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Airpods Pro: Still gestellt - und etwas fester in den Ohren

30.10.2019 | 14:36 Uhr | Peter Müller

Apple bringt für seine True-Wireless-Hörer erstmals aktive Geräuschunterdrückung. Damit einher geht ein weiterer Vorteil.

Die Airpods klingen wirklich sehr gut, schon in ihrer ersten Version von 2016 und noch mehr in der in diesem Frühjahr überarbeiteten Generation . Deshalb zogen wir sie zuletzt in unseren Tests von anderen InEar-Kopfhörern – ob nun True Wireless oder nicht – als Klangreferenz heran. Dabei haben wir nie verschwiegen, dass das Klangerlebnis mit den Airpods den richtigen Sitz voraussetzt. Und in vielen Ohren sitzen sie eben nicht so, wie sich das Apple vorgestellt hat. Nicht nur droht dann die Gefahr, den Ohrhörer zu verlieren, der Klang lässt zunächst bei den Bässen klar nach, Airpods und andere schlecht sitzende Hörer klingen dann einfach hohl und blechern.

Fazit zu den Airpods Pro

Die aktive Geräuschunterdrückung hat Apple zwar nicht für In-Ear-Systeme erfunden, aber sehr gut umgesetzt. Es gibt keine Klangeinbußen durch den Gegenschall, ganz im Gegenteil wird der Sound gegenüber deaktiviertem Noise Cancelling sogar noch besser. Überraschend kostet das nicht einmal besonders viel Energie: Ohne Unterdrückung können die Airpods Pro fünf Stunden Musik mit einer Ladung spielen, viereinhalb sind es mit aktivierter Technik. Telefonieren geht stärker an den Akku: Drei Stunden dauerplappern ist mit einer Ladung drin.

Der Aufpreis gegenüber den Airpods ist nicht einmal so groß, bedenkt man, dass Apple die Airpods Pro mit einer Qi-Ladeschachtel ausliefert, so kosten die Airpods Pro gegenüber dem vergleichbaren Modell nur 50 Euro mehr.

Der Sitz ist dank der Ohreinsätze jetzt endlich auch für Ohren fest genug, die bisher nicht für Apples True Wireless geeignet waren, ohne dass dabei der Tragekomfort wesentlich leidet. Der Sound ist generell einer der besten im Markt, die Einbindung in Apples Produktwelten in einer Weise nahtlos, die kein konkurrierender Hörer hinbekommen kann.

Airpods Pro bei Apple kaufen (279 Euro)

Airpods Pro bei Apple kaufen (279 Euro)

Insofern sehen wir die Innovation der Airpods Pro, die Apple Anfang dieser Woche vorgestellt und am Mittwoch in den Handel gebracht hat, vor allem im verbesserten Sitz: Erstmals liefert Apple Ohreinsätze in unterschiedlicher Größe mit, drei Paar an der Zahl. Vormontiert ist eine mittlere Größe, in der Schachtel finden sich noch etwas kleinere und etwas größere Silikonkappen. Laut Apple werden die Ohreinsätze vor allem dazu benötigt, die Geräuschunterdrückung umzusetzen. Klar: Wenn der Schall an den Hörern vorbei in das Ohr gelangt, hilft der beste Gegenschall wenig, eine vernünftige Abdichtung des Gehörgangs ist Grundvoraussetzung für die Technologie. Apple hat hier einige interessante Ansätze verfolgt, aber dazu gleich mehr im Detail. Wir für unseren Teil freuen uns jedenfalls, dass wir Airpods jetzt  nicht nur im Sitzen verwenden können, sondern uns mit den Apple-InEars nun auch bewegen dürfen.

Bei Einrichtung unerreicht

Die Airpods Pro sind wie ihre kleinen Geschwister, die weiterhin im Handel bleiben (179 Euro mit herkömmlicher und 229 Euro mit induktiver Ladeschachtel), Bluetooth-Hörer, die also mit einem jedem dafür fähigen Gerät funktionieren. Die Steuerung der Geräuschunterdrückung und der Transparenz jedoch gelingt nur mit der neuesten Software, konkret iOS 13.2, macOS 10.15.1 und watchOS 6.1 .

Bringt man nun die Ladeschachtel in die Nähe die iPhones und öffnet sie, bekommt man sofort auf dem Smartphone ein Pop-Up angezeigt, über das man die Verbindung zu den Hörern herstellt, beim Pairing ist Apple dank proprietärer Protokolle der Konkurrenz eben deutlich voraus – die Geräte, die mit der gleichen Apple ID laufen, erkennen die Airpods (Pro) auch sofort und unverzüglich.

Erst einmal hören, ob der Einsatz auch passt. Drei Paar stehen zur Auswahl
Vergrößern Erst einmal hören, ob der Einsatz auch passt. Drei Paar stehen zur Auswahl

In den Bluetooth-Einstellungen sollte man den Passtest für Ohreinsätze vornehmen, damit man auch ja die richtigen erwischt. Dazu spielt das iPhone eine kurze Musiksequenz ab, recht basslastig. Bei den kleinen Einsätzen hören wir schon selbst, dass es nicht passt, bevor wir es fühlen, die mittleren und die größeren Einsätze bestehen beide den Test.

Die übrigen Einsätze. Vorbildlich: Die Verpackung ist beinahe wieder komplett aus Pappe.
Vergrößern Die übrigen Einsätze. Vorbildlich: Die Verpackung ist beinahe wieder komplett aus Pappe.

Gegenschall, stets angepasst

Für den Hörtest verwenden die Airpods Pro die innen angebrachten Mikrofone, die eben im Wesentlichen das vermessen, was im Gehörgang ankommt. Wenn es also wie beim Hörtest zu wenig Bass ist, kann man auch davon ausgehen, dass zu viele Außengeräusche ankommen. Denn eines ist klar: Komplett das Ohr abschließen können auch die Airpods Pro nicht – und wollen das nicht einmal so stark, wie es einige True-Wireless-System bewerkstelligen. Denn mit einem (fast) kompletten Abschluss ergeben sich Druckunterschiede zwischen dem inneren Ohr und der Umgebung, das fühlt sich unangenehm an. So ist in den Airpods Pro ein kleiner Tunnel für den Druckausgleich eingebaut, durch diesen gelangt natürlich auch Schall an das Trommelfell. Nach Herstellerangaben misst eben das Mikro an der Innenseite diesen Schall und den von den Treibern produzierten 200 mal in der Sekunde und passt den Sound entsprechend an.

Eine Frage der Einstellung

Der H1-Chip und weitere Komponenten auf dem SiP garantiert mit seiner Leistungsfähigkeit eine derart geringe Latenz, dass die Anpassung in Echtzeit möglich ist. Und natürlich sind die Airpods Pro auch in der Lage, auf Sprachbefehl Siri zu aktivieren. Anders geht das auch nicht, wenn man bei den Werkseinstellungen bleibt. Nach wie vor sind die Ohrhörer auf Berührung empfindlich, nur fasst man sie nun an ihren Enden an und tippt nicht mehr auf den Hörer selbst – das würde sich in den Ohren auch wegen der SiIikonaufsätze ein wenig unangenehm anfühlen. Mit einem (kurzen) Druck hält man die Musik (oder Podcast) an, mit einem weiteren geht es weiter. Zwei schnelle Drücke springen zum nächsten Titel und drei einen zurück. Mit einem etwas längeren Druck schaltet man zwischen Geräuschunterdrückung und Transparenz um.

Und Siri? Die reagiert auch noch auf Druck, keine Sorge, doch muss man das in den Einstellungen festlegen, ob sie auf den linken, den rechten oder beide Ohrhörer reagiert. In letzterem Fall muss man dann am iPhone oder der Apple Watch zwischen den Modi umschalten, falls man das wünscht.

Airpods Pro bei Apple kaufen (279 Euro)

Geräuschkontrolle oder Siri, das ist hier die Frage der Einstellung
Vergrößern Geräuschkontrolle oder Siri, das ist hier die Frage der Einstellung

Drei sind keiner zu viel

In den Einstellungen haben wir auch die Gelegenheit, die Hörer so zu konfigurieren, dass sie auf langem Druck eben nicht die Transparenz einschalten, sondern die Geräuschunterdrückung ganz ab. Das ist aber keine gute Idee, denn der Klang der Airpods Pro mit ausgeschaltetem Noise Cancelling ist reproduzierbar die schlechteste Variante. Womit wir generell beim Sound wären.

Starker Klang, gute Abschirmung

Hören wir genau hin, können wir in der Tat feststellen, dass die Airpods Pro noch ein klein wenig besser klingen als die schon guten Airpods. Etwas kräftiger im Bass und sanfter in den Mitten, deutliche Höhen, aber nicht schrill. Die räumliche Auflösung gelingt sehr gut, während etwa in die Wall of Sound von Joe Bonamassa ("Evil Mama") die Mitte zumacht, ist rechts hinten noch sehr gut die perkussive Rhythmusgitarre zu hören und der Gesang kommt klar und deutlich von links vorne. Auch andere Stücke aus unterschiedlichen Genres überzeugen, von Fleetwood Mac über einen orchestralen Peter Gabriel hin zur Akustik der Pink-Floyd-Cover-Band Echoes: Alles sehr gut definiert und klar hörbar, zumal wir von der Umwelt ganz gut getrennt sind. Die Airpods Pro sitzen einfach gut. Equalizer-Einstellungen gibt es keine, das erledigen Algorithmen adaptiv. Das kennen wir schon vom Homepod und ehrlich gesagt haben uns EQ-Presets diverser anderer Hersteller bisher wenig überzeugt.

Achtung Durchsage am Bahnhof: Auf den Transparenzmodus ist schnell umgeschaltet
Vergrößern Achtung Durchsage am Bahnhof: Auf den Transparenzmodus ist schnell umgeschaltet
© Apple

Die aktive Geräuschunterdrückung hält viel von dem, was sie verspricht: Völlig abgeschieden sind wir bauartbedingt nicht, aber das Rauschen des Straßenverkehrs, das Brummen der S-Bahn und das Rumpeln der U-Bahn sind merklich gedämpft, auch die Gespräche der Mitreisenden mehr ein Gemurmel als ein Geschnatter. Dennoch bekommen wir Ansagen im Bahnhof und im Zug mit – und schalten wir auf Durchzug, also in den Modus "Transparenz", ist alles von draußen sehr gut zu hören, während die Musik leiser weiter läuft. Man merkt auch deutlich den Unterschied zu den entsprechenden Modi anderer Hersteller: So hören wir nicht nur einen leicht blechernen Sound, den das Außenmikro an den Lautsprecher gibt, sondern durch den Druckausgleichskanal auch noch eine deutliche Beimischung des ursprünglichen Schalls – also einen weit natürlicheren Klang. Wenn die Musik bei angenehmer Lautstärke läuft, hören wir von außen so wenig, dass wir uns darauf konzentrieren können, fast wie bei OnEars oder gar OverEars.

Härtetest für den Sitz – halbwegs bestanden

Da die Airpods Pro schon im ausgeschalteten Zustand nicht so rigide die akustische Kulisse aussperren, können wir sie unbedenklich auch auf öffentlichen Straßen und Plätzen verwenden. Auf das Fahrrad trauen wir uns damit nicht, unsere Ohren ergänzen die Wahrnehmung vor allem in die Richtung, in der die Augen nicht  hinkommen. Aber Joggen, auf einer verkehrsberuhigten Straße, das sollte gehen.

Noch vom Training des Vortages (mit einem anderen Kopfhörer) etwas geschlaucht, drehen wir nur eine kurze Runde, wir wollen ja nur wissen, wie gut die Airpods Pro halten. Die Airpods von 2016 und Frühjahr 2019 fallen uns immer schon nach wenigen Laufschritten aus den Ohren, das war auch bei den verkabelten EarPods schon der Fall. Apple will zwar zehntausende von 3D-Scans von menschlichen Ohren vorgenommen haben, um die ideale Passform gefunden zu haben, diese war aber schon immer ein Kompromiss, mit dem wir nicht klarkamen.

Mit den Airpods Pro ist es weit besser geworden, aber noch nicht perfekt. Nach einem Kilometer brechen wir den Versuch ab, die Hörer blieben ganz gut an ihrem Platz. Schon aus dem Lauf gestoppt, versuchen wir aber, den bei uns kritischen linken Ohrhörer ein wenig nachzujustieren, da fällt er uns auf den Boden. Nicht in den Gulli, denn unseren Standort hatten wir in weiser Voraussicht gewählt …

Wir müssen diesen Test zu gegebener Zeit wiederholen, dann mit den dem größten Paar der Ohreinsätze, die gefühlt ein wenig besser passen, im Klang bemerken wir da aber keinen Unterschied. Und in der Tat: Mit den größten Einsätzen halten die Airpods perfekt, auch auf einer etwas längeren Runde. Anders hören sie sich nicht an.

Fazit

Die aktive Geräuschunterdrückung hat Apple zwar nicht für In-Ear-Systeme erfunden, aber sehr gut umgesetzt. Es gibt keine Klangeinbußen durch den Gegenschall, ganz im Gegenteil wird der Sound gegenüber deaktiviertem Noise Cancelling sogar noch besser. Überraschend kostet das nicht einmal besonders viel Energie: Ohne Unterdrückung können die Airpods Pro fünf Stunden Musik mit einer Ladung spielen, viereinhalb sind es mit aktivierter Technik. Telefonieren geht stärker an den Akku: Drei Stunden dauerplappern ist mit einer Ladung drin.

Der Aufpreis gegenüber den Airpods ist nicht einmal so groß, bedenkt man, dass Apple die Airpods Pro mit einer Qi-Ladeschachtel ausliefert, so kosten die Airpods Pro gegenüber dem vergleichbaren Modell nur 50 Euro mehr.

Der Sitz ist dank der Ohreinsätze jetzt endlich auch für Ohren fest genug, die bisher nicht für Apples True Wireless geeignet waren, ohne dass dabei der Tragekomfort wesentlich leidet. Der Sound ist generell einer der besten im Markt, die Einbindung in Apples Produktwelten in einer Weise nahtlos, die kein konkurrierender Hörer hinbekommen kann.

Airpods Pro bei Apple kaufen (279 Euro)

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