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Arlo Pro 4 im Test: Sicherheitskamera jetzt ohne Basisstation

31.03.2022 | 11:30 Uhr | Peter Müller

Die vierte Generation der draußen wie drinnen verwendbaren Kamera bringt eine wesentliche Neuerung: Eine Basis ist nicht mehr notwendig.

Arlo Pro 4 Spotlight Kamera

Hersteller:

Arlo

Preis (UVP):

499,99 € (Zweierset)

Vorzüge:

Gute Bild- und Ton-Qualität, ergonomische App, Erkennung von Paketen, Fahrzeugen, Personen, Tieren (nur mit Abo), unabhängig von Arlo-Basisstation, teilweise Probleme mit Aktivierung in der App

Nachteile:

Hoher Preis, Cloud-Speicher nur mit Abo

Wertung:

3,5 von 5 Sternen

Bei den Arlo Pro, die wir in Version 2 und Version 3 schon testen konnten, war eine Basisstation von Arlo notwendige Voraussetzung. Erst diese stellte die Verbindung zum Internet her, was nicht nur für die Fernabfrage des Kamerabildes und -tons vorausgesetzt ist, sondern auch für das Speichern der Daten. Wie andere Arlo-Kameras, etwa die von uns ebenso getestete Flutlichtkamera , verbindet sich die Arlo Pro 4 nun auch direkt mit dem WLAN.

Das macht die Neuanschaffung für Einsteiger günstiger, die Arlo Pro 4 kostet alleine 249,99 Euro (UVP des Herstellers), im Zweierset 499,99 Euro. Das Zweierset mit Basisstation hatte beim Vorgänger noch 100 Euro mehr gekostet. Doch kein Vorteil ohne Nachteil: Um die Arlo Pro 4 in das Homekit einzubinden, benötigt man eben doch einen Arlo-Hub oder eine Basisstation. Wir verzichten daher auf diesen Teil des Test – immerhin steht uns in unserem sehr heterogenen Haushalt (einige Besucher sagen dazu "Verhau") auch Amazons Alexa zur Verfügung. Versuchen wir es später mit der.

Arlo Pro 4 bei Amazon (Einzelkamera)

Arlo Pro 4 bei Amazon (Zweierset)

Einrichtung unproblematisch – fast

Immerhin gelingt die Einbindung der neuen Arlo Pro 4 so flott wie es sein sollte. Nach dem Einschalten der Kamera können wir in der Arlo App diese als neue hinzufügen, dazu halten wir ihr einfach einen von der App auf dem iPhone generierten QR-Code vor die Nase und müssen dann nur noch das Passwort für unser WLAN eingeben, schon läuft die Kiste. Wir müssen an dieser Stelle aber leider erwähnen, dass die Arlo Pro 4 wie die meisten anderen Kameras ihrer Art auf ein 2,4-GHz-Netz besteht. Das iPhone muss bei der Einrichtung mit diesem verbunden sein, was aber nur zu gewährleisten ist, wenn wir an unserem Router die beiden Frequenzbänder bei 2,4 GHz und 5 GHz voneinander trennen. Und: Die Einrichtung einer anderen Kamera des gleichen Herstellers hatte aus bisher nicht geklärten Gründen nicht funktioniert, weder direkt, noch über eine Arlo-Basisstation. Das sollte für die Bewertung der Arlo Pro 4 aber keine Rolle spielen.

Software und Services

Zugegeben: Bei der Hardware unterscheiden sich Überwachungskameras dieser Klasse kaum, annähernd die gleichen Optiken und Sensoren kommen zum Einsatz. Betrachten wir zunächst die Software: Diese bringt erfreulicherweise unserem auf über mehrere Tests hin gepflegten Wildwuchs von Nutzerkonten (richtig, andere sagen "Verhau") etwas entgegen. Aus den oben genannten Gründen richteten wir die Kamera mit einem anderen iPhone als sonst und auch unter einer anderen Apple-ID ein, mit einem neu angelegten Arlo-Konto, um unlösbare Probleme von Anfang an zu vermeiden. Beim zweiten Smartphone handelt es sich seinerseits um ein Testgerät, das wir nicht immer bei uns haben – Bild und Ton der neuen Arlo-Kamera können wir aber auch auf dem Alltagshandy unter einem älteren Account erhalten, wenn wir diesen als weiteren Nutzer definieren. Die Teilbarkeit des Accounts hat natürlich den sinnvollen Hintergrund, dass mehrere Personen eines Haushalts auf die Kamera zugreifen dürfen oder einen Alarm auf ihr Handy bekommen sollen, wenn die Überwachungskamera etwas entdeckt.

Intelligenz in der Cloud

Natürlich lassen sich die Arlo-Kameras auch ohne Cloud-Abo nutzen, aber eben etwas eingeschränkt. Die oben erwähnte Flutlichtkamera leistet uns in der dunklen Jahreszeit gute Dienste als Licht für den Gartenschuppen, das auf eine registrierte Bewegung anspringt – eine Arlo Pro wäre dafür an sich besser geeignet, deren Licht ist hell genug, die Flutlichtkamera müssen wir indes herunterregeln. Beide werden von Akkus betrieben, der der Arlo Pro 4 soll laut Hersteller bis zu sechs Monate lang halten. Je öfter aber das Licht angeht, umso kürzer die Laufzeit - im Winter mussten wir die Flutlichtkamera etwa alle vier Wochen für eine tagsüber verpasste Ladung in das Haus mitnehmen. Montieren wir also die vollgeladene Arlo Pro Ende März wieder an den Schuppen und beobachten mal, wann wir vor dem Winter wieder laden müssen.

Aufnahmen der am Schuppen angebrachten Kamera benötigen wir bei diesem Einsatzzweck nicht – und wie bei jeder Überwachungskamera müssen wir sehr darauf achten, nur unser eigenes Grundstück in den Fokus des Objektivs zu rücken und nicht den privaten Grund der Nachbarn oder öffentliche Bereiche. So können wir leider auch eine sinnvolle Funktion nicht dauerhaft nutzen: Die Arlo-Kameras erkennen nicht nur, ob eine Person oder ein Tier durch das Bild huscht, sondern auch den Briefträger und die Postbotin. Bedingt ließe sich eine an der Tür angebrachte Kamera auch als Gegensprechanlage nutzen, wenn der Zusteller einmal klingelt. Die Latenz ist relativ gering, da die Kommunikation über das Internet geht, ist eine Verzögerung aber unvermeidlich.

Ihre Qualitäten als Überwachungskamera spielt die Arlo Pro 4 erst so richtig mit einem Abonnement für Arlo Secure aus. Will man mehr als nur Bewegungsmeldung und Live-Video ist dieses unerlässlich, ein lokales Speichermedium (das aus der Kamera oder mitsamt der leicht entfernt wäre) verzichtet die Pro 4, es blieb nur die Option, einen USB-Stick an eine zusätzliche Basisstation anzustöpseln. So aber bekommt man in der Basisversion für 2,99 Euro im Monat für eine Kamera (oder 9,99 Euro im Monat für eine unbegrenzte Anzahl) die Aufnahmen 30 Tage lang in 2K-Auflösung gespeichert. Die Stufe Service Plus bietet bis zu 4K-Auflösung (für kompatible Kameras) und 60 Tage Speicherung – kostet dabei 14,99 Euro im Monat für eine unbegrenzte Anzahl von Kameras. Neukäufer erhalten für drei Monate den Service im Test und müssen erst danach bezahlen, wenn ihnen die Zusatzfunktionen wichtig sind oder sie ihnen gefallen.

Die Benachrichtigungen sagen, was die Kamera entdeckte: Tier, Paket, Person. Genauere Identifizierung ist nicht möglich.
Vergrößern Die Benachrichtigungen sagen, was die Kamera entdeckte: Tier, Paket, Person. Genauere Identifizierung ist nicht möglich.
© oatawa / shutterstock.com

Dazu gehören neben den Aufnahmen auch intelligente Funktionen wie die Unterscheidung von Personen, Tieren und Fahrzeugen bei der Bewegungserkennung oder die Paketerkennung. Zudem kann man einen Notfallkontakt definieren, der bei Alarmierung angerufen wird, im Falle des Diebstahls der Kamera bekommt man Ersatz. Alles in allem ein rundes Paket, nur sollte man bei der Anschaffung der Kamera diese Zusatzkosten im Auge behalten. Ohne solche geht es aber nicht: Auch andere Anbieter verlangen für den Cloud-Service monatliche Gebühren, will man über das Homekit Apples Server für das Speichern von Kameradaten heranziehen, benötigt man dafür ein Abo. Eine eigene Cloud-Struktur kann man etwa mit den Geräten von Instar nutzen, aber auch die kostet.

Arlo Pro 4 bei Amazon (Einzelkamera)

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Bild und Ton

Beim Umstieg von Arlo Pro 2 auf die dritte Version hat der Hersteller bereits wesentliche Verbesserungen eingeführt. Statt wie zuvor nur in 1080p aufzunehmen, unterstützt die Spotlightkamera seit der dritten Generation 2K-Auflösungen und in der vierten Generation  HDR. Der Ultraweitwinkel von160 Grad ist voreingestellt, das Gesichtsfeld lässt sich auch auf 125 oder 110 Grad verringern. Zusammen mit dem zwölffachen digitalen Zoom ist das, was Apple "Center Stage" nennt, möglich: Die Kamera fokussiert auf den Gegenstand, die Person oder das Tier von Interesse und verfolgt diese durch das Sichtfeld. Personen, Tiere und Fahrzeuge bleiben so immer im Mittelpunkt - die Identifizierung fällt leichter. Denn Arlo erkennt nicht, wer da genau vor der Linse herumturnt, ehrlich gesagt wollen wir eine derartige Identifizierung auch gar nicht in einer Cloud, sondern sie allenfalls vom Gerät selbst erledigen.

Meist sind die Ergebnisse zufrieden stellend, in einigen Fällen fokussierte die Kamera am Ende der Aufnahmen (deren Länge einstellbar ist), aber irgendwo hin. Die Empfindlichkeit lässt sich beinahe stufenlos einstellen, sowohl die der Mikrofone als auch die des Bewegungsmelders. Recht granular kann man auch diverse Aktionspläne konfigurieren, selbst auf kleinen Bildschirmen. Geofencing ist dabei eine Option ebenso wie genaue Zeitpläne, so etwas wie "Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang" vermissen wir jedoch. Hier wäre das Homekit ins Spiel gekommen. Was wir nicht ausgetestet haben: Für bestimmte Szenarien kann man auch die Sirene aktivieren, 110 dB laut. Unsere Nachbarn waren recht dankbar.

Zeitplan, recht gut gestaltbar, vor allem im Querformat
Vergrößern Zeitplan, recht gut gestaltbar, vor allem im Querformat

Paketdienst im Blick

Was wir bei der Arlo Pro 3 schon ausprobiert hatten , versuchen wir erneut: Erkennen die Algorithmen jetzt wirklich zuverlässig Pakete? Damals war die Funktion noch in der Beta-Phase, wir hatten keinen Erfolg damit. Der rechtlichen Lage wegen (Filmen öffentlichen Raumes) und aufgrund der Deadline für den Text warten wir nicht auf den nächsten Zustellversuch, sondern simulieren das im Garten. Die Kamera hängt wieder in etwas mehr als zwei Meter Höhe, was beim letzten Mal womöglich zu wenig war - aber der Schuppen ist seither nicht gewachsen. Die Paketerkennung funktioniert nun so zuverlässig wie sie sollte und darf. Natürlich bekommen wir nicht von der App gemeldet, wer Absender und Empfänger ist – persönliche Daten in der Cloud will man nicht – aber die Benachrichtigung der Arlo-App vermelde, dass ein Paket angekommen ist. Die Paketerkennung kann jeweils nur eine Arlo-Kamera im Service-Plan erledigen, sinnvollerweise macht das auch die vor der Tür und nicht die im Raum.

Oh, ein Paket! Was da wohl drin ist?
Vergrößern Oh, ein Paket! Was da wohl drin ist?

Abschließend versuchen wir noch, die Arlo Pro 4 mit Alexa zu verbinden. Das hat in unserem Haushalt mangels Echo Show nur bedingten SInn, denn das wäre der wesentlichen Nutzen: Vor dem Show zu stehen und Alexa zu sagen, dass sie jetzt bitte das Bild der Kamera anzeigen soll, die wir nennen. Doch leider gelingt uns das nicht, einen Grund dafür können wir nicht finden. Die Alexa-App findet indes die Flutlichtkamera, die ihrerseits nicht mehr mit der App spricht, sie scheint nach zwei Jahren defekt zu sein, die Verbindung  zum Internet lässt sich nicht mehr herstellen.

Fazit

Arlo entwickelt seine Überwachungskamera für drinnen und draußen Arlo Pro von Generation zu Generation sinnvoll weiter, bei Sprung auf Version 4 verzichtet der Hersteller nun auf den Zwang zur Basisstation, was nicht nur zu einem niedrigeren Preis führt, sondern auch zukunftssicher ist. Mit dem kommenden Smart-Home-Standard Matter, der jedoch die Thread-Technologie voraussetzt, von der noch keine Spur in der Arlo Por 4 zu finden ist, werden Basisstationen, Hubs und Bridges herstellerübergreifend überflüssig.

Das wäre dann ein nächster Schritt für Arlo, die Generation fünf zu Matter kompatibel zu machen, dann wird auch die Einbindung in das Homekit ohnn zusätzliche Hardware gelingen. Nach wie vor finden wir nicht nur bei Arlo befremdlich, wie mäßig die Anbindung an Plattformen wie die von Amazon, Google und Apple gelingt. Bleibt man indes mit seiner Infrastruktur beim einen Hersteller, ist die App von Arlo eine geeignete Zentrale für die Überwachung von Haus und Hof. Die hohe Qualität der Services, der Software und auch der Hardware rechtfertigen den Preis. Wir wüssten nur zu gern, warum bei uns die Einbindung mancher Arlo-Kameras mal sehr gut und dann wieder gar nicht funktioniert.

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