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Apple Arcade: Starke Spiele, schwache Steuerung

25.11.2019 | 13:05 Uhr | Thomas Hartmann

Erste Erfahrungen mit den jetzt etwa 100 iOS-Spielen bei Apple Arcade zeigen: Die Games sind interessant, aber an der Umsetzung hapert es gelegentlich.

Seit dem 19. September ist Apple Arcade auf iOS-GerĂ€ten verfĂŒgbar, inzwischen kann man sie auch unter macOS 10.15 Catalina auf den Mac starten, hier allerdings scheint nicht nur die Performance stark einzuknicken, wie die Kollegen von Mactechnews es schildern.

Drei coole Games mit mieser Steuerung

Das erste Spiel, das wir auf unserem iPad Pro (2017 mit 10,5 Zoll) getestet haben, war "Agent Intercept", ein rasantes Spionage-Game mit Auto und Sportboot, das es in unsere L iste der besten iPad-Games   geschafft hat.

Frogger in Toy Town
VergrĂ¶ĂŸern Frogger in Toy Town

Als NĂ€chstes wollten wir es mit dem absoluten Klassiker "Frogger in Toy Town" versuchen, der fĂŒr Apple Arcade  vor allem grafisch und auch spielerisch völlig ĂŒberarbeitet wurde. Der 3D-Look steht dem FroschhĂŒpfer auch recht gut. Doch wenn man prĂ€zise ĂŒber die gefahrvollen Straßen und andere zahlreichen Hindernisse navigieren will, wird man ziemlich im Stich gelassen. Mit den Fingern per Touch geht das im Grunde schon gar nicht – glĂŒcklicherweise hat man ja seit iOS 13 auch die Wahl, mit einem Bluetooth-Gamepad ans Spiel zu gehen, was sich auch hier gĂŒnstig bemerkbar macht. Doch wenn es drauf ankommt, liegen wir selbst damit zu oft daneben. Ob erfahrene ”Konsolen-Cowboys” da besser klarkommen? Aber Apple Arcade sollte doch fĂŒr jeden sein. Uns hat dabei der Spaß verlassen.

Ähnlich bei "Ufo on Tape" : DafĂŒr muss man schon ĂŒber 1 GB Speicherplatz auf seinem iOS-GerĂ€t opfern. Die Grafik bei dem zudem ungewöhnlichen Spielprinzip ist jedoch beeindruckend. Anstatt wild auf die Außerirdischen zu ballern, was ja im anderen Kontext durchaus auch Spaß machen kann, ist man hier mit einem Fotoapparat unterwegs und muss eine bestimmte Reihe von Motiven abgelichtet haben und dafĂŒr PrĂ€mien kassieren, um weiter zukommen. Ganz nett alles, aber wenn wir dann mit dem Gamepad durchs MenĂŒ steuern wollen, geht es nicht wirklich weiter oder nur mit viel GlĂŒck. Sehr schwach und auch die jetzt nachgelieferte Touch-Steuerung scheint es nicht sehr viel verbessert zu haben.

Ufo on Tape
VergrĂ¶ĂŸern Ufo on Tape

Die bis dato aber grĂ¶ĂŸte EnttĂ€uschung ist "Stela" , und das, gerade weil es eines der schönsten und stimmungsvollsten Spiele ist, die wir jemals fĂŒr ein iOS-GerĂ€t gesehen haben – und das nach unserem Eindruck sofort qualifiziert war fĂŒr eins der besten iPad-Spiele. Wer ĂŒber 3 GB Speicherplatz dafĂŒr freigemacht hat, konnte sich leicht selbst davon ĂŒberzeugen. Verfolgt von unheimlichen Aliens und fiesen Monstern, durch glĂŒhende Landschaften oder apokalyptische Industrie- und Agrar-GebĂ€ude schleichen und fliehen wir, treffen auf zum Teil knifflige RĂ€tsel, hĂŒpfen und rennen in einer fraglos grandios aufbereiteten Spiele-Welt.

Doch schon mit der Touch-Steuerung merkten wir, dass wichtige und zeitkritische Bewegungen nur schwer auszufĂŒhren sind, insbesondere das Aktivieren und Bewegen von Objekten. Mit dem Xbox Controller ging das alles deutlich besser, wir waren schlicht begeistert. Dann kam ein Update – und das bedeutet in diesem Fall erst einmal, dass das komplette Spiel mit ĂŒber drei GB neu geladen wird! Anschließend funktionierte zwar die Touch-Steuerung besser, aber mit dem Gamepad schlich unsere Figur nur noch vor sich hin, das notwendige Rennen war einfach nicht mehr möglich oder nur in wenigen unklaren AusnahmefĂ€llen, und auch mit der Touch-Steuerung klappt es nicht in allen FĂ€llen gut, vor allem, weil man damit immer wieder einen Teil der Objekte verdeckt, die man eigentlich bedienen will. Jedenfalls war das Spielerlebnis völlig ruiniert.

Unsere E-Mail an den Support von Entwickler SkyBox Labs erfuhr bislang keine Antwort. So lassen wir dieses an sich wunderschöne Game erst einmal ruhen, bis der Entwickler hoffentlich eine neue Version mit den nötigen Fehlerbereinigungen herausbringt – unter Garantie wieder mit den kompletten 3 GB. Aber wenn es im Anschluss wieder einwandfrei funktioniert, ist uns das herzlich egal!

Fazit und Empfehlung

Apple Arcade  bietet jede Menge interessanter und teilweise exklusiver Spiele speziell fĂŒr iPad und iPhone. Immer wieder stolpern wir in den Bewertungen und Rezensionen unter den Spielen aber ĂŒber Klagen speziell zur Steuerung der Games. Das scheint also ein gewisses Grundproblem zu sein. Zwar gibt es den ersten Monat kostenlos und danach zahlt man eine jederzeit kĂŒndbare Flatrate von knapp fĂŒnf Euro. Trotzdem rechtfertigt auch ein niedriger Preis keine Schluderei bei der Zulassung von Spielen im Apple-Universum. Dies könnte ganz schnell zur Abkehr mancher User fĂŒhren. Bleibt zu hoffen, dass alle Spiele von Apple Arcade bald auch technisch dem hohen Anspruch genĂŒgen, den sie mit grafischer Finesse oft schon vorlegen. Sonst heißt es wieder: Apple macht zu viel und das einfach nicht mehr immer grĂŒndlich und gut genug.

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