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Airpods Pro vs. Galaxy Buds+ (vs. Surface Earbuds)

27.05.2020 | 08:31 Uhr | Peter Müller

True Wireless Hörer aus drei Systemwelten: Am besten finden sie sich in der eigenen zurecht, so richtig gut funktionieren am iPhone aber nur Apples Airpods Pro.

Wenn die Spekulationen stimmen, wird Apple bei den für den Herbst erwarteten iPhone 12 erstmals die Earbuds weglassen – jene Kopfhörer mit weißen Ohrteilen und Kabel, die schon zu Zeiten des iPod Kult waren und die seit 2016 (iPhone 7) über einen Lightning-Stecker verfügen und nicht mehr über eine 3,5-Millimeter-Klinke. Apple wird – so geht die Spekulation weiter – im Gegenzug dazu seine Airpods aggressiv promoten, jene drahtlosen Hörer, die es ebenso seit 2016 als Zubehör gibt, wenn auch gegen kräftigen Aufpreis. Gut möglich, dass Apple für begrenzten Zeitraum und für eine begrenzte Zeit die Airpods gratis zu einem neuen iPhone dazu gibt, etwa im Rahmen der "Back-to-School"-Rabatte von Ende Juli bis Mitte September. Auf Dauer wird die Zugabe nicht gratis sein, aber unter Umständen danach nicht mehr so viel kosten wie der zweite: 179 Euro mit Lightning-Ladebox und 229 Euro mit einer solchen, die man auch drahtlos aufladen kann – jeweils unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers.

Apple Airpods (2. Gen) mit drahtlosem Ladecase bei Amazon für 174 Euro

Seit dem letzten Herbst hat Apple noch eine Top-Variante seiner erfolgreichen True-Wireless-Hörer im Angebot: Die Airpods Pro, die mit einer aktiven Geräuschunterdrückung (ANC) kommen. Diese kosten noch einmal 50 Euro mehr (mit induktiver Ladeschale), haben es aber in sich. Anders als die Airpods halten sie dank der in drei Größen mitgelieferten Silikonaufsätze in praktisch jedem Ohr, bieten einen hervorragenden Sound und eine gute Geräuschunterdrückung, die man mit einem Griff ans Ohr in einen Transparenzmodus schalten kann, bei dem man wieder das Wichtigste von außen mitbekommt. Großes Plus der Airpods Pro ist jedoch ihr H1-Chip, der nicht nur eine schnelle Kopplung mit dem iPhone gewährleistet, sondern dank seiner hohen Effizienz auch ständig auf das Stichwort warten kann: Die Airpods Pro reagieren – anders als noch die erste Generation der Airpods – auf "Hey Siri!" und starten den digitalen Assistenten  ohne den Einsatz der Hände.

Apple Airpods Pro bei Amazon für 229 Euro

Was gegen die Airpods Pro spricht, ist natürlich ihr hoher Preis. Bei allen Konkurrenzprodukten muss man aber in Sachen Bedienfreundlichkeit Abstriche machen, richtig rocken die Airpods nur mit Apple-Geräten. In unserer Übersicht von Alternativen für die Airpods (Pro) finden sich aber etliche interessante Geräte mit teils überraschend gutem Sound.

Unsere Referenz: Apples Airpods Pro
Vergrößern Unsere Referenz: Apples Airpods Pro

War Apple Ende 2016 noch Gegenstand des Gespötts – die Airpods sähen ja aus wie Zahnbürstenköpfe – ist der Konkurrenz in der Zwischenzeit das Lachen weitgehend vergangen. Gerade aber Anbieter aus dem High-End, die sich nicht nur als Hersteller verstehen, sondern als Plattformbetreiber, haben aber das Potential erkannt, was sich aus zu Smartphone/Tablet/Laptop nahtlosen passenden Ohrhörern ergibt. Aber genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Je enger ein Gerät in einem Ökosystem von Hardware/Software/Service integriert ist, desto mehr fremdelt es in anderer Umgebung, wie wir im Folgenden einmal sehr deutlich und einmal etwas weniger klar feststellen werden. Doch beginnen wir mit dem Anfang.

Airpods Pro: Still gestellt, fest im Ohr und starker Sound

Ausführlich getestet haben wir die Airpods Pro bereits im letzten Herbst und seither sind sie bei uns praktisch im Dauereinsatz – auch als Klangreferenz. Die wichtigsten Erkenntnisse nochmals in aller Kürze.

Dass die Airpods Pro perfekt zum iPhone passen, zeigt sich bereits bei der Inbetriebnahme. Klappt man die Ladeschachtel auf, öffnet sich auf dem iPhone ein Popup, über das man die Airpods Pro nicht nur schnell koppelt, sondern auch gleich anpasst. Apple hatte aus der Erfahrung mit den Airpods gelernt: Es ist eben nicht ein jedes Ohr gleich und die Form des größtmöglichen Kompromisses lässt immer noch zu, dass Airpods aus dem Ohr fallen können.

Schachtel aufklappen - und schon kann die Einrichtung erfolgen. Geht so bequem nur am iPhone.
Vergrößern Schachtel aufklappen - und schon kann die Einrichtung erfolgen. Geht so bequem nur am iPhone.

So kommen die Airpods Pro mit drei unterschiedlichen Aufsätzen – schließlich muss der Gehörgang auch so gut wie möglich abgeschlossen sein, damit der Trick mit dem ANC tatsächlich funktioniert: Denn die sensiblen Mikros messen, was vom Außengeräusch noch ankommt und setzen einen genau darauf angepassten Gegenschall an.

Apple Airpods Pro bei Amazon für 229 Euro

Um die richtigen Stöpsel zu finden, muss man auf dem iPhone aber nicht ewig herumprobieren, sondern startet einen Test, der einem letztendlich verrät, ob die gewählten Aufsätze passen oder man ein anderes Paar versuchen sollte. So einfach haben wir das bei noch keinem anderen System herausgefunden.

Der Test der Passform dauert jeweils nur eine gute Minute
Vergrößern Der Test der Passform dauert jeweils nur eine gute Minute

Man kann auch gleich festlegen, ob ein langer Griff auf den Stiel eines der Airpods das Noise Cancelling ausschaltet oder in den Transparenzmodus wechselt. Auf Apple Watch, iPad oder iPhone kann man alle drei Modi per Tipp auswählen.

Der Klang ist ausgezeichnet für InEar-Systeme, stark im Bass, aber nicht aufdringlich, samtig die Mitten und niemals schrill die Höhen. Den Klang optimieren die Algorithmen ohne weiteres Zutun – ganz im Gegenteil kann man keine eigenen Einschränkungen wählen – beziehungsweise nur über die Systemeinstellungen des iPhone – die gelten dann aber eben für alle Kopfhörer, die man verwendet.

Die Laufzeit ohne ANC beträgt mit einer Ladung fünf Stunden, mit Geräuschunterdrückung ist es eine Stunde weniger – wenn man ausschließlich telefoniert, ist nach drei Stunden Schluss – und die Airpods Pro müssen wieder in die Ladeschale, wo sie bis zu zwei weitere volle Ladungen bekommen. Doch bei der Nutzung als Headset liegt noch eine Option: Man kommt hier ohne Weiteres mit einem Hörer aus, während der andere in der Schale regeneriert – man könnte also auch den ganzen Tag plappern. Natürlich hört die Musik auch sofort zu Spielen auf, nimmt man einen oder beide Hörer aus den Ohren – und setzt dann auch sofort wieder ein, setzt man sie wieder ein. Alles in allem sind die Airpods Pro die ideale Lösung als True Wireless System mit ANC an iPhone, iPad und Mac und uneingeschränkt zu empfehlen, trotz des recht hohen Preises. Was wir an den Airpods Pro haben, bemerken wir vor allem an dem, was wir mit Geräten der Konkurrenz nicht bekommen.

Samsung Galaxy Buds+: Ein paar gute Ideen, aber nicht gut genug

An dieser Stelle sei nochmals betont, dass dieser Vergleichstest keinen Anspruch auf Vollständigkeit stellt, denn wir haben die Hörer nur am iPhone/iPad/Mac getestet und nur in unseren sehr eigenen Ohren. Aber so viel sei gesagt: Trotz vielversprechender Ansätze kommen die Galaxy Buds+ nicht an die Airpods Pro heran. Das hat die unterschiedlichsten Gründe. Der wichtigste: Sie sind halt für Android-Samrtphones konzipiert, speziell für die Galaxies von Samsung.

Gibt es auch in weiß oder himmelblau. Klang überzeugt weitgehend.
Vergrößern Gibt es auch in weiß oder himmelblau. Klang überzeugt weitgehend.

Aus Sicht Apples und seiner Kunden und Fans mag es sehr erfreulich sein, dass Samsung – vor gut zehn Jahren von Apple der "sklavischen Kopie" des iPhones beschuldigt – gar nicht erst den Versuch unternommen hat, das "Zahnbürstendesign" der Airpods (Pro) zu kopieren, im Gegensatz zu vielen Nachahmern. Zuletzt war uns HTC wieder recht negativ aufgefallen . Doch statt auf "Stiel mit Kopf" setzt Samsung lieber auf das Prinzip "Knopf im Ohr". Für uns fangen aber genau hier die Probleme an.

Denn anstatt mit drei Paar konfigurierbaren Aufsätzen kommen die Galaxy Buds+ mit zwei mal drei Paar: Eartipps und Earwings. Erstere decken den Tweater ab und sollen sich in den Gehörgang eingraben, zweitere wollen für besseren Sitz in der Ohrmuschel sorgen. Anstatt drei mal drei Konfigurationsmöglichkeiten sind es nun: Drei mal drei mal drei mal drei, also 81. Gingen wir von absolut symmetrischen Ohren aus, hätten wir immer noch neun Kombis von Eartipps und Earwings auszutesten. Einen Hörtest, der das erleichtern würde, finden wir nicht in der App von Samsung.

Galaxy Buds+ bei Amazon (125 Euro)

Immerhin: Nach einigem Fummeln finden wir eine Konfiguration, die die Galaxy Buds+ gar nicht mal so schlecht klingen lässt – der erste Eindruck war ein erschreckend blecherner Klag gewesen, des schlechten Sitzes wegen. Jetzt macht der Bass ordentlich Druck, ist aber ebenso wenig aufdringlich wie bei der Lösung von Apple. Auch ansonsten ist das Klangbild ausdifferenziert, wenn sie mal gut sitzen, spielen die Galaxy Buds+ in der gleichen Liga wie die Airpods Pro. Wenn auch nicht um die gleichen Ränge, die Airpods Pro bieten immer noch den besseren Sound.

Die meisten der Funktionen, die Samsung seinen True Wireless mitgegeben hat, lassen sich auch am iPhone nutzen. So kennt die iOS-App für die Galaxy Buds+ drei Stufen für die  Unterdrückung der Umgebungsgeräusche – mit deutlich hörbaren Unterschieden, gewissermaßen gestufte Transparenz, aber eben nur in der App regelbar. Das Klappern der Tastatur, dass die Galaxy Buds+ wunderbar abschirmen, vernehmen wir im Transparenzmodus deutlich, seltsamerweise aber nicht die Türklingel.

Transparenz in drei Stufen, die EQ-Presets sind aber größtenteils unbrauchbar
Vergrößern Transparenz in drei Stufen, die EQ-Presets sind aber größtenteils unbrauchbar

Schöne Idee: Beim Telefonieren schalten die Hörer automatisch auf das Umgebungsgeräusch, sofern man das in der App auch so eingestellt hat. Dadurch soll man sich selbst besser hören können, also auch über das Trommelfell und nicht nur über die Knochenleitung. Nur stellen wir kaum Unterschiede fest, außer, wenn wir sehr laut sprechen. Machen wir dann wieder ab Herbst in der vollen S-Bahn … Dennoch: Eine solche Idee hätte auch den Airpods Pro gut getan, stattdessen müssen wir da einem Stiel das Gespräch annehmen und am anderen auf Transparenz umstellen.

Die Galaxy Buds+ kommen auch mit einem Equalizer. Na, ja, so etwas Ähnlichem: Neben der Standardeinstellung finden sich noch fünf andere Presets, von denen uns allenfalls eine etwas anspricht: "Dynamisch": Der "Bass Boost" führt zu einem ziemlich dumpfen Gemumpfle, die Höhenanhebung klingt einfach nur schrill und der Rest ist auch zum Vergessen. Warum aber überhaupt den durchaus ordentlichen Sound, den die Galaxy Buds+ reproduzieren, verschlimmbessern wollen? Man mag Apples Ansatz "Wir wissen schon, wie es am besten klingen soll" zwar für arrogant halten, aber auch bei ganz anderen Hörern ganz anderer Hersteller haben uns die EQs nie überzeugt.

Im Prinzip sind auch die Galaxy Buds+ für iPhone/iPad/Mac tauglich, auch wenn man auf eine schnelle Kopplung à la Airpods am iPhone verzichten muss. Oder darauf, dass beim Herausnehmen aus dem Ohr die Musik anhält. Das alles bietet Samsung nur an den eigenen Geräten an – und noch viel mehr. Etwa ein Gaming-Modus mit geringer Latenz. Nur per Bluetooth am iPhone betrieben, ist die Latenz eben technisch bedingt enorm – in Garageband herumklimpern ist nicht, von Gaming ganz zu schweigen.

Was die Galaxy Buds+ aber versprechen, ist eine enorme Reichweite. Bis zu elf Stunden sollen sie mit einer Akkuladung dudeln, die Ladeschale hält dann aber nur noch eine weitere Ladung bereit. Auch wenn wir den Akku nicht bis zu Neige leer saugten, konnten wir eine lange Laufzeit reproduzieren. Das mag für viele Leute ein Kaufargument sein, ebenso die Sache der Farbe. Denn während es die Airpods (Pro) weiterhin nur in Weiß gibt, hat man bei den Galaxy Buds+ die Wahl zwischen Weiß, Schwarz und einem sehr hellen Himmelblau.

Surface Earbuds: Keine Empfehlung

Das Kapitel Surface Earbuds können wir kurz halten – und die Empfehlung für Nutzer von iPhone, iPad, Apple Watch oder Mac ist eindeutig: Nein, die True Wireless Hörer von Microsoft taugen nicht für ihre Zwecke. Warum, ist schnell erklärt: Zwar verbinden sie sich via Bluetooth mit dem iPhone über die Systemeinstellung oder mithilfe der zugehörigen iOS-App, die Touchkontrollen der runden Hörer senden an das Telefon aber kein Signal, mit dem es etwas anfangen könnte – also warum etwas in die Ohren stecken, für das man doch das iPhone braucht, um Lauter oder Leiser zu stellen, zum nächsten oder letzten Titel zu wechseln oder Siri zu starten.

Surface Earbuds: Suboptimaler Klang und für das iPhone generell nicht tauglich
Vergrößern Surface Earbuds: Suboptimaler Klang und für das iPhone generell nicht tauglich

Microsoft begründet dieses Manko mit der geschlossenen Natur des Apple-Ökosystems, das ist aber nur Teil der Erklärung. Dass eine schnelle Paarung und eine Reduktion der Latenz nur ginge, wenn man Zugriff auf den H1-Chip bekommt, den Apple wohlweislich Dritten verweigert, ist die eine Sache, aber das Fehlen jedweder Steuerung von den Ohrhörern aus ist schwach. Alle anderen Hersteller bekommen das schließlich hin. Zwar verspricht Microsoft, App und Firmware mit der Zeit aktualisieren zu wollen, wir nehmen die Surface Earbuds aber wieder aus den Ohren. Zu spielen hören sie dann erst auf, nachdem wir sie in die Ladeschachtel gesteckt und diese geschlossen haben. Das können andere auch besser.

Das ist natürlich nicht das geplante Verhalten und wie wir in Videos sehen, bringen andere die Steuerung ja auch zum Laufen. Des Rätsels Lösung: Man muss die Touchsteuerung erst in der Ap aktivieren – Vergleichbares hatten wir bei noch keinen anderen Produkt gesehen. Und was erschwerend hinzukommt: Jedesmal, wenn wir die Surface Earbuds wieder trennen, schaltet sich auch die Touchsteuerung wieder aus.

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Das, was wir bis von den Surface Earbuds hören konnten, riss uns auch nicht vom Hocker. Erneut lag das vor allem am unzureichenden Sitz der Ohrhörer, keine der drei unterschiedlichen Größen der Aufsätze für den Speaker hat so richtig gepasst, nicht einmal der kleinste. Und schon der schmerzt, wenn man ihn kräftig in den Gehörgang steckt. Immerhin: Der Fünfband-Equalizer lässt auch eigene Einstellungen zu, das hätte ja Potential. Die glatte, runde Oberfläche kann auch gefallen, aber ohne dahinter stehende Funktion ist sie bloßes Dekor.

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