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Airtag und Tile im Vergleich – Welcher Bluetooth-Finder besser ist

30.05.2021 | 10:10 Uhr | Thomas Hartmann

Apple hat die lang erwarteten Airtags auf den Markt gebracht – Konkurrenz gibt es aber schon lange, vor allem die auch beliebten Tiles. Wie schlagen sich die beiden im Wettbewerb miteinander?

Die Bluetooth-Finder von Tile haben wir bereits ausführlich getestet und vorgestellt, der Artikel findet sich hier . Und auch die neuen Apple Airtags haben wir genauestens unter die Lupe genommen, auch diesen Bericht gibt es bei Macwelt.de . Doch wie sind beide Objektfinder-Systeme im Vergleich, welchem sollte man den Vorzug geben? Die Antwort fällt nicht leicht, denn wie so oft: Es kommt darauf an.

Airtags: durch und durch Apple

Der eindeutige Vorteil der Airtags ist: Sie kommen von Apple. Das bedeutet, sie werden direkt in das Ökosystem des iPhone-Herstellers integriert, die App ”Wo ist?” ist bereits an Bord, man hält die Airtags lediglich an das Mobilgerät, schon werden sie über die Apple-ID integriert und auf der Karte angezeigt. Eine Bezeichnung (wie ”Jacke“ oder  ”Schlüsselanhänger”), wofür man diesen Airtag verwenden will, ist vorgegeben oder lässt sich selbst ausstellen. Alle weiteren Details finden sich im erwähnten Macwelt-Test .

Besonders cool ist die Art und Weise, wie man Airtags sucht, die Richtungsweiser sind da sehr präzise, sobald der Kontakt hergestellt wurde. Man kann auch einen Sound abspielen. Dieser ist aber nicht besonders laut – das lässt sich auch nicht anders einstellen, etwa durch alternative Töne.

Die Navigationssuche der Airtags kann sich sehen lassen.
Vergrößern Die Navigationssuche der Airtags kann sich sehen lassen.

Das ist bei den Tiles besser gelöst, wo es freilich auch abhängig vom Modell ist. Denn, wie im Haupttest beschrieben, bietet Tile unterschiedliche Geräte mit verschiedenen Größen und Klingeltönen, auch was deren Lautstärke betrifft.

Die Tracker im Test gegeneinander

Die Airtags von Apple sind prinzipiell kleiner als unsere Tile Pro mit vergleichbarer Funktionalität. Wir bringen beide ein Stück (etwas über einen Kilometer) weit entfernt in den Briefkasten eines Freundes, der uns später besuchen will und diese dann mitbringt. Dazu haben wir nicht das iPhone dabei, damit es nicht ”merkt”, wohin die Tracker gebracht werden. Schnell zeigt sich, dass ”Wo ist?” genau ”weiß”, wo sich unser Airtag aktuell aufhält.

Beim Airtag ahnt man, wo's sich aufhält.
Vergrößern Beim Airtag ahnt man, wo's sich aufhält.
© Thomas Hartmann

Der Tile dagegen gibt lediglich als letzten Standort unser Zuhause an. Kein Wunder – die Airtags senden ständig verschlüsselte Bluetooth-Signale an die Umgebung, und jedes iPhone, wovon es in vielen Gegenden eine Menge gibt, nimmt diese sofort auf und meldet es ebenso verschlüsselt an den Besitzer.

Beim Tile keine aktuelle Info.
Vergrößern Beim Tile keine aktuelle Info.
© Thomas Hartmann

Bei den Tiles ist es so, dass man den Tracker als ”verloren” melden kann, aber dann kommt es darauf an, dass auch andere User mit der entsprechenden App unterwegs sind. Das sind naturgemäß deutlich weniger als solche mit einem moderneren iPhone und der ohnehin installierten App ”Wo ist?”.  Ab iPhone 11 wird die Suche über Ultrabreitband mittels des U1-Ultrabreitband-Chips zusätzlich unterstützt.

So viele User könnten wir zur Hilfe aktivieren.
Vergrößern So viele User könnten wir zur Hilfe aktivieren.
© Thomas Hartmann

Airtags melden sich vage

Als sich der Freund dann mit beiden Trackern zu Fuß zu uns bewegt, gibt es vom Airtag auf der nicht allzu langen Strecke immerhin zweimal ein Status-Update – mit GPS und Echtzeit-Meldungen lässt sich das aber nicht vergleichen. Dennoch hat man so eine Vorstellung, auch ohne ihn als ”verloren” einzutragen, wo der Airtag sich in etwa befindet. Was ja eben auch das bekannte Problem mit dem ”Stalken” anderer Menschen ist, die von ihrem ”Glück“ nichts ahnen, unbemerkt einen solchen Tracker bei sich zu führen.

Vom Tile dagegen gibt es nichts als den letzten in der App bekannten Standort, der eben bei uns zu Hause ist. Bewegungsmeldungen dagegen sind Fehlanzeige. Dazu müsste man ihn als verloren angeben und auf die User hoffen, die zufällig daran mit Tile-App vorbeikommen. Das gelingt in der kurzen Zeit aber ohnehin nicht. Immerhin, als wir es mal mit der Meldung ”verloren” ausprobieren, werden wir nach Ankunft des Freundes fröhlich per E-Mail und App benachrichtigt, dass unser Tile nun wieder gefunden wurde.

Immerhin ein freundlicher Hinweis.
Vergrößern Immerhin ein freundlicher Hinweis.
© Thomas Hartmann

Beim iPhone dagegen ist der Airtag halt einfach wieder da, ohne zusätzlichen Hinweis, denn dort benötigte es eine aktive Benachrichtigung durch einen Finder oder eine Finderin über eine hinterlegte Handynummer im Modus ”Verloren”.

Einige Optionen im "Verloren"-Modus.
Vergrößern Einige Optionen im "Verloren"-Modus.
© Thomas Hartmann

Tiles sind günstiger

Für den Vergleichstest nutzen wir von Tile die Pro-Ausgabe zum Preis von 35 Euro, Abmessungen 42 × 42 × 6,5 Millimeter, Batterielaufzeit ein Jahr, diese austauschbar, größte Reichweite mit 122 Metern (Herstellerangaben). Bei den kleineren Airtags von Apple ist das nicht ganz sicher , offizielle Angaben des Herstellers dazu gibt es nicht. Doch wir kümmern uns um die direkte Praxis und stellen in einem Haus mit zwei Stockwerken und dicken Mauern fest, wenn wir die beiden Tracker nacheinander an bestimmten Stellen verstecken (wieder ohne Mitnahme des iPhones dorthin), dass die Tiles sich leichter und schneller orten lassen. Und wie gesagt auch das lautere Geräusch abgeben.

Dafür ist die Navigation zu den Airtags von Apple deutlich cooler, das lässt sich nicht anders sagen. Auch die Angaben der App in Metern ist bei Annäherung sehr genau.

Auch die Airtags gibt es per Liste für 35 Euro. Allerdings kann man von Apple einen Viererpack erwerben (119 Euro), und von den Tiles gibt es kleinere Ausgaben zum günstigeren Preis, dann jedoch beispielsweise mit kleinerer Reichweite und nicht unbedingt wasserdicht, zumal leiserem Ton.

Airtags im Viererpack für 116 Euro kaufen

Die Tiles sind deutlich variantenreicher, es gibt sie auch als selbstklebende Sticker, die man praktisch überall anbringen kann. Und vor allem kommt unser Tile Pro mit einem Loch, sodass man es leicht etwa an einem vorhandenen Schlüsselanhänger anbringen kann. Bei Apple gibt es nichts Vergleichbares, daher erwerben wir erst mal einen ” iCEO Airtag Anhänger aus Silikon - Saphirblau ” von Arktis 17 Euro. Auch schick, aber eben deutlich teurer, gut 50 Euro hat man im Einzelfall schon ausgegeben.

Weiteres Zubehör zu Airtags finden Sie hier

Tiles lassen das iPhone klingeln

Was ein deutlicher Vorteil für die Tiles ist: diese lassen sich auch verwenden, um ein iPhone in der Nähe direkt anzuklingeln, selbst wenn es auf stumm geschaltet wurde. Das passiert ja schon mal, dass man nicht mehr genau weiß, wo man es zuletzt hingelegt hat. Dann meldet sich das iPhone mit einem klar und deutlich vernehmbaren Klingelton. Hier können die Apple Airtags nicht mithalten, weil sie diese Funktionalität nicht bieten. Ein Wermutstropfen allerdings – wir haben schon im ausführlichen Test berichtet, dass dies mit den Tiles immer mal wieder nicht funktioniert. Das iPhone zeigt dann zwar an, dass es angeklingelt wurde, gibt aber leider keinen Ton von sich. Da hilft nur, die App zu löschen und inklusive Anmeldung neu zu installieren, was alles sehr flott geht. Dies ist weder intuitiv, noch hilfreich vor allem dann, wenn man es genau jetzt gebraucht hätte. Schade, das wäre sonst ein echtes ”Killerfeature”. So läuft das leider nur eingeschränkt als Argument pro Tiles.

Fazit und Empfehlung

Es lässt sich drehen und wenden, wie man will – die Apple Airtags sind cooler und leichter ins Apple-Universum einzugliedern. Unser Eindruck ist: Wer es leicht haben will und auch immer die Orientierung, wo ungefähr sich aktuell der Tracker aufhält, ist mit den Apple Airtags besser bedient, muss aber zusätzliche Kosten für die Anbringung an bestimmte Gegenstände in Kauf nehmen. Die Tiles Pro haben nach unserer Erfahrung eine etwas bessere Reichweite, bieten das Anklingeln des iPhones (so es denn funktioniert) und lassen sich sehr leicht an bestimmte Objekte anbringen. Außerdem funktionieren sie auch vollumfänglich mit Android-Smartphones, für wen das ein Kriterium ist. Alles letztlich eine Frage der Perspektive – eine eindeutige Empfehlung gibt es wie eingangs vorhergesagt nicht.

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