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Mac wird heiß: Diese Mittel helfen

12.07.2020 | 13:30 Uhr | Stephan Wiesend, Thomas Armbrüster

Mit sommerlichen Temperaturen um die 30 Grad und darüber kommt der menschliche Körper besser klar als manch ein Mac oder iPad. Wir zeigen, was die Ursachen für überhitzte Rechner sind und wie man seinen Mac in diesen Tagen kühl hält.

Das Wetter einzelner Tage ist kein Beleg für den Klimawandel, widerlegt die Theorie aber nicht. Auch einzelne Jahre und ihre Rekorde oder deren Ausbleiben sagen nicht viel aus, nur die Häufung von warmen Jahren und steigende Durchschnittstemperaturen. Das ist alles gut belegt: Es wird auf Dauer immer wärmer, selbst wenn man am 8. Juli in Kassel bei Regen und 15 Grad schlottert. Irgendwann wird es auch dort wieder heiß, der Süden des Landes weiß schon, wie sich das anfühlt. Da hilft nur: sich selbst kühlen und viel Wasser trinken. Sollten abends die Temperaturen wieder merklich sinken, spricht auch nichts gegen das ein oder andere kühle Bier oder einen frischen Rosé.

Unserer Technik können wir indes nicht so leicht Abkühlung verschaffen, es gilt einiges zu beachten. Immerhin haben Apple-Geräte eine Schutzvorrichtung eingebaut, die sie bei zu großer Hitze abschaltet. Im heißen Auto oder sonst wo ewig in der Sonne herumliegen lassen, sollte man aber doch nicht. Was kann man aber darüber hinaus zum Schutz von Leib und Technik unternehmen?

Wenn unser Büro oder eine Klimaanlage hat oder wir im Home-Office im Garten einen schattigen Platz finden: Wunderbar, dann kann man zu den üblichen Zeiten arbeiten. Wenn das nicht der Fall ist: Warum dann nicht einmal mediterrane Arbeitszeiten einlegen, früh morgens und später am Tag, dazwischen eine lange Siesta? In jedem Fall lohnt sich bei der Hitze eine frühe Bürofahrt und eine späte Heimreise, eventuell mit Zwischenstation im Biergarten oder am Badesee. Nicht vergessen: Die Temperaturen hinken dem Sonnenhöchststand hinterher, am Heißesten ist es meist zwischen 17 und 18 Uhr, wenn wir gerade wieder aus der Siesta zurück gekehrt sind. Aber dann werden wenigstens die Schatten auch wieder länger. Viel trinken ist natürlich wichtig und immer für einen leichten Durchzug sorgen, der Wind lässt unseren Schweiß langsam verdunsten, der Körper kühlt ab.

Für unsere Elektronik müssen wir uns andere Methoden überlegen, denn auch Mac, iPad und iPhone können unter der Hitze leiden: Prozessor, Grafik-Chip sowie SSD und Festplatte eines Mac verbrauchen Energie und müssen diese in Form von Wärme wieder an die Umgebung abgeben. Je höher dort die Temperaturen sind, desto schwieriger wird die Kühlung. Analog gilt das auch für iPad und iPhone. Apple hat alle seine Geräte für den Betrieb bis 35 Grad Umgebungstemperatur ausgelegt – darüber kann es kritisch werden.

Durch die Verwendung von Energie sparenden Bauteilen und ausgeklügelter Kühlung sind Überhitzungsprobleme immer seltener geworden. Das eine oder andere Modell kommt aber mit der Hitze schlechter zurecht als andere Geräte und schaltet vorsichtshalber ab. Besonders trifft das auch das lüfterlose Macbook 12 Zoll zu. Dieses reduziert zwar automatisch die Leistungsaufnahme des Prozessors, wenn es im Inneren zu kalt wird, doch kann es im Sommer schneller an seine Grenzen geraten als Modelle mit Lüfter. Panik ist aber nicht angebracht, wir haben am heißesten Sommertag des Jahres 2015 das damals neue Macbook voll belastet und bekamen erst im geschlossenen Auto Probleme mit dem Betrieb. Die damaligen Ergebnisse gelten auch noch 2020, wenn auch Apple nun andere Geräte verkauft, alle Macs mit Lüfter. Das könnte sich ab Herbst ändern, wenn die ersten Apple Silicon Macs kommen, aber dann sind in unseren Breiten die heißen Tage für das Jahr 2020 wieder vorbei.

Warum ein Mac zu heiß wird: Viel Leistung, viel Wärme

Ein Hinweis auf die Wärmeempfindlichkeit der verschiedenen Macs sind die Tests, die wir unter voller Belas­tung durchführen. So lässt das Macbook Pro 16 Zoll unter Vollast beim Rendern oder in aufwendigen 3D-Spielen seine Lüfter mit hoher Geschwindigkeit arbeiten, um die Hitze wieder aus dem Gerät zu bekommen. Beim 16-Zöller hat Apple das Lüfterdesign weiter verbessert, größere Lüfter machen weit mehr Wind – weshalb das Macbook Pro mit starken Leistungswerten glänzt.  Unserer Erfahrung nach beanspruchen eigentlich alle Macbook Pro mit eigener Grafikkarte die Lüfter in besonderer Weise. Hingegen sind einige ältere 15-Zoll-Modelle mit integriertem Grafikkern von Intel weit genügsamer und müssen weniger Last unter Hitze abführen. Das gilt auch für alle 13-Zoll-Varianten des Macbook Pro, die nicht für Probleme mit Überhitzung bekannt sind. Beim Macbook Air sind nicht besonders leistungsfähige Komponenten die Ursache für schnell drehende Lüfter, sondern der begrenzte Raum für Kühlung und Lüfter. Sie können darum unter Last und hohen Außentemperaturen auch mal ins Schwitzen geraten und müssen die Lüfter hörbar in Aktion setzen. Vor allem bei älteren Macbooks kann außerdem das gleichzeitige intensive Nutzen und Aufladen des Akkus für schnelle Erwärmung sorgen. Was man wissen sollte: Das Metallgehäuse eines Macbook dient der Wärmeableitung. Wird das Gerät warm, ist das noch kein Grund zur Sorge.

Entspannter sieht es bei den Desktop-Rechnern aus. Mit wenigen Ausnahmen gehen die Lüfter der von uns getesteten iMacs auch unter Last nicht zu hohen Drehzahlen über. Und um die Lüfter des Mac Pro überhaupt einmal zu hören, muss man schon seine Abdeckung schief aufsetzen oder ihm schier unmögliche Rechenaufgaben stellen. Generell müssen die mit Top-Grafikkarten ausgestatteten Spitzenmodelle der Desktops der eine deutlich hörbare Kühlung unter Last entgegensetzen. Bei den bisher von uns getesteten Mac Minis sind ebenfalls nur die Top-Modelle unter Last hörbar, die schlichteren Modelle mit gemächlich arbeitendem i3-Prozessor können ihren Lüfter auch bei hoher Auslastung mit geringer Drehzahl weiterarbeiten lassen. iPad und iPhone haben keine Lüfter, und können deshalb bei drohender Überhitzung nur bestimmte Prozesse abschalten oder sich ausschalten. Wird es dem Gerät zu heiß, kann es unter anderem das Display abdunkeln oder ausschalten, Ladevorgänge stoppen und den Mobilfunk-Chip in den Stromsparmodus versetzen. Hilft das nicht, erscheint ein Hinweis, dass sich das Gerät erst abkühlen muss, bis es wieder einsatzfähig ist - das kann schon nach wenigen Minuten auf sonnigen Südterrasse passieren. Man schaltet es dann ab und wartet, bis es sich erholt hat. Testet man ein Beta-System auf iPhone und iPad, kann außerdem ein fehlerhafter Prozess zu hoher Systemlast und starker Erwärmung führen.

Tools für die Überwachung

iStat Menus zeigt im Menü die Temperatur der CPU sowie der anderen Systemkomponenten sowie die Lüftergeschwindigkeit an.
Vergrößern iStat Menus zeigt im Menü die Temperatur der CPU sowie der anderen Systemkomponenten sowie die Lüftergeschwindigkeit an.

Möchte man sich auf einem Mac die Lüftergeschwindigkeit sowie die Temperatur von Prozessor und anderen Systemkomponenten anzeigen lassen, gibt es hierfür eine Reihe an Hilfsprogrammen. Die umfassendsten Informationen erhält man mit der App iStat Menus von Bjango . Das rund elf Euro teure Programm zeigt über die Menüleiste nicht nur die Temperaturen der einzelnen Systemkomponenten und die Lüftergeschwindigkeit an, sondern auch die Auslastung von Speicher und Prozessor und den Ladezustand der Batterie. Interessant, falls man einen Mac als Server nutzt: Man kann man mit dem Zusatzool iStat Server auch die Temperatur entfernter Mac abrufen. Günstiger ist mit 5,49 Euro die über den Mac App Store erhältliche App System Monitor von Marcel Bresink , die aber weniger Informationen bereitstellt, vor allem, was die Temperatur der Systemkomponenten betrifft. Vor der Überhitzung des Akkus warnt außerdem die App Battery Monitor vom gleichen Autor. Alternativ kann man zum Intel Power Gadget greifen, das Tool zeigt ebenfalls die interne Temperatur des Macs an.

Coconut Battery zeigt die Temperatur des Macbook und iPhone-Akkus an.
Vergrößern Coconut Battery zeigt die Temperatur des Macbook und iPhone-Akkus an.

Daneben gibt es kostenlose Programme zur Überwachung der Lüfter und der Temperatur wie Smc Fancontrol und Macs Fan Control . Mit diesen Programmen lässt sich auch die Lüftergeschwindigkeit steuern, die normalerweise vom System automatisch geregelt wird. Stellt man hier aber die Geschwindigkeit zu niedrig ein, kann es zu Überhitzung kommen, weshalb man davon in der Regel besser die Finger lässt und sich auf die Anzeige der Werte beschränkt.

Die beiden Tools eignen sich aber auch gut, um die Funktion der Lüfter zu überprüfen. Bei allen Geräten kann nämlich ein verschmutzter Lüfter für Probleme bei der Kühlung sorgen. Das ist nach unserer Einschätzung aber eher ein Problem uralter  Desktop-Geräte. Symptome dafür sind Lüfter, die schon beim normalen Betrieb ständig auf Hochtouren laufen oder laute Geräusche von sich geben. Eine Reinigung, etwa mit Druckluftspray, ist aber bei Macs nicht ganz einfach .

Empfehlenswert finden wir auch das kostenlos nutzbare Coconut Battery, das vor allem für die Anzeige der Akkukapazität bekannt ist. Zusätzlich kann es aber ebenfalls die Temperatur des Akkus im Auge behalten – sowohl beim Mac als auch bei einem angeschlossenen iPad und iPhone.

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