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iPhone schreibt Forschungsarbeit mit Wortvorschlägen

25.10.2016 | 09:28 Uhr |

Christoph Bartneck darf mit einem durch die automatischen Wortvorschläge in iOS erstellten "Nuklear-Aufsatz" auf einer Konferenz auftreten.

Dies berichtet der Blog Motherboard . Demnach hat Christoph Bartneck von der University of Canterbury in Neuseeland die kontextsensitive Autokorrektur- und Autocomplete-Funktion seines iPhones genutzt, die Wortvorschläge basierend auf Stil und Inhalt des bisher vom Nutzer Geschriebenen unterbreitet, um mit Sätzen, die mit "Atomar" oder "Nuclear" anfingen, einen sinnlosen Aufsatz zu verfassen. Diesen hat er als  Informatiker-Referent bei der vorgeblichen International Conference on Atomic and Nuclear Physics   eingereicht, die Mitte November in Atlanta stattfinden soll – und wurde für einen mündlichen Vortrag angenommen, obwohl darin sinnentleerte Sätze wie (übersetzt) "Nichtsdestotrotz muss ich zurück nach Hause zur Atomkraft gehen, zu dem vereinten Weg, sie soll die erste Frau sein, die vereint auf sich allein gestellt arbeitet" vorkommen.

Bartneck selbst ist kein Physiker und hat nach eigener Aussage keine Ahnung von Nuklearphysik. Er ist vielmehr Forscher über den Einfluss künstlicher Intelligenz auf den Menschen und hat insofern die iOS-Funktion zur Vorhersage und Unterstützung der eigenen Eingaben aus wissenschaftlichem Interesse untersucht. Erst als er jedoch gut 1000 US-Dollar für seine Teilnahme an die Organisatoren überweisen sollte, wurde ihm offensichtlich klar, dass auch die Konferenz nicht ganz seriösen Ansprüchen genügen würde – zumal die entsprechenden Texte, die er von dort erhielt, ebenfalls zahlreiche Fehler und Ungereimtheiten aufwiesen. Betrachtet man sich den Internetauftritt der angeblichen Konferenzseite, kann man zusätzlich und schon im Vorfeld erhebliche Bedenken an deren Seriosität erhalten.

Wissenschaftliche Aufsätze lassen sich auch mit der iOS-Funktion wohl kaum erstellen, wenn man nicht selbst Ahnung hat. Schon gar nicht hierzulande – die iOS-Quicktype-Tastatur wird für kontextsensitives Schreiben nur auf Englisch unterstützt, deshalb dürfen dies die Schüler und Studenten anderer Sprachen nicht als Anleitung nutzen. Zudem hat der Sprachforscher offenbar stets nur die zweitbeste Option genommen, wie ein kurzes Youtube-Video seines Experiments andeutet  – Bartneck hat sich stets mit dem  Klick in die Mitte begnügt. Wer weiß, welch wissenschaftliche Höhen er  mit der jeweils besten Option für die vorgebliche Forschungsarbeit errungen sonst noch hätte... Ob die mit ihrem Auftritt wenig wissenschaftlich wirkende Konferenz tatsächlich stattfindet oder nur eine Betrugsmasche darstellt, um Geld von Wissenschaftlern zu erschwindeln, ist auch laut Motherboard eine offene Frage – zumindest bis Mitte November.

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