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Anker Nebula Cosmos: Heimkino in kompakter Größe

20.08.2020 | 08:20 Uhr | Peter Müller

Der Beamer mit Rundumklang und HDR-Bild kann in Sachen Bild und Ton durchaus überzeugen, es gibt aber einen Haken.

Wer weiß, vielleicht ist die Sache mit der Seuche tatsächlich nächsten Sommer ausgestanden und die 2020 abgesagten Großereignisse wie Fußball-EM oder Olympische Spiele finden ein Jahr später doch mit Publikum statt. Da aber die Karten für das paneuropäische Fußballturnier auch ohne Einschränkungen sehr knapp wären und die für die Sause in Tokio noch viel seltener zu bekommen sind, dafür aber zu horrenden Preisen, werden die Wettkämpfe vor allem im TV stattfinden. Dann – wie gehofft – auch mit zahlreichem Publikum im eigenen Garten oder dem geräumigen Wohnzimmer.

Beamer haben gegenüber dem TV einige Vorteile: Das projizierte Bild nimmt viel mehr Fläche ein als das des TV-Apparates, ein 55-Zöller ist zudem eher schwer in den Garten zu schaffen. Einen weiteren Vorteil will der Projektor Nebula Cosmos bieten: Seinen Rundumsound. Zwei Lautsprecher vorne, zwei hinten, so sollen alle Gäste das Spiel (oder auch den Film im heimischen Open-Air-Kino) auch akustisch genießen können. Das Bild löst mit 1080p auf und lässt sich mit bis zu einer Diagonale von 200 Zoll an die Wand werfen, HDR-Anmutung sollen selbst alte Filme auf DVD dank einer intelligenten Bildverbesserung bekommen, verspricht der Hersteller.

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Der größte Nachteil des rund 700 Euro teuren Beamers mit Internetanschluss: Inhalte aus Apple Ökosystem bekommt man nur klassisch via HDMI-Kabel auf den Projektor. Installiert ist Android 9, sprich, zunächst muss sich mit Youtube, Google TV und dem Google Assistant zufriedengeben. Will man Filme von Apple TV+ sehen, schließt man eben das Macbook per HDMI-Kabel (und Dock oder Adapter) an, Streamen vom iPhone, iPad oder Mac ist nicht vorgesehen. Immerhin gibt es auch bei Google die wichtigsten Apps zum Download, Fußball oder Olympia kommen nächstes Jahr per Stream von ARD, ZDF und Eurosport auf das Gerät.

Fußball im TV

Fußballfans kennen den Termin: Am Sonntag, den 23. August spielen Paris St. Germain und der FC Bayern München den Sieger der diesjährigen Champions League in Lissabon aus, ab 21 Uhr MESZ im Estadio de la Luz, dem "Stadion des Lichts". Da es mit den Bayern ein deutsches Team in das Finale des Endturniers geschafft hat, überträgt das ZDF live, die Gelegenheit, das Lichtspiel mit dem Projektor auszuprobieren, zum Anpfiff ist es auch schon einigermaßen dunkel. Aber eine kleine Vorwarnung, gilt für jedes Sportereignis: Technisch bedingt hinkt das Internetstreaming dem Signal über Kabel-TV oder Rundfunk etliche Sekunden hinterher. Wenn also der Nachbar vor TV oder Radio schon jubelt, während Alphonso Davies den Pass auf Robert Lewandowski noch gar nicht gespielt hat, weil er sich noch über den linken Flügel dribbelt, wurden Sie eben gespoilert …

Die mangelnde Kompatibilität zu macOS und iOS macht sich vor allem beim Einrichten des Nebula Cosmos negativ bemerkbar. Mit einem Android-Handy hätte man schnell die Einstellungen des Google-Kontos auf den Beamer übertragen, so mühen wir uns eben mit der Fernbedienung ab und geben Gmail-Adresse (über 20 Zeichen) und Passwort (fast 20 Zeichen) Buchstabe für Buchstabe, Zeichen für Zeichen ein.

Automatische Scharfstellung, 900 ANSI Lumen aber nicht immer hell genug

Die Optik hat sich schon von alleine scharf gestellt, ab Werk ist die Helligkeit auf den Maximalwert eingestellt, 900 ANSI-Lumen verspricht die Anker-Tochter. Tagsüber im Büro ergibt das selbst bei herunter gelassenem Außenrollo und den innen angebrachten Sonnenblenden kein besonders helles Bild an der weißen Wand – nächstes Jahr steht die EM (hoffentlich) zu den längsten Tagen des Jahres an und Olympia nicht wesentlich später. Immerhin sind viele Wettbewerbe in Tokio für unsere Nachtstunden geplant, die Fußballpartien der Spätnachmittage im Juni 2021 wird man aber eher nicht im Freien genießen können, wenn man auch den Ball sehen will.

Klang erzeugt gemischte Gefühle

Anspruchsvoll wie wir sind, geben wir dem Nebula Cosmos an einem sonnigen Münchener Nachmittag auch gleich eine schwere Aufgabe, in der Arte-App stolpern wir über den Konzertfilm "Delicate Sound of Thunder" von Pink Floyds "A Momentary Lapse of Reason"-Tour aus dem Jahr 1989. Ist zwar leider nicht die geniale Show aus Venedig, aber natürlich Pink Floyd. Es hat ja seinen Grund, dass Gilmour, Mason, Wright und Konsorten ihre Open-Air-Shows vor dreißig Jahren erst in völliger Dunkelheit begonnen haben, für den Filmgenuss ist es jetzt noch zu früh.

Delicate Sound of Thunder, es ist noch zu hell im Büro. Nicht im Bild: Der Sound.
Vergrößern Delicate Sound of Thunder, es ist noch zu hell im Büro. Nicht im Bild: Der Sound.

Uns interessiert hier auch mehr der akustische Eindruck, da setzt das Material hohe Ansprüche an die Ausgabe. Vom Klang der 10-Watt-Lautsprecher insgesamt sind wir erst einmal nicht besonders positiv eingenommen. Ordentlich und weit besser als von einem herkömmlichen TV-Gerät, das schon, aber ein wenig dünn in den Höhen und wenig wuchtig im Bass – wir haben jedoch auch recht laut gestellt. Aber positiv fällt in der Tat der Rundumklang aus: Wo auch immer wir uns aufhalten, vor, hinter oder neben dem Beamer, der Sound erreicht uns überall ohne Qualitätsabfall. Der Nebula Cosmos hat einen 8 GB fassenden Speicher, so kann man Filme für das Offline-Sehen auf den Beamer laden, den Laptop drinnen lassen und sich außerhalb der Reichweite des WLAN begeben.

Beeindruckend dagegen das Bild eines HDR-Streams in 4K, auf weiße Wand in einem etwas dunkleren Raum.
Vergrößern Beeindruckend dagegen das Bild eines HDR-Streams in 4K, auf weiße Wand in einem etwas dunkleren Raum.

Wir stellen den Nebula Cosmos dann nochmal in unserem TV-Studio ab, wo wir eine einigermaßen große weiße Fläche vorfinden. Die richtige Ausrichtung des Beamers gelingt nur mit Hilfsmitteln, unter anderem einem Karton, denn ausfahrbare Füße oder eine andere Art der Höhenverstellung vermissen wir. So muss der Beamer auch auf einer absolut ebenen Fläche stehen, wollen wir keine Irritation eines schiefen Bildes. Die Trapezkorrektur – ab Werk automatisch – kann hier auch nicht weiterhelfen. Diese funktioniert wie die automatische Scharfstellung sehr gut, man kann manuell aber noch um ±20 Grad horizontal wie vertikal verstellen.

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Es kommt auf die Bildquelle an

Nun war der Versuch mit Pink Floyd recht anspruchsvoll, jetzt interessiert uns – an einem etwas regnerischen Tag – das HDR-Versprechen. Auf Youtube finden wir einige Naturfilme in 4K mit HDR10 – der kompakte Beamer zeigt hier seine Stärken. Das an die Wand geworfene Bild zeigt starke Farben und Kontraste, allenfalls meinen wir einen leichten Grauschleier über der Szene zu sehen. Das kann aber auch daran liegen, dass es selbst an einem regnerischen Nachmittag im Büro nicht völlig dunkel wird.

Apple TV

Natürlich lässt sich auch ein Apple TV als Quelle an den Beamer anschließen, via HDMI. Das geht direkter, als den Mac mit einem Adapter zu versorgen. Auf dem Tisch neben dem Projektor steht dann aber eben noch ein zweites Gerät, das Strom benötigt. Die Vorteile sind aber klar: Jede Menge von Inhalten in 4K HDR, sofern man das aktuelle Gerät Apple TV 4K verwendet.

Ein letzter Versuch, mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Denn einen DVD-Player haben wir keinen mehr, das USB-Laufwerk bekommt via Adapter vom Macbook (Frühling 2015) nicht genügend Strom. Doch haben die Kollegen noch ein Windows-Laptop mit DVD-Laufwerk und HDMI-Output im Schrank liegen. In das legen wir Blake Edwards' "Das große Rennen um die Welt" aus dem Jahr 1965 ein, herausgegeben in der Jungen Cinemathek des Süddeutschen Verlags im Jahr 2006 . Alter Film, alte DVD, altes Format, genau das verspricht der Nebula Cosmos in höherer Qualität auszugeben. Und wir werden nicht enttäuscht: Zwar erscheint das projizierte Bild mit etwa 80 Zoll Diagonale leicht pixlig, geschuldet der niedrigen Auflösung einer DVD, ist aber scharf und stark im Kontrast, vor allem im Vergleich zum Notebook, das noch unter Windows 7 lief. Auch der Sound beeindruckt beim Filme ansehen deutlich mehr als noch beim etwas anspruchsvollen Test mit dem Konzertfilm zu Beginn.

Fazit

Zu einem Preis von 700 Euro darf man vom Nebula Cosmos einiges erwarten, so richtig enttäuscht wird man auch nicht. Der Sound kommt zwar an Grenzen, zumal der Beamer relativ laut ist. Doch das HDR-Bild beeindruckt durchaus, insbesondere die versprochene Korrektur älterer Formate. Ebenso überzeugt die Kompaktheit des Projektors. Auf der Negativseite steht natürlich die mangelnde Kompatibilität zu Apples Ökosystem, mit einer Airplay-Schnittstelle wäre der Nebula Cosmos eine uneingeschränkte Empfehlung wert, so ist er eben besser für Android-Nutzer geeignet.

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