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Amadine: Preisgünstiges Zeichenprogramm im Test

29.04.2022 | 15:30 Uhr | Thomas Armbrüster

Profizeichner kommen an Illustrator eigentlich nicht vorbei. Wer aber nicht so hohe Anforderungen hat, findet in Amadine ein gutes und zudem preisgünstiges Zeichenwerkzeug.

Das vom ukrainischen Hersteller Belight entwickelte Vektorzeichenprogramm Amadine für den Mac ist seit 2019 auf dem Markt und kostet rund 22 Euro. Man kann das Programm entweder direkt von der Amadine-Webseite laden, wo es auch eine Testversion gibt, oder über den Mac App Store beziehen. Eine Version für das iPad und das iPhone ist seit Ende 2020 für 10 Euro im App Store verfügbar. Wobei ein iPhone wohl nicht das sinnvollste Werkzeug zum Erstellen von Vektorzeichnungen ist. Auf dem Mac unterstützt Amadine das Zeichnen mit einem Wacom-Tablet, auf dem iPad lässt sich der Apple Pencil verwenden. Die Werkzeuge sind auf dem Mac und dem iPad im Wesentlichen gleich, die Bedienung ist aber an den Touchscreen des iPad angepasst. Lokalisiert ist Amadine bisher nicht. Eine ausführliche Hilfefunktion, etliche Lernvideos und einige Beispieldateien erleichtern den Einstieg.

Auf der Webseite von Belight gibt es eine Reihe von Lernvideos, die den Einstieg in das Programm erleichtern.
Vergrößern Auf der Webseite von Belight gibt es eine Reihe von Lernvideos, die den Einstieg in das Programm erleichtern.

Die Arbeitsumgebung

Das Fenster von Amadine umfasst auf dem Mac vier Bereiche: in der Mitte die Arbeitsfläche, links die Werkzeuge, oben im Fenster eine Leiste mit Einstellungen für das momentan ausgewählte Werkzeug. Dort sind außerdem rechts die Optionen für die Darstellungsgröße (bis 6400 %), zum Ein- und Ausblenden von Hilfslinien sowie zum Wechseln der Ansichten (Dokumentvorschau und Pfadansicht) zu finden. Rechts neben der Arbeitsfläche sind fünf Paletten angeordnet. Über diese bearbeitet man die Geometrie und das Aussehen der Objekte, verwaltet die Ebenen und die Arbeitsblätter (Sheets) und hat Zugriff auf eine Bibliothek mit vorgefertigten Elementen.

Werkzeuge und Paletten sind um die Arbeitsfläche (hier ein Beispieldokument von Belight) herum angeordnet, lassen sich aber auch individuell anordnen.
Vergrößern Werkzeuge und Paletten sind um die Arbeitsfläche (hier ein Beispieldokument von Belight) herum angeordnet, lassen sich aber auch individuell anordnen.

Jedes Amadine-Dokument kann mehrere Arbeitsblätter umfassen, die auch unterschiedliche Größen haben können. Für die Arbeitsblätter lässt sich zwischen Print, Web und Geräte (Devices) wählen, jeweils mit einigen Standardformaten. Bei den Devices sind dies verschiedene iPad- und iPhone-Modelle, ganz aktuelle Modelle fehlen aber noch. Man kann zudem eigene Größen einstellen. Möchte man die Paletten und Werkzeuge individuell platzieren, lassen sie sich lösen und dann auf dem Bildschirm verschieben. Mit einem Befehl wandern sie wieder an ihre festen Plätze.

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Die Zeichenwerkzeuge

Zum Zeichnen gibt es die Zeichenfeder, mit der man Objekte mithilfe von Bézierkurven konstruiert, und den Stift, der wie beim Zeichen auf Papier funktioniert. Die Ankerpunkte werden beim Stift automatisch anhand der gezeichneten Formen gesetzt. Außerdem stehen Werkzeuge für Standardobjekte wie Rechteck und Quadrat, Kreis und Ellipse, Polygon, Stern und Linie sowie ein Werkzeug zum Erstellen von Kreissegmenten zur Verfügung. Für Text gibt es ein Werkzeug, mit dem man normalen Text, Text auf einem Pfad und Text in einer Form erzeugt.

Mit dem Auswahlwerkzeug kann man Ankerpunkte nachträglich umwandeln und neu positionieren.
Vergrößern Mit dem Auswahlwerkzeug kann man Ankerpunkte nachträglich umwandeln und neu positionieren.

Um Objekte zu bearbeiten, nimmt man das Auswahlwerkzeug, mit dem man einzelne Punkte verändert, verbindet oder löscht, oder die Zeichenfeder, mit der man zudem zusätzliche Punkte setzen kann. Mit dem Werkzeug für die Strichbreite lässt sich an jeder Stelle einer Linie deren Stärke verändern, mit der Schere, dem Messer oder dem Radiergummi lassen sich Pfade beziehungsweise Objekte auftrennen, und das Werkzeug „Fusion“ kombiniert mehrere Einzelobjekte.

Gestaltungsoptionen

Sowohl für die Linien der Objekte als auch für die Füllung bietet Amadine mehrere Gestaltungsoptionen. Sie sind in der Palette „Appearance“ zu finden. Für die Linien gibt es Linienstile oder Pinselstile. Zu den Linienstilen gehören auch die Pfeilspitzen und die Pfeilenden. Außer mit Farben kann man Linien mit Verläufen gestalten. Analog gilt das für die Füllungen der Objekte, in diese lassen sich alternativ auch Bilder einfügen. Als Farbmodelle stehen RGB, CMYK, HSB und Graustufen zur Verfügung. Bei den Verläufen kann man zwischen linearen und zentralen Verläufen wählen. Um einem markierten Objekt schnell einen Verlauf zuzuweisen, gibt es in der Werkzeugpalette ein Verlaufswerkzeug, mit dem man über das Objekt zieht und Anfangs- und Endfarbe festlegt.

Liegen Objekte übereinander, lässt sich festlegen, wie die Füllungen jeweils miteinander agieren. Und ändert man die Deckkraft einer Farbe, scheint eine darunterliegende Farbe hindurch und es gibt eine Mischfarbe. Auch Texte lassen sich einfärben, mit einem Farbverlauf versehen oder mit einem Bild füllen. Objekte können zudem Schatten werfen oder einen Schein (Glow) erhalten, jeweils nach außen oder nach innen, und sie lassen sich weichzeichnen (Blur).

Schrift lässt sich in Einzelobjekte aufteilen und mit Farben, Verläufen oder Bildern füllen und mit Schatten und Scheineffekten versehen.
Vergrößern Schrift lässt sich in Einzelobjekte aufteilen und mit Farben, Verläufen oder Bildern füllen und mit Schatten und Scheineffekten versehen.

Anordnen, verteilen und maskieren

Objekte kann man drehen, horizontal oder vertikal spiegeln, neigen und verzerren. Zum einen gibt es ein Verzerrungswerkzeug für freie Veränderungen, zum anderen lassen sich die Einstellungen in der Geometrie-Palette sowie im Fenster „Transform“ vornehmen. Es gibt jeweils die Möglichkeit, den Fixpunkt zu markieren, um den das Objekt gedreht, gespiegelt oder geneigt wird. Außerdem lässt sich der Punkt, um den Objekte gedreht werden, manuell auf dem Arbeitsblatt festlegen. Im Fenster „Transform“ kann man einstellen, dass bei einer Aktion wie etwa dem Drehen eine Kopie des Objekts erstellt wird.

Ferner lassen sich Objekte aneinander ausrichten, gleichmäßig verteilen und gruppieren. Um aus mehreren Objekten neue Objekte zu erzeugen, gibt es die Befehle „Combine“. Man kann Objekte kombinieren, Schnittmengen erstellen oder vorne liegende Objekte aus den darunterliegenden Objekten ausstanzen. Die ursprünglichen Objekte bleiben weiterhin bearbeitbar. Alternativ lässt man Amadine ein neues Objekt erstellen und hält dazu bei der Auswahl der Befehle die Taste Option (⌥) gedrückt. Die Befehle findet man im Menü „Modify“ sowie entsprechende Symbole in der oberen Leiste, wenn mehrere Objekte markiert sind. Des Weiteren kann ein vorne liegendes Objekt alle dahinter liegenden Objekte maskieren, sodass nur noch die innerhalb des Objekts liegenden Teile sichtbar sind.

Grundformen lassen sich mit den Boolschen Operationen zu neuen Formen kombinieren.
Vergrößern Grundformen lassen sich mit den Boolschen Operationen zu neuen Formen kombinieren.

Ebenen und Hilfslinien

Amadine arbeitet mit Ebenen, die man in der Ebenenpalette verwaltet. Man kann sie ausblenden und gegen Veränderungen schützen. Jedes Objekt, das auf einer Ebene liegt, wird jeweils als eigenständiger Untereintrag der Ebene aufgelistet. Jedes Objekt lässt sich in der Ebenenpalette schützen und ausblenden, und man kann die Reihenfolge der Objekte, in der sie übereinander liegen, ändern, indem man den jeweiligen Eintrag in der Palette verschiebt. Letzteres geht auch über Menübefehle und Tastenkürzel. Auch das Auswählen von Objekten lässt sich über die Ebenenpalette erledigen, man klickt dazu den entsprechenden Eintrag an. Sowohl die Ebenen als auch die Objekte kann man in der Palette benennen, ein Doppelklick auf den automatisch zugewiesenen Namen aktiviert den Bearbeitungsmodus.

Mithilfe der Ebenen lassen sich die Objekte übersichtlich verwalten und bei Bedarf schützen oder ausblenden.
Vergrößern Mithilfe der Ebenen lassen sich die Objekte übersichtlich verwalten und bei Bedarf schützen oder ausblenden.

Lineale und die Hilfslinien, die man aus den Linealen herauszieht, sowie ein Raster erleichtern das Platzieren der Objekte. Außerdem gibt es die intelligenten Hilfslinien (Smart Guides), die sich automatisch einblenden, wenn man Objekte aneinander ausrichtet oder neue Objekte zeichnet. Es ist auch möglich, ein gezeichnetes Objekt in eine Hilfslinie umzuwandeln.

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Dateien und Formate

Amadine unterstützt Tabs, sodass man mehrere Dokumente parallel öffnen kann. Inspiziert man eine Amadine-Datei auf dem Mac mit dem Befehl „Paketinhalt zeigen“ im Finder, sieht man, dass das Programm das XML-Format verwendet. Zusätzlich erstellt Amadine noch ein Vorschaubild für Quicklook und ein Icon, um die Datei im Dateisystem anzuzeigen.

Auf dem iPad lassen sich die Dateien wie auf dem Mac bearbeiten. Die Werkzeuge sind weitgehend gleich, jedoch an die Touchbedienung angepasst.
Vergrößern Auf dem iPad lassen sich die Dateien wie auf dem Mac bearbeiten. Die Werkzeuge sind weitgehend gleich, jedoch an die Touchbedienung angepasst.

Für den Export hat man verschiedene Optionen. Als Vektordatei lassen sich die Zeichnungen in den Formaten SVG, EPS (nicht auf dem iPad) und PDF exportieren, für Bilder stehen TIFF, JPEG und PNG zur Verfügung. Importieren lassen sich diese Formate ebenfalls, zusätzlich importiert Amadine Bilder im Format HEIC. Importiert oder öffnet man ein Dokument mit den Formaten EPS, SVG oder PDF, das Vektorzeichnungen enthält, lassen diese sich weiterbearbeiten. Dazu nimmt man in Amadine den Befehl „Expand“, um die Zeichnung in einzelne Elemente zu zerlegen.

Fazit

Wer nicht den Leistungsumfang von Illustrator benötigt, bekommt mit Amadine ein praktisches und günstiges Werkzeug, um unter anderem Logos, Banner für Webseiten oder Bedienelemente für Apps zu entwerfen. Das Programm lässt sich zudem nach etwas Einarbeitung recht einfach bedienen. Da es eine Testversion gibt, kann man Amadine zuerst ausprobieren, bevor man den recht bescheidenen Preis an die Entwickler entrichtet. Auf dem iPad lassen sich in der kostenlosen Version Dateien zwar bearbeiten, aber nicht speichern.

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