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Arlo Pro 2: Sicherheitskamera hört jetzt auch auf Siri

15.08.2019 | 08:30 Uhr | Peter Müller

Netgear legt mit der Arlo Pro 2 eine flexible Sicherheitskamera mit noch besserer Optik auf. Neu ist die Unterstützung von HomeKit.

Den Vorgänger der Arlo Pro 2 hatten wir bereits vor zwei Jahren getestet , bei der Arlo Pro gefiel uns ihre Flexibilität, der kostenlose Cloud-Speicher und das gute Bild auch bei Nacht sowie die dank Basistation hohe Reichweite. Nicht so gut fanden wir die Verzögerungen bei der Aufzeichnung und beim Einsatz als Gegensprechanlage, insgesamt fiel die Bewertung aber positiv aus.

Der Hersteller Netgear bringt nun eine wesentliche neue Funktion, nämlich die Unterstützung für Apples Homekit, für Arlo Pro und Arlo Pro 2 . Grund für uns, die Arlo Pro nachzutesten, mit der Arlo Pro 2 zu vergleichen und zu sehen, was es sonst noch an Neuigkeiten gibt, die den Aufpreis rechtfertigen.

Bewährtes Konzept

Da die meisten Sicherheitskameras die gleichen Infrarotbewegungsmelder und Bildsensoren verwenden, bleibt zur Unterscheidung aktueller Produkte unterschiedlicher Hersteller vor allem das Bedienkonzept, die Sicherheit und das Geschäftsmodell des Anbieters. Beim Vergleich des Nachfolgemodells zu seinem Vorgänger legen wir andere Maßstäbe an.

Am Konzept selbst hat sich von Arlo Pro zu Arlo Pro 2 nichts geändert. Das Gerät wird (optional) von einem Akku betrieben, der drei bis vier Monate halten soll, je nach Häufigkeit der Auslösungen. Eine Basisstation, die man direkt in den Router stöpselt, übernimmt die Verbindung mit der Kamera, so geschieht die Einrichtung flott und ohne Verzögerungen, sofort nach (Wieder-)Inbetriebnahme laden zunächst die Basis und dann die Kameras die jeweils aktuelle Firmware – schon mal beruhigend in Sachen Sicherheit.

Die Kamera stellt man entweder auf einen flachen Untergrund oder hängt sie an eine Magnethalterung, die man an die Wand schrauben kann – hier ähnelt die Lösung von Netgear erst der kürzlich getesteten von EZVIZ C3A (beide übrigens "Made in Vietnam"). Der Folgeeffekt der leichten Montage: Eindringlinge könnten die Kamera ebenso leicht wieder abnehmen und einstecken. Doch anders als bei anderen Kameras sind bei Netgears Lösung nicht zwangsläufig die Daten weg. Eine lokale Speicherung auf der Kamera ist gar nicht vorgesehen, alles landet in der Cloud des Herstellers. Und da liegen die Aufnahmen vom Einbruch auch noch bis zu sieben Tage lang, wenn man den kostenlosen Basisdienst in Anspruch nimmt. An die Basisstation lässt sich per USB auch ein lokaler Speicher anschließen – der könnte nach einem Einbruch aber ebenso verschwunden sein wie manch andere Wertsachen, ein Cloud-Service bietet einfach mehr Sicherheit.

Für einen Urlaub ist das natürlich zu wenig, für einen Preis von drei US-Dollar im Monat  bleiben die Aufnahmen 30 Tage lang gespeichert.

Die Neuerungen bei der Pro 2

Neben der Homekit-Anbindung – dazu später mehr – fallen bei der Arlo Pro 2 noch zwei wesentliche Neuerungen auf. Die Auflösung beträgt nun 1080p, also 1920 mal 1080 Pixel, das Vorgängermodell brachte nur 1280 x 720 Pixel auf den Schirm. Macht sich schon in der Standardansicht bemerkbar, hat man die Bilder beider Kameras in der App vor sich. Doch vor allem fällt das beim Zoom aus – intuitiv mit Zweifingergeste ausgeführt: So lassen sich Gesichter im Zweifelsfall leichter identifizieren.

Klarer Unterschied beim Zoomen.
Vergrößern Klarer Unterschied beim Zoomen.

Eine zweite Neuerung geht einen Kritikpunkt aus dem letzten Test an: Damals hatten wir bemängelt, dass wir auf den Videoaufzeichnungen oft den Auslöser nicht sahen, die Kamera zeichnet schließlich nicht ständig auf, sondern erst nach einem Trigger. Mit dem 3-Sekunden Look Back, wie es Netgear nennt, kann man aber nun die Aufnahmen ein wenig zurückspulen – dazu muss die Arlo Pro 2 aber am Netzteil hängen. Wobei "zurückspulen" nicht das richtige Wort ist: Die Aufzeichnung setzt nun etwa drei Sekunden früher ein, das könnte genau die Zeit sein, in der der Auslöser durch das Bild gehuscht ist – Katze, Igel oder Eindringling. Bedauerlich, dass man hierfür einen Stromanschluss benötigt. Aber die ständige Wachsamkeit ginge zulasten des Akkus, der dann eben keine drei bis vier Monate lang durchhält.

"Hey Siri, zeig mir das Kamerabild"

Um eine Arlo in die Home-App einzubinden, muss man nicht zwangsweise eine neue kaufen, den Homekit-Support gibt es auch für ältere Modelle. Das ist der Vorteil des Betriebs über eine Basisstation, man muss nicht nach irgendwelchen Aufklebern auf der Packung suchen – die es bei dem alten Modell ja gar nicht gegeben hätte. Die Einrichtung geht in der erwartet kurzen Zeit, die Home App trennt zwischen Kamera und deren Bewegungssensor, was großartige Möglichkeiten eröffnen könnte. Vor allem zeigt uns Siri nun auf Zuruf das Bild der Kamera in der Home-App – respektive gleich beide Bilder, da diese zusammen auf einen Screen passen. Man bedauert beinahe, dass Apple keinen Homepod mit Bildschirm im Angebot an, ähnlich dem Echo Show von Amazon. Wer will, kann aber genau das tun: Die Kamera nicht in das Apple Home einbinden, sondern in die Welt von Amazon Alexa. Ebenso ist das System mit Google Home kompatibel – beides hier nicht getestet.

Das Homekit bietet aber noch ganz andere Vorteile. Mit einer definierten Aktion könnten wir etwa den Durst der Katze löschen. Erkennt eine neben dem Trinkbrunnen installierte Arlo Pro eine Annäherung des Haustieres, könnte sie über ein schaltbare Homekit-Steckdose die Wasserpumpe anwerfen. Anderer Ansatz: Nähert man sich im Dunkeln der Schuppentür, geht über der ein Licht an. Oder die Deckenleuchte in der Speisekammer. Gewiss, es gibt auch Leuchten mit Bewegungsmelder und der Lichtschalter an der Wand funktioniert auch noch. Aber mit Home haben wir weit mehr Möglichkeiten als die genannten Beispiele.

Problem in unserem Test: Die programmierte Automation funktioniert leider nicht. Der Test der Home-App läuft ohne Beanstandung, aber obwohl die Kamera nachweislich eine Bewegung erkennt, schaltet sich der Brunnen nicht an. Wir können leider bis Redaktionsschluss keine Ursache finden, testen aber weiter.

App mit kleineren Hürden

Die App ist generell sehr Benutzer-freundlich gestaltet, vor allem gefällt uns, dass man Zeitpläne auf die Minute genau erstellen kann. Optional lässt man die Kamera einfach die ganze Zeit laufen oder schaltet sie an, wenn man mit dem iPhone das Haus verlässt – dafür braucht man die Einbindung in Home oder Alexa nicht. Was ein klein wenig negativ auffällt: Die Einstellungen gelten jeweils global, also für alle mit einer Basisstation verbundenen Kameras, die sich eben nicht individuell steuern lassen. In diesem Zusammenhang hatten wir auch eine Weile gebraucht, wie wir die Empfindlichkeit von Kamera und Bewegungsmelder einstellen: Eben nicht an der Kamera, sondern über die Einstellungen der Basis. Immerhin ist hier eine quasi stufenlose Regelung möglich, mit Werten von 0 bis 99. Die Empfindlichkeit des Mikrofons kennt zehn Stufen.

Eine weitere Neuerung der Arlo Pro 2 fällt uns auf, auch sie hat einen kleinen Haken. Wir können nun Aktivitätszonen definieren, dadurch als bestimmte Bereiche von der Überwachung ausnehmen. Aber auch dazu muss die Kamera mit der Steckdose verbunden sein. Generell zeigt die Kamera mit ihrer 130-Grad-Weitwinkeloptik nur in eine Richtung, aber klar, schwenkbare Kameras wie die Instar IN-9020 Full HD   spielen natürlich in einer anderen Liga und sind auf einen Stromanschluss angewiesen. Wir hatten die Arlo Pro 2 diesmal nur im Innenraum getestet, wie ihre Vorgängerin ist sie mit IP65-Zertifikat auch für draußen bestens gerüstet.

Fazit

Besitzer eines "alten" Arlo-Pro-Systems dürfen sich über ein kostenloses Softwareupgrade freuen, mit dem sie Ihre Kamera(s) in Ihr Apple Home integrieren können. Der Preis für das System mit zwei Kameras und Basisstation ist zwar im Vergleich zu Mitbewerbern recht hoch ( bei Amazon zahlen Sie derzeit 449 Euro ) jedoch ist der kostenlose Cloudservice, der Aufnahmen sieben Tage lang bereithält, ein großes Plus. Das etwas ältere System ist zwar etwas günstiger zu haben ( bei Amazon derzeit für 358 Euro ), für etwas mehr Geld bekommt man jedoch eine deutlich verbesserte Kamera, die sich auch noch auf Aktivitätszonen versteht. Hervorzuheben ist auch die Flexibiliät in Sachen Montage und Einbindung in smarte Systeme, die Audioqualität ist jedoch nicht besser geworden und der Einsatz als Gegensprechanlage nur gelegentlich sinnvoll. Das Paket mit Basisstation und vier Kameras kostet im Übrigen rund 850 Euro und ist für größere Anwesen oder Grundstücke geeignet.

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