2105349

Wie Windows 10 auf dem Mac läuft

31.12.2016 | 08:39 Uhr |

macOS statt Windows 10? Aber manchmal muss man doch beides benutzen. So kommt Windows 10 auf den Mac und so läuft es.

Nicht wenige Mac-Anwender nutzen Windows auf dem Mac - der Autor etwa für das Steuerprogramm Elster. Aber auch manch alter Spieleklassiker oder proprietäres Grafikprogramm macht die Nutzung von Bootcamp und Parallels unumgänglich. Für Nutzer von Windows 7 und Windows 8 war das Upgrade auf das neue Windows 10 bis vor kurzem sogar kostenlos möglich. Das Betriebssystem bietet eine neue Optik und viele interessante Verbesserungen – nicht zuletzt gibt es wieder ein Startmenü und einen komplett neu entwickelten Webbrowser. Wie unsere  mit Windows 10 zeigen, können aber bei der Installation einige Probleme auftreten.

Drei Methoden: Download als ISO-Datei, Windows Update oder Installation per Media Creation Toolkit

Nutzer eines aktuellen Windows 7 und Windows 8.1 hat Microsoft schon oft auf das neue System hingewiesen. Über eine Schaltfläche in der Taskleiste konnte man sich das Update „reservieren“. Die Aktualisierung von Windows war dann per Windows Update möglich. Ähnlich der bereits länger verfügbaren Preview-Version von Windows 10 kann man das neue Windows-System aber als komplette ISO-Datei herunterladen - die man direkt verwenden oder als Boot-DVD brennen kann. Auch ohne gültigen Aktivierungscode kann man dann eine Testversion installieren und sich Windows 10 unverbindlich ansehen. Der Download ist über die Windows-Webseite möglich. Alternativ gibt es ein Installationsprogramm, eigentlich „Media Creation Kit“ genannt.

Dieses startet wahlweise eine Sofort-Installation oder erstellt einen bootfähigen USB-Stick für die Installation auf mehreren Rechnern. Wie bei früheren Windows-Versionen muss man dabei auf die Version achten : So kann eine 32-Bit-Version von Windows 7 oder Windows 8 nur auf eine 32-Bit-Version von Windows 10 aktualisiert werden, was ebenso für die 64-Bit-Versionen gilt. Nur noch zwei Versionen sind verfügbar, die Version Home und die Version Pro.

Installation mit Bootcamp

Windows 10 wird von Apple mittlerweile offiziell unterstützt und ist mit Bootcamp kompatibel. Sowohl ISO-Datei, USB-Stick als auch DVD werden unterstützt. Die Kompatibilität ist aber wie bei Windows 8 auf neuere Macs beschränkt u nd nur bei neueren Macs kann man über Apples Tool die Installation starten. Nur diese erhalten so Windows-Treiber für Trackpad, Grafikkarte uvm. Ältere Macs wie Mac Minis vor 2011 bleiben ebenso außen vor wie Macbooks Pro vor 2012 oder iMacs vor 2010. Die Hardwareanforderungen von Windows 10 erfüllen eigentlich auch viele ältere Macs, so ist eine CPU mit mindestens 1 GHz und eine Grafikkarten mit Unterstützung von DirectX 9 die zurückhaltende Mindestanforderung. Der benötigte Festplattenspeicher hängt von der Version ab: Die 32-Bit-Version beansprucht mindestens 16 GB Speicherplatz, die 64-Bit-Version 20 GB. Bootcamp-Nutzer müssen unbedingt die 64-Bit-Version nutzen, für die 32-Bit-Version gibt es wie bei Windows 7 keine Unterstützung durch Apple. Hinweis: Bei der Installation wird man gefragt, ob man das Betriebssystem als Heimanwender oder in einem Unternehmen verwendet. Grund dafür ist, dass es keine eigenständigen Firmenversionen mehr gibt. Die größte Hürde bleibt bei älteren Macs aber die Bootfähigkeit. Neuere Macs können von der Installations-DVD oder dem USB-Stick mit Windows 10 booten, ältere dagegen nicht. Hat man bereits eine bestehende Windows-7-Installation auf einem älteren Mac, ist aber laut Berichten das Upgrade über das Update-Tool und die Softwareaktualisierung möglich. Apple bietet dann allerdings keine Treiber-Unterstützung, was vor allem für Macbook-Besitzer problematisch ist.

Achtung: Nutzer eines neueren Macbook Pro sollten unbedingt eine aktuell Version der Bootcamp-Treiber verwenden, es gab mit der ersten Version für das Macbook Pro anscheinend Kompatibilitätsprobleme mit einem Audio-Treiber . Dieser konnte bei der Installation von Windows zu Störgeräuschen führen und sogar Lautsprecher beschädigen. Bei der Verwendung einer Virtualisierungssoftware wie Virtual Box oder Parallels tritt das Problem nicht auf. Eine ältere Bootcamp-Installation können sie übrigens mit VMware und Parallels  in eine virtuelle Maschine konvertieren.

Ein weiteres Problem betrifft Anwender, die unter Bootcamp Spiele installieren wollen. Offenbar wird die interne SSD nur unzureichend als Boot-Festplatte erkannt , was zu Problemen führt.

Aus unserem T-Shirt-Shop: macOS statt Windows 10

Licht und Schatten: Installation per Virtualisierungssoftware

Viele Mac-Anwender nutzen Windows unter einer virtuellen Umgebung wie Virtual Box, Vmware und Parallels. Virtualisierungssoftware ermöglicht den ungefährlichen Test neuer Systeme. Auch hier ist die kostenlose Aktualisierung auf Windows 10 verfügbar, wir empfehlen vor dem Uprade allerdings ein Backup der virtuellen Umgebung. Problemlos funktioniert die Installation von Windows 10 in der Virtualisierungssoftware Virtual Box 5.0 . Der von Microsofts Kit erstellte USB-Stick wird allerdings auf unserem Macbook Pro von 2011 nicht erkannt, wir nutzen deshalb die ISO-Datei für die Installation. Für die Installation von Windows 10 gibt es unter Virtual Box bereits eine Voreinstellung, man muss nur zwischen 32- und 64-Bit-Version auswählen. Nach kurzer Zeit haben wir eine Testumgebung der neuen Windows-Version installiert, (die Bedienung von Virtual Box haben wir bereits vorgestellt). Knapp 9,2 GB an Speicherplatz werden von der virtuellen Umgebung beansprucht. Die Installation der so genannten Guest Additions des Virtualisierers ist ebenfalls erfolgreich. Insgesamt macht Windows unter Virtual Box aber einen guten Eindruck, wenn auch die kostenpflichtigen Konkurrenten Parallels und Vmware beim Komfort und der Performance überlegen sind.

Vmware unterstützt alle aktuellen Systeme, neben Windows 10 auch Sierra.
Vergrößern Vmware unterstützt alle aktuellen Systeme, neben Windows 10 auch Sierra.

Auch die aktuellen Versionen von Parallels und Vmware unterstützen Windows 10 problemlos, bei älteren Versionen musste man das System noch unter Auswahl der Voreinstellung für Windows 8 installieren.

Probleme bei der Aktualisierung von Windows 8.1

Als dritte Aufgabe versuchen wir, eine bestehende virtuelle Maschine mit Windows 8.1 auf Windows 10 zu aktualisieren - ebenfalls unter Parallels 10. Parallels empfiehlt dazu die Nutzung des Media Creation Tools , die Installation per Windows Update ist nämlich unter Parallels nicht möglich: Offenbar verhindert ein nicht mit Windows 10 kompatibler Grafiktreiber von Parallels die Installation. Parallels empfiehlt, statt der Option "Upgrad diesen Computer" die ISO Datei mit Windows 10 herunterzuladen und mit der virtuellen Maschine zu verbinden. Dies erfolgt über die Funktion Virtuelle Maschine/Konfigurieren unter "Hardware/CD/DVD". Hier kann man unter "Verbinden mit" die Imagedatei auswählen. Wie von einer eingelegten DVD kann man dann die Installation starten.

Etwas überrascht sind wir nach dem Upgrade, als die virtuelle Maschine plötzlich um knapp vierzehn GB größer ist als vorher. Schuld ist der Ordner „Windows.old“ in dem nach dem Upgrade das komplette alte System gespeichert wird. Falls man nicht das vorige  System wiederherstellen will, kann Sie die Daten mit dem Systemtool „Datenträgerbereinigung“ löschen.

Nutzung einer virtuellen Maschine unter Sierra

Nutzen Sie eine virtuelle Maschine unter Sierra, ist das Upgrade auf eine aktuelle Version von Parallels, Vmware und Virtual Box zu empfehlen. Bei Parallels ist ein Upgrade leider mit 50 Euro relativ teuer, aber gar nicht immer notwendig. Parallels verspricht, dass eine Version mit zwei OS X-Generationen kompatibel ist, Parallels 11 unterstützt also auch Sierra. Das Upgrade auf die aktuelle Version von Vmware ist kostenlos, allerdings handelt es sich bei der aktuellen Version 8.5 eher um ein Wartungsupgrade mit keinen neuen Funktionen. Interessant: Vmware verspricht ganz offen, dass auch macOS Sierra in einer virtuellen Maschine verwendet werden kann. Hinweis für Systemwechsler: Wollen Sie ein virtuelle Maschine von Parallels unter Vmware nutzen, sollten Sie die dazu nötige Konvertierung unbedingt mit der neuesten Vmware-Version durchführen. Bei einer älteren Version kann es zu Komplikationen mit dem proprietären Ruhezustand von Parallels-Maschinen kommen.

Windows 10 für Entwickler

Von Microsoft gibt es für Entwickler eine sofort nutzbare virtuelle Maschine mit Windows 10 (bei Redaktionsschluss Windows 10 Enterprise Evaluation, Version 1607). Die Version ist mit Vmware, Parallels und Virtual Box kompatibel und für 60 Tage nutzbar - wahlweise kann man das System mit einem gültigen Lizenzcode freischalten. Die 20 GB große virtuelle Maschine beinhaltet:
Visual Studio 2015 Community Update 3 (Build 14.0.25425.01)

Nur für Profis: Ärger mit dem Product Key

Bei unserer virtuellen Maschine scheitert die Installation allerdings an der Prüfung des Windows Product Key - obwohl wir ein regulär gekauftes Windows-System benutzen. Die Installation kann nur abgebrochen werden. Das Problem: Nur bei einer Aktualisierung per Windows Update werden bestehende Produkt Keys übernommen. Wir können deshalb das System nur per Windows Update aktualisieren. Wir beheben das Problem mit dem Fehlercode 80240020 mit einem Eingriff per Registry-Edi tor, was wir nur hartgesottenen Windows-Anwendern empfehlen. Der Eintrag findet sich unter „!HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\WindowsUpdate\OSUpgrade“. Der Eintrag sollte vorher per Exportfunktion gesichert werden. Nun erstellten wir eine neue DWORD-Datei (32 Bit) und benennen sie in „AllowOSUpgrade“ um. Über „Ändern“ muss man danach den Wert auf „1“ setzen. Nachdem dies erledigt ist, können wir per Systemsteuerung das Windows Update aufrufen und nach neuen Updates suchen. Das Upgrade wird nun geladen und installiert sich ohne Probleme und akzeptiert den Product Key. Bei anderen Problemen mit dem Updater kann ein Start des Updaters per Kommandozeile helfen. Vor Eingabe des Befehls „wuauclt.exe /updatenow“ muss man die Befehlszeile allerdings als Admin öffnen.

Fazit

Abgesehen von kleinen Problemen mit der Installation macht Windows 10 auch auf dem Mac einen guten Eindruck. Das System bietet gute Performance und die Bedienung ist deutlich komfortabler als unter Windows 8.1 - konnten wir uns doch mit den Kacheln einfach nie anfreunden.

0 Kommentare zu diesem Artikel

Macwelt Marktplatz

2105349