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zdf.t-online.de löst Bedenken aus

07.05.2001 | 00:00 Uhr |

Die privaten Rundfunkanbieter haben die Länder
aufgefordert, die geplante Zusammenarbeit zwischen dem ZDF und der
Telekomtochter T-Online zu überprüfen. In einem Schreiben an den
Vorsitzenden der Rundfunkkommission der Länder, den rheinland-
pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD), erhebt der
Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation
(VPRT) schwere politische und rechtliche Bedenken gegen die
Kooperation. Besonders kritisch sei die vorgesehene Einblendung des
Hinweises auf die Internet-Domain «www.heute.t-online.de» in jeder
Nachrichtensendung des ZDF zu bewerten, heißt es in dem Brief von
VPRT-Geschäftsführer Jürgen Doetz nach Angaben des Verbandes vom
Montag.

Vor allem der aus Gebühren finanzierte öffentlich-rechtliche
Rundfunk sei zu einer von politischen und wirtschaftlichen
Interessen unabhängigen Berichterstattung verpflichtet. Es stelle
sich aber die Frage, ob noch objektive Berichte über die
Unternehmenspolitik der Deutschen Telekom oder T-Online zu erwarten
seien. Außerdem solle T-Online für sein eigenes Internetangebot
exklusive Zugriffsrechte auf die Inhalte der ZDF-
Nachrichtensendungen erhalten. Dafür zahle T-Online offenbar 6,5
Millionen Mar jährlich an den Mainzer Sender. Dieses Geld solle für
die Online-Redaktion von «heute» eingesetzt werden, was wiederum die
Frage nach der journalistischen Unabhängigkeit aufwerfe, sagte
Doetz, der Geschäftsführer des Berliner Privatsenders SAT.1 ist.

Daneben könne mit der permanenten Erwähnung des Namens T-Online
die Grenze zur unerlaubten Schleichwerbung oder zum verdeckten
Sponsoring überschritten werden. Wegen «mangelnder Transparenz des
ZDF-Vorgehens» könne die Kooperation nicht abschließend bewertet
werden. «Dennoch muss eine Überprüfung durch die Länder erfolgen,
bevor das ZDF Fakten schafft, die nur schwer rückgängig zu machen
sind», schreibt Doetz. Der VPRT-Präsident fordert eindeutige Regeln,
um das Online-Engagement von ARD und ZDF auf «das erforderliche Maß»
zu begrenzen. Eine öffentlich-rechtliche Grundversorgung im Internet
sei nicht notwendig, da es keinen Mangel an Übertragungswegen gebe.
dpa

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