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Apple Auto / iCar / Projekt Titan: Alles, was wir wissen (Update)

18.02.2021 | 11:11 Uhr | Hans-Christian Dirscherl, Peter Müller

Baut Apple doch noch ein eigenes Auto? Denn plötzlich ist das "Apple Auto" in aller Munde. Wir fassen zusammen, was zum "iCar" (Project Titan) bekannt ist. Und welche wichtigen Fragen noch gar nicht gestellt wurden! Update: Der 17.2. ging ereignislos vorbei.

Update 18.2.: Der 17. Februar ging vorbei, ohne dass es eine Ankündigung zum Apple Auto gab. Koreanische Medien hatten in der Vergangenheit darüber spekuliert (siehe unten), dass am 17.2.2021 Apple einen Vertrag mit Kia über den Bau des Apple Autos schließen könnte. Allerdings stammt dieses Gerücht noch aus der Zeit, bevor Hyundai (der Mutterkonzern von Kia) erklärte, dass es keine Gespräche mit Apple führen würde.

Somit rückt nun der März 2021 in den Fokus der Gerüchteküche. Denn für März rechneten einige Marktbeobachter ebenfalls mit einer Ankündigung zum Apple Auto. Aber auch hier gilt: Diese Vermutungen kamen auf, bevor Hyundai mitteilte, dass es nicht (mehr) mit Apple verhandeln würde. Seitdem kam auch noch die Absage von Nissan hinzu. Update Ende

Seit Ende 2020 kocht die Gerüchteküche zum fast schon tot geglaubten "Project Titan" alias "Apple Auto" alias "iCar" geradezu über. Zwar ist derzeit nicht sicher, dass Apple überhaupt etwas für den Automobilsektor entwickelt. Denn Apple hat nach wie vor nichts zum Thema "Apple Auto" verlautbaren lassen. Allerdings haben sich die entsprechenden Gerüchte in den letzten Wochen derart verdichtet, dass man nach der Logik „wo Rauch ist, da ist auch Feuer“ durchaus mit einem konkreten Apple-Produkt für den Bereich Automotive rechnen darf. Wie immer das fertige Produkt dann auch aussehen mag. Wir fassen hier alles zusammen, was derzeit über das Apple Auto alias iCar in den Medien und in den sozialen Netzwerken kolportiert wird. Dabei verwenden wir die Begriffe "Apple Auto" und "iCar" als Notlösung, denn von Apple selbst gibt es keine Bezeichnung für das, was die Kalifornier vielleicht bald vorstellen wollen.

Was ist das Apple Auto überhaupt?

Apple hat sich zu seinem Auto-Projekt („Project Titan“) noch nicht offiziell geäußert.

Derzeit ist also weder klar, ob

  • Apple tatsächlich ein eigenes Auto baut oder vermutlich korrekter: Bei einem Auftragsfertiger bauen lässt.

  • Oder ob es sich bei diesem Projekt um die Entwicklung einer Infotainment-Systemlösung oder um eine Lösung für das autonome Fahren handelt, die Apple dann Automobilherstellern als fertiges Produkt anbieten könnte. So etwas ähnliches macht Google mit Android Automotive (nicht zu verwechseln mit Android Auto) und das scheint lange Zeit tatsächlich das Ziel von "Project Titan" gewesen zu sein.

Denn "Project Titan" war 2015 zunächst gestartet, um wohl tatsächlich ein Auto zu bauen. Das Vorhaben hatte sich dann aber nach und nach dazu entwickelt, dass Apple eher ein System für autonomes Fahren bauen wollte, das es dann an andere Automobilhersteller lizenzieren könnte. Doch jetzt schlägt das Pendel anscheinend wieder zurück und Apple soll laut diversen Medienberichten von Ende 2020 und Anfang 2021 doch wieder ein komplett eigenes Auto vorstellen wollen. Mit elektrischem Antrieb und (weitgehend) autonom fahrend.


Alleinstellungsmerkmal des Apple Autos

Wenn Apple in der Vergangenheit ein neues Produkt vorgestellt hat, dann eröffneten die Kalifornier damit oft einen völlig neuen Markt. iPhone und iPad sind die besten Beispiele dafür. Doch beim Apple Auto wird das schwierig. Was soll das Apple Auto bieten, was nicht auch andere Autos bieten?

Wann kommt das Apple Auto?

Für ein Projekt, von dem nicht einmal sicher ist, ob es tatsächlich existiert, ist es verwegen, bereits von einem Verkaufsstart zu sprechen. Doch die Gerüchteküche kocht immer neue Termine für den Start des Apple Autos hoch. Ende Dezember 2020 war sogar von 2021 die Rede, was allerdings also extrem unwahrscheinlich einzuschätzen ist.

Macrumors und Reuters votieren für 2024, doch mittlerweile dürfte eher 2025 bis 2027 als realistischer Zeitrahmen gelten, den der Analyst Ming-Chi Kuo favorisiert. Selbst ein Start erst ab 2028 erscheint plausibel, wenn man unterstellt, dass Apple hohe Qualitätsstandards an sein Apple Auto anlegt. Denn Apple muss natürlich die ständige Weiterentwicklung bei Selbstfahrtechnik und beim E-Antrieb samt Akkus berücksichtigen.


Warum baut Apple das Auto nicht selbst?

Apple besitzt weder die nötigen Fabriken noch die Kontakte zu den erforderlichen Automobil-Zulieferern, um ein Auto ohne Mithilfe eines etablierten Automobilherstellers produzieren zu können. Vor allem aber fehlt Apple die Erfahrung mit der Automobilproduktion.

Tesla, der Shootingstar am Automobilsektor, erlebt immer wieder aufs Neue schmerzhaft, wie schwierig es ist, qualitativ einwandfreie Fahrzeuge herzustellen. Nun kann Tesla bis zu einem gewissen Grad darauf vertrauen, dass die eingefleischten Elon-Musk- und Tesla-Fans bis zu einem gewissen Maß über Lackmängel, unregelmäßige Spaltmaße, schlampig befestigte Sitze oder sonstige provisorische Lösungen und sogar über davon fliegende Dächer in ihren Fahrzeugen hinwegsehen. Doch Apple-Kunden sind von iPhone, iPad, iMac, Macbook und Apple Watch hochwertige Qualität und entsprechende Qualitätsanmutung gewohnt. Diese Erwartungen muss Apple bei seinem iCar zwingend erfüllen, wenn sich die Kalifornier nicht zum Gespött machen wollen. Deshalb ist es zwangsläufig, dass sich Apple einen Kooperationspartner mit jahrzehntelanger Erfahrung auf diesem Gebiet sucht.

Ein Auto nicht selbst zu produzieren, sondern es bei einem Auftragsfertiger herstellen zu lassen, ist in der Brache durchaus üblich. So lässt Daimler seinen Kult-Geländewagen Mercedes G bei Magna Steyr in Graz fertigen. VW wiederum hat lange Zeit seine Cabrios bei Karmann in Osnabrück fertigen lassen. Auch innerhalb des VW-Konzerns lässt so manche Marke ihre Fahrzeuge bei einer anderen Schwestermarke von deren Fließbändern laufen.

Apple würde also keinen ungewöhnlichen Schritt gehen, wenn es tatsächlich ein eigenes Auto vorstellt, dieses aber nicht in eigenen Fabriken produzieren lässt. Die iPhones und iPads lässt Apple ja auch bei externen Unternehmen herstellen. Eine eigene komplette Auto-Fabrik hochzuziehen, würde Apple nicht nur ein Vermögen kosten (das könnte sich Apple sicherlich noch leisten), sondern auch viel Erfahrung und Können auf diesem Gebiet voraussetzen. Das fehlt Apple jedoch wie gesagt.


Auftragsfertigung bei Hyundai, Kia…?

Als mögliche Auftragsfertiger wurden seit Ende 2020 vor allem die südkoreanischen Konzerne Hyundai und Kia genannt. Der chinesische Analyst Ming-Chi Kuo , dem gute Kontakte zu Zulieferern von Apple nachgesagt werden, brachte diese Automobilhersteller ins Gespräch. Allerdings berichtet nun Bloomberg, dass Hyundai mitgeteilt habe, dass es derzeit nicht mehr mit Apple verhandeln würde .

Verhandlungen seien beendet.
Vergrößern Verhandlungen seien beendet.
© JHVEPhoto / shutterstock.com

Apple würde sich demnach bei seiner eigenen Entwicklung für das Apple Auto auf „selbstfahrende Hard- und Software, Halbleiter, Batterie-bezogene Technologien, Formfaktor- und Innenraum-Designs, innovative Benutzererfahrung und die Integration mit dem bestehenden Apple-Ökosystem konzentrieren“. Für das eigentliche Auto aber, also für Antrieb, Fahrwerk, Rahmen, Karosserie, Lenkung, Bremsen, Komfortfunktionen etc. würde sich Apple auf das Können der etablierten Automobilhersteller verlassen.

Da das Apple Auto in jedem Fall ein Elektroauto sein wird, spielt die zugrunde liegende E-Antriebsbasis eine entscheidende Rolle. Alle großen Automobilhersteller entwickeln ihre eigenen E-Antriebskonzepte, bei Volkswagen ist das beispielsweise der Modulare E-Antriebs-Baukasten (MEB), der nicht nur die Fahrzeuge mit dem VW-Logo, sondern auch viele E-Autos der Schwestermarken antreiben wird. Im Falle des Apple Autos sollte wiederum die  E-GMP-Batterie-Elektrofahrzeug-Plattform von Hyundai die Basis bilden, so die lange Zeit kursierenden Gerüchte.


Hyundais E-GMP-Plattform

Auf der von Hyundai vorgestellten Electric-Global Modular Platform (E-GMP) sollen nicht nur Hyundais E-Autos fahren, sondern auch kommende E-Autos von General Motors und PSA (das mittlerweile zusammen mit Fiat Chrysler zu Stellantis fusioniert ist und wozu auch Opel und Vauxhall gehören). Die E-GMP-Plattform soll erstmals 2021 im Hyundai Ioniq 5 verbaut sein.

E-GMP-Batterie-Elektrofahrzeug-Plattform von Hyundai
Vergrößern E-GMP-Batterie-Elektrofahrzeug-Plattform von Hyundai
© Hyundai

Die Plattform soll sich für unterschiedliche Fahrzeugarten wie Limousine, SUV oder Crossover eignen und in der Top-Variante Beschleunigungen von bis zu 3,5 Sekunden beim Sprint von 0 auf 100 km/h ermöglichen. Bis zu 250 km/h werden als Spitzengeschwindigkeit genannt und bei 500 km soll die theoretische Reichweite liegen. Die Akkus sind wie gehabt im Fahrzeugboden untergebracht und sollen bis zu 80 Prozent in 18 Minuten geladen sein, behauptet Hyundai, wenn man mit 250 kW lädt.

Standardmäßig ist der Antrieb im Heck, wie beispielsweise auch beim VW ID.3 und bei den Teslas ohne Allrad. Optional sei aber auch Allrad möglich. Mit 800 Volt soll maximal geladen werden - gerade diese Schnellademöglichkeit macht Hyundais E-Plattform für Apple spannend. Praktisch alle Premiumhersteller versuchen möglichst viel Strom in möglichst kurzer Zeit in die Akkus Ihrer E-Autos zu pumpen, beispielsweise forschen BMW und Porsche daran - der Taycan unterstützt bereits das Laden mit 800 Volt - und auch Tesla steigert fortlaufend die Ladeleistung seiner Supercharger.

Nicht nur wegen der bereits vorhandenen E-GMP-Batterie-Elektrofahrzeug-Plattform erscheint Hyundai durchaus als möglicher Kandidat für die Zusammenarbeit mit Apple bei einem iCar. Sondern Hyundai hat Gespräche mit Apple über die Entwicklung eines selbstfahrenden Autos Anfang Januar 2021 sogar schon bestätigt. Hyundais Aussage lautete unter anderem folgendermaßen : “We understand that Apple is in discussion with a variety of global automakers, including Hyundai Motor. As the discussion is at its early stage, nothing has been decided.”

Das gefiel Apple offensichtlich überhaupt nicht, die Kalifornier sind bekannt dafür, dass sie über neue Produkte im Vorfeld nichts sagen. Die Südkoreaner ruderten prompt zurück und schwächten ihre Äußerung zunächst dann dahingehend ab, dass sie mit unterschiedlichen Unternehmen in Gesprächen über Kooperationen seien. Später besserte Hyundai noch einmal nach und verlautbarte , dass es von potenziellen Partnern für die Entwicklung autonomer elektrischer Autos kontaktiert worden wäre. Hyundai erwähnte in seiner korrigierten Stellungnahme Apple mit keinem Wort mehr. Apple kommentierte diese Kommunikationspanne nicht. Ob die am 8.2.2021 mitgeteilte Beendigung der Gespräche mit dieser Kommunikationspanne in Verbindung steht, bleibt offen.


Apple und BMW: Verhandlungen scheiterten vor Jahren

Ähnlich wie vermutlich beim iPhone ist es durchaus denkbar, dass Apple nicht nur auf einen einzigen Kooperationspartner setzt, sondern sich mit mehreren Auftragsfertigern zusammentut, wie auch CNBC spekuliert. In der Vergangenheit führte Apple bereits Gespräche mit BMW, um dessen BMW i3 als Basis für ein Apple Auto zu bekommen.

Der BMW i3 galt vor Jahren einigen Analysten als heißer Kandidat für die Basis des Apple-Autos.
Vergrößern Der BMW i3 galt vor Jahren einigen Analysten als heißer Kandidat für die Basis des Apple-Autos.
© BMW / Apple / PC-WELT

Damals flog sogar Tim Cook nach München. Die damaligen Verhandlungen waren aber gescheitert, weil sich BMW nicht zu einem reinen Auftragsfertiger degradierten lassen wollte, wie die Gerüchteküche laut Reuters mutmaßt .

Als wir 2015 bei BMW wegen der Zusammenarbeit mit Apple beim iCar nachfragten, antwortete uns BMW-Pressesprecherin Silke Brigl folgendermaßen: „BMW spricht regelmäßig mit Unternehmen aus der Telekommunikations- und IT-Branche“ und „dazu zählt auch Apple – es geht dabei um Fragen der Fahrzeugvernetzung (BMW ConnectedDrive)". Apple kommentierte die Gerüchte überhaupt nicht.

Volkswagen fürchtet das Apple Auto nicht

Volkswagen dürfte für Apple als Kooperationspartner eher ungeeignet sein. Da die Wolfsburger mit großem finanziellen und personellen Einsatz eigene Software für ihre Fahrzeuge markenübergreifend entwickeln. Erst kürzlich teilte VW mit, dass es dafür seine Zusammenarbeit mit Microsoft intensiviere: VW nutzt Microsoft-Plattform für automatisiertes Fahren .


Volkswagen-Chef Herbert Diess sieht in Apples (vermutlicher) Initiative keine Gefahr für Volkswagen und andere traditionelle Autobauer, wie Reuters berichtet .

Hyundai: So könnten die Südkoreaner von der Zusammenarbeit mit Apple profitieren

Warum sollten erfolgreiche Konzerne wie Hyundai überhaupt darin interessiert sein, das Apple Auto zu bauen? Für Hyundai wäre die Zusammenarbeit mit Apple vermutlich ein Prestigegewinn.

Die Südkoreaner haben derzeit das Image Autos zu bauen, die zwar mittlerweile solide und auch optisch sowie ausstattungsmäßig akzeptabel sind, zum Premiumsegment zählen aber weder Hyundai noch Kia. Mit der Hilfe von Apple könnte Hyundai aber auf dem noch jungen Segment der E-Autos voll durchstarten. Hyundai hat dafür ja wie erwähnt bereits einen eigenen Antriebsbaukasten entwickelt und mit dem Ioniq verkaufen die Koreaner bereits ein E-Auto, das man im deutschen Straßenverkehr durchaus ab und zu sehen kann. Doch mit Apple im Rücken könnte Hyundai einen riesigen Schub bei der Entwicklung seiner Techniken für autonomes Fahren und E-Antrieb bekommen. Der Rückstand, den Hyundai und Kia bei Verbrennungsmotoren gegenüber Audi. BMW, Daimler und Porsche haben, spielt bei E-Autos keine Rolle. Hier wäre Hyundai mit Apples Hilfe von Anfang an vorn mit dabei.


Apple Auto mit Hyundai-Technik oder ein Hyundai mit Apple-Technik?

Laut CNBC räume Hyundai Apple die volle Kontrolle über die Apple-Car-Software und Apples Hardware in seinen Fahrzeugen ein. Das kommende Auto soll also durch und durch als Apple-Produkt gebrandet sein und keinesfalls ein Hyundai/Kia mit Apple-Komponenten an Bord werden.

Doch diese Apple-Dominanz scheint bei Hyundai einigen Verantwortlichen Sorgen zu bereiten, wie Reuters berichtet . Deren Bedenken scheinen die gleichen zu sein, die Jahre zuvor bereits BMW-Manager davon abhielten mit Apple beim iCar zusammen zu arbeiten: Die Hyundai-Manager fürchten demnach, dass ihr Unternehmen zu einem reinen Auftragsfertiger degradiert werden könnte. Hyundai sei keine Firma, die für andere Autos baue. Eine Zusammenarbeit mit Apple würde zudem keineswegs garantieren, dass dabei immer großartige Produkte heraus kämen. Die Sorge, von Apple auf den Status eines reinen Auftragsfertigers herabgedrückt zu werden, könnte Hyundai zum Abbruch der Verhandlungen bewogen haben, spekuliert das Manager Magazin.

Wie zäh die Verhandlungen verlaufen, erkennt man daran, dass die Gespräche zwischen den beiden Unternehmen bereits 2018 begonnen haben sollen, wie Reuters berichtet . Damals leitete noch der deutsche Ingenieur Alexander Hitzinger das Projekt Titan - der Codename für die Entwicklung des Apple Autos. Hitzinger hatte zuvor für Toyota, Cosworth und Porsche gearbeitet, bevor er 2016 zu Apple für das Project Titan wechselte. Doch 2019 zog Hitzinger dann zu Volkswagen und schließlich zur VW-Tochter Artemis weiter.

Hyundai hat traditionell eine große Fertigungstiefe und stellt Motoren, Getriebe und sogar seinen Stahl selbst her. Dass ein derart riesiger Konzern - laut Reuters der zweitgrößte von Südkorea – sich einfach mal Apple unterordnen soll, scheint nicht jedem Hyundai-Manager einzuleuchten. Zudem könnte das die Versuche konterkarieren mit „Genesis“ eine eigene Premiumautomarke aufzubauen.


Apple soll auch mit Japanern reden; Nissan sagte bereits ab

Lange Zeit waren also Hyundai/Kia laut Gerüchteküche die Favoriten, wenn es um einen Kooperationspartner geht. Doch wie bereits oben angedeutet, dürfte Apple seine Fühler in viele Richtungen ausstrecken. Deshalb werden auch japanische Hersteller als Kooperationspartner für das Apple Auto ins Gespräch gebracht. Das ist wenig überraschend: Neben der deutschen und der US-Automobil-Industrie ist nun einmal Japan ein weiterer großer Player auf diesem Sektor. Wobei die japanischen Unternehmen – von mindestens sechs Firmen ist die Rede – in den entsprechenden Berichten als „Zulieferer“ bezeichnet werden. Ähnlich wie bei BMW und Hyundai soll es aber auch bei den Japanern Vorbehalte geben: Man möchte nicht zu einem Zulieferer von Apple degradiert werden.

Der japanische Automobilhersteller Nissan hat erklärt, dass er nicht mit Apple über die Produktion des Apple Autos sprechen würde. Zuvor hatte es einen Bericht gegeben, dass Apple den Kontakt zu Nissan gesucht habe.

P.S.: US-Automobilhersteller werden derzeit nicht als Kooperationspartner genannt. GM spielt nur insofern eine winzige Rolle, als dass GM die E-Plattform von Hyundai mitnutzen könnte.


Fertigungsstandort für Apple Auto

Der Automobilhersteller Kia Motors ist ein Tochterunternehmen von Hyundai. Kia unterhält in den USA eine Fabrik. Sie befindet sich in der Stadt West Point im Bundesstaat Georgia. Auf Google Maps finden Sie die Stadt hier. Kia lässt dort diese Modelle vom Band laufen: Telluride SUV, Sorento SUV und die Optima Mittelklasse-Limousine.

Diese Kia-Fabrik im US-Bundesstaat Georgia wird von US-Medien als möglicher Produktionsstandort für das Apple Auto gehandelt. Wenn Apple sein erstes eigenes Auto in den USA fertigen lassen könnte, wäre das für die Kalifornier ein wichtiger moralischer Pluspunkt und zumindest für den US-Absatz sicherlich von Vorteil. Denn damit würde Apple den Stolz der US-Amerikaner befriedigen – die US-Auto-Industrie war lange Zeit ein Vorzeigeobjekt der US-Wirtschaft und ist immer noch sehr wichtig für die Vereinigten Staaten. Auch wenn die klassischen US-Automobilhersteller in den letzten Jahren und Jahrzehnten Federn lassen mussten und ihre Fahrzeuge gegenüber der Konkurrenz aus Japan und Deutschland oft als veraltet gelten.

Laut der koreanischen Website "DongAIlbo" will Apple 3,6 Milliarden US-Dollar in Kia und seine Fabrik investieren. Apple könnte am 17. Februar 2021 darüber einen Vertrag mit Kia schließen, aber auch über eine Bekanntgabe des Deals im März 2021 wird spekuliert. Macrumors spekuliert außerdem darüber, dass zunächst 100.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band laufen sollen. Die Produktion könne aber auch auf bis zu 400.000 Fahrzeuge pro Jahr hochgefahren werden. Alle diese Meldungen entstanden aber, bevor Hyundai am 8.2.2021 das Ende der Gespräche mit Apple mitgeteilt hat.

Gesetzt den Fall, dass das Apple Auto tatsächlich von einer Fabrik in den USA im Band laufen sollte und falls sich seine Absatzzahlen positiv entwickeln: Wird Apple sein Auto dann an weiteren Standorten fertigen lassen? Tesla ging genau diesen Weg und baute oder baut weitere Fabriken in den wichtigsten Absatzmärkten für seine Autos. In China und derzeit auch in Deutschland.


Apple Auto: Elektro-Antrieb und selbstfahrend?

Der E-Antrieb kann als gesetzt gelten für das Apple Auto. Rein theoretisch könnte man noch einen Wasserstoffantrieb (längerfristig) in Erwägung ziehen. Doch bis dafür ein ausreichend dichtes Netz an Tankstellen verfügbar ist, vergehen mindestens noch einige Jahre. Also wird Apple mit Sicherheit zunächst auf ein klassisches E-Auto setzen, das seine Energie aus Akkus bezieht.

Das iCar könnte zwar einen Allradantrieb haben, wie wir ihn bei Tesla oder bei der Studie VW BUDD-e. finden. Das muss aber nicht sein, ein Antrieb an nur einer Achse reicht vollkommen für sportliches Vorankommen, der BMW i3 ist dafür das beste Beispiel. Ein Allradantrieb ist aufwändiger, benötigt mehr Platz und macht das Auto schwerer. Das alles könnte gegen Allrad im iCar sprechen.

Wie aber sieht es mit dem schwierigen Thema autonomes Fahren aus? Bei dem von Hyundai eingeräumten und dann wieder dementierten Gesprächen mit Apple wurde laut US-Medienberichten explizit die Entwicklung eines selbstfahrenden Autos erwähnt . Auch Reuters geht in seiner Berichterstattung von einem elektrischen selbstfahrenden Auto aus. Das würde die Messlatte für das Apple Auto aber noch einmal ein gehöriges Stück höher legen, denn die Straßenzulassung eines komplett autonom fahrenden Autos ist derzeit noch Zukunftsmusik. Auch Apple kocht nur mit Wasser und dürfte selbst unter größter Anstrengung in wenigen Jahren kein vollständig autonomes Auto für den Straßenverkehr vorstellen können.

Hyundai forscht immerhin wie andere Automobilhersteller auch auf dem Gebiet des autonomen Fahrens. Hierzu kooperiert Hyundai mit Aptiv und entwickelt mit Aptiv zusammen Robotertaxis. Apple wiederum soll mit TSCM bei der Fertigung eines „Selbstfahrchips“ kooperieren. Apple entwickelt laut Reuters zudem eine neue Akku-Technik für Autos, die sowohl die Herstellungskosten senken als auch die Reichweite von E-Autos vergrößern soll. Apple sicherte sich außerdem erst kürzlich ein Patent, das beschreibt, wie die Sensoren die Handgesten einer Person, die den Verkehr regelt, erkennen und verarbeiten können. Das Patent zur " Traffic direction gesture recognition" beschreibt zunächst die Probleme bestehender Systeme, die zwar erkennen würden, wenn eine Person den Verkehr regelt, aber dann einfach nur die Kontrolle an den menschlichen Fahrer zurückgeben und sich ansonsten aus der Situation heraushalten würden. In Apples Technologie sollen die Sensoren und die dahinter liegende Datenverarbeitung auf die Gesten direkt reagieren und das Fahrzeug etwa stoppen, wieder anfahren oder ausweichen lassen. Diese Reaktionen könnte das System auch gleich an andere Geräte oder Fahrzeuge weiter geben.


Apple Auto ohne Fahrer zunächst nicht für Endkunden

Einen völlig neuen Dreh, der aber durchaus plausibel erscheint, bringt CNBC in die Angelegenheit. Demnach soll das Apple Auto selbstständig fahren können und keinen Fahrer benötigen. Doch dieses Auto sei keineswegs dafür gedacht, autonom beliebig lange Strecken auf den unterschiedlichsten Straßen zurückzulegen. Das ist, wie oben gesagt, vorerst noch Zukunftsmusik. Stattdessen soll das Apple Auto laut CNBC nur für die „letzte Meile“ konzipiert sein. CNBC spekuliert, dass die erste Generation des Apple Auto eher für Lieferdienste (die zum Beispiel Lebensmittel nach Hause liefern) und für Firmen mit Robotertaxis gedacht sein könnte. An solchen Robotertaxis forschen bereits einige Unternehmen, zum Beispiel Waymo, das zur Google-Mutter Alphabet gehört.

In der Vergangenheit gab es mit solchen Roboterautos aber Probleme. So stoppte beispielsweise die Polizei einmal das "Google"-Auto, weil es mit seiner langsamen Fahrweise den Verkehr behindert hat. Erheblich tragischer war dagegen ein anderes "Problem", bei dem ein Roboter-Auto von Uber eine Frau tot fuhr.


Apple wirbt Auto-Experten von der Konkurrenz ab

Insgesamt dürften bei Apple einige Hundert Experten am Apple Auto/iCar/Project Titan arbeiten. Über 1000 Mitarbeiter soll das Auto-Team von Apple zwischenzeitlich sogar umfasst haben. Auf Wikipedia findet man eine Liste von prominenten Personen, die angeblich bei Titan mitarbeiten beziehungsweise mitgearbeitet haben. Seit Jahren machen Meldungen die Runde, wonach Experten von etablierten Automobilherstellern zu Apple gegangen seien, um dessen Projekt Apple Auto voranzutreiben. Kürzlich berichtete das Branchenmagazin "Kfz Vogel", dass Apple Manfred Harrer von Porsche abgeworben habe. Der Ingenieur Manfred Harrer war bei Porsche zuletzt für das SUV Cayenne verantwortlich.

Weil es sich bei dem iCar sicherlich um ein Elektro-Auto handeln dürfte, passte die Meldung von 2015 gut dazu, dass Apple Akku-Experten von einem anderen US-Unternehmen abgeworben habe. 2019 heuerte Apple außerdem Steve MacManus, Ex-Tesla Engineering Vice President, an. Er kümmert sich laut Bloomberg um Interieur, Stoffe und Testverfahren für Autos. Bloomberg hat hier eine Liste der Manager zusammengestellt, die bereits zum Apple-Auto-Team gestoßen sind. Besonders von Tesla warb Apple viele Experten ab, was Elon  Musk vor Jahren zu beißendem Spott veranlasste. Da es sich bei den Abgeworbenen laut Musk um die Leute handeln würde, die Tesla gefeuert habe (also die „Nicht-Performer“), verspottete Musk Apple als "Friedhof von Tesla". Immerhin erfuhren wir durch diese Äußerung Musks damals aber, dass Apple Auto-Experten tatsächlich suchte. Zumal Musk selbst das „iCar“ als den nächsten logischen Schritt für Apple ansah und in einem BBC-Interview das Apple-Auto als „offenes Geheimnis“ bezeichnete.

Außerdem hatte Apple bereits 2014 mit Johann Jungwirth eine Führungskraft von einem Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mercedes Benz im Silicon Valley abgeworben. Bei Mercedes kümmerte sich Jungwirth um die Entwicklung von Roboterautos und Telematikdiensten. Jungwirth ist allerdings im November 2015 zu Volkswagen weiter gezogen. Mittlerweile ist Jungwirth bei Mobileye.

Galerie: Alle Auto-Tests auf einem Blick

Ein langer Rückblick auf Projekt Titan und Apple Auto bis 2019

Im Jahr 2013 verhandelte Apple wohl mit Elon Musk über eine Übernahme von Tesla. Zumindest behauptete das Craig Irwin, der Analyst von Roth Capital Parners, gegenüber CNBC. Damals habe Apple angeboten Tesla-Aktien zum Preis von 230 US-Dollar pro Aktie zu übernehmen. Irwin weist jedoch darauf hin, dass unbekannt sei, wie weit fortgeschritten diese Gespräche waren und ob die Pläne jemals in Papierform existierten. Indirekt hat übrigens Elon Musk solche Gespräche bestätigt : Noch Anfang 2014 gab er gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg bekannt, dass man sich tatsächlich mit Apple getroffen habe. Themen und Inhalte bei diesen Treffen wollte der Tesla-CEO jedoch nicht verraten.

Anfang 2015 machte dann die Meldung die Runde, dass Apple bis 2019 die Produktion eines eigenen Autos starten wolle. Das Auto-Projekt sollte angeblich unter dem Tarnnamen "Project Titan" laufen, wie das Wall Street Journal damals berichtete. Zwischenzeitlich bekam das Gerücht um ein Apple-Auto neue Nahrung, weil sich Apple diverse Domains mit Auto-Bezug gesichert hat: apple.car, apple.cars und apple.auto. Apple-Chef Tim Cook soll die Entwicklung des Apple-Autos bereits 2014 abgesegnet haben. Ebenfalls im Jahr 2014 besuchte Cook die BMW-Fabrik in Leipzig, in der das Elektro-Auto i3 vom Band läuft.

Die FAZ berichtete 2016 in ihrer Online-Ausgabe, dass Apple mitten in Berlin ein „geheimes“ (O-Ton FAZ) Entwicklungslabor betreibe. Und dafür Auto-Experten von namentlich nicht genannten deutschen Automobil-Konzernen angeworben habe. Die FAZ wollte das „aus informierten Kreisen erfahren“ haben. Die Anwerbung deutscher Automobil-Experten passte zu der bekannten Tatsache, dass Apple schon seit längerer Zeit Automobil-Experten aus den USA und Europa für sein Projekt Titan anwarb. Demnach sollten 2016 zirka 15 bis 20 Männer und Frauen in dem Berliner Labor arbeiten: Ingenieure, Software- und Hardware-Experten und Vertriebsfachleute. Laut FAZ soll es sich dabei um „Hochkaräter aus der deutschen Automobilbranche“ gehandelt haben. Die überwiegend jungen Leute sollten das Auto der Zukunft entwickeln. Durch die Auswahl vor allem jüngerer Experten wollte Apple vermutlich vermeiden, dass klassische Vorstellungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und konventionellen Raum- und Fahrkonzepten die Entwicklung des iCars behindern.

Und wie kam Apple an die Experten? Laut FAZ sollen diese Fachleute in ihren bisherigen Automobilkonzernen nicht weitergekommen sein beziehungsweise sie wurden von ihren alten Chefs gebremst.

Die jungen Tüftler sollen nicht nur an technischen Fragen sowie Zulassungsfragen (hier dürfte es vor allem um die rechtliche Bewertung autonomer Fahrzeuge gehen) knobeln, sondern auch darüber nachdenken, mit wem Apple in Deutschland kooperieren könnte. Außerdem soll in Berlin eine Konkurrenzanalyse für die Bereiche Elektro-Auto und autonome Autos durchgeführt werden.

Seit 2015 hat "Project Titan" also viele "Hochs" und "Tiefs" erlebt. Auf den nächsten Seiten können Sie die über viele Jahre gehende Entwicklung der Gerüchtelage zum Project Titan bis 2019 detailliert nachverfolgen und ein 2019 von uns geführtes Interview mit einem Automobil-Experten zum Thema Apple Auto lesen.

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