschland den gleichen Betrag: hier 99 Dollar, dort 99 Euro.

Das ist bei den iPhones leider anders, auf den Dollar-Betrag legt Apple hierzulande ungefähr einen Hunderter drauf, um auf den Europreis zu kommen. Warum? Hier kann man nur spekulieren, vermutlich würde Apple auf Währungsschwankungen im 99-Dollar-Bereich eher reagieren könnte, der Verbraucher nähme es vielleicht nicht besonders übel, auf einmal 114,99 statt 99 Euro zahlen zu müssen, der Profi wäre über eine Verteuerung von  999 Euro auf 1149 Euro aber gar nicht amüsiert, also setzt man den Preis lieber gleich so hoch. Aber über seine Preisfestlegung diskutiert Apple nicht.

Was fehlt – und dann bald doch kommt

Und doch lässt die Keynote Profis wie Verbraucher wieder einmal enttäuscht zurück. Der Grund ist die hohe Erwartungshaltung, aber keine Sorge, neue Macs mit Apple Silicon hat Apple nicht nur für heuer versprochen, sie werden auch kommen. Nicht auszuschließen, dass auch das Debüt von Airtags unmittelbar bevorsteht, nicht nur iPhones haben jetzt den U1-Chip verbaut, der beim Finden hilft, sondern auch der Homepod Mini, der weit mehr ist als ein günstiger Stereolautsprecher. Wir rechnen mit einer weiteren virtuellen Veranstaltung in diesem Jahr , voraussichtlich Mitte bis Ende November. Stay tuned, einen haben sie noch.

Macwelt Marktplatz

2540497