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Bowers & Wilkins Formation Multiroom im Test – Kunst macht Musik

08.12.2020 | 12:28 Uhr |

Ist das Kunst oder kann das auch klingen? Der Lautsprecher von Bowers & Wilkins hat optisch wie akustisch was zu bieten.

Die Formation-Serie bietet ein auffälliges Design aus einem rautenförmigen Schutzgitter, welches mit einem leicht glänzenden Stoff bespannt ist. Das unterstreicht den Charakter eines Kunstobjekts und so passen die Lautsprecher auch wunderbar in die direkte Nachbarschaft von Rodin & Co.

Ein Kunstobjekt alleine zu sein, reicht natürlich nicht. Unter dem Namen Formation hat Bowers & Wilkins eine ganze Serie an Lautsprechern geschaffen, von den Einsteigerlautsprechern Formation Flex bis hin zu den Highend Modellen Formation Duo. Abgerundet wird das Portfolio von dem Subwoofer Formation Bass, der Soundbar Formation Bar und einem Streaming Player zur Erweiterung der heimischen Stereoanlage Formation Audio.

Die Vernetzung aller Formation-Produkte wird bei Bowers & Wilkins großgeschrieben und das geht über einfaches Multiroom hinaus. So lassen sich die Lautsprecher auch zu Stereo- oder Surround-5.1-Systemen verbinden.

Wir haben uns in einem ausgiebigen Test den kompakten Stereolautsprecher Formation Wedge und kleinen Mono-Lautsprecher Formation Flex näher angesehen. Letzteren im Doppelpack für eine Stereo-Verknüpfung.

Für eine Stereoanordnung benötigt man schon zwei Formation Flex, dann kann sie aber eine Stereoanlage fast ersetzen.
Vergrößern Für eine Stereoanordnung benötigt man schon zwei Formation Flex, dann kann sie aber eine Stereoanlage fast ersetzen.
© Bowers & Wilkins

Stand der Technik

Hochwertige Wandler mit 24 Bit und 96 kHz sind die technische Basis für den Musikgenuss. Gestreamt wird via Airplay 2 oder Bluetooth aptX HD. Neben Airplay 2 wird auch direkt Spotify und Roon unterstützt, DLNA fehlt leider.

Besonders aber hat Bowers & Wilkins Multiroom umgesetzt: So wird nicht das vorhandene WLAN für die Verbindung mehreren Formation-Lautsprechern genutzt, sondern ein eigenes auf geringe Verzögerung hin optimiertes Funknetz.

So lässt sich einfach ein Netz aus mehreren Formation-Lautsprechern aufbauen. Eine Formation-Taste auf den Lautsprechern sorgt für die Koppelung, wenn gerade die App nicht zur Hand ist. Eine gute Idee, nur in der Praxis ist die Reaktionszeit etwas lange, bis die Lautsprecher die Verbindung aufnehmen.

Zum Glück hat Bowers & Wilkins nicht auf Bedienelemente an den Geräten verzichtet. Mit Lautstärke und Wiedergabesteuerung, sind die wichtigsten zwei Funktionen vorhanden. Mit der vierten Formation-Taste lassen sich Geräte koppeln.
Vergrößern Zum Glück hat Bowers & Wilkins nicht auf Bedienelemente an den Geräten verzichtet. Mit Lautstärke und Wiedergabesteuerung, sind die wichtigsten zwei Funktionen vorhanden. Mit der vierten Formation-Taste lassen sich Geräte koppeln.
© Bowers & Wilkins

Formation Flex

Auf einer sehr kompakten Höhe von 21,5 cm bringt Bowers & Wilkins eine klassische Bestückung mit einem großen 25-mm-Hochtöner mit Aluminiumkalotte und einem kleinen 100-mm-Mittel/Tieftöner unter.

Für den richtigen Stereo-Genuss koppelt man am besten zwei Formation Flex zu einem Stereo-Paar, was mit der App sehr einfach möglich ist.

Formation Wedge

Der Name Wedge für Keil ist Programm bei dem All-In-One Stereolautsprecher. Wobei er schon schöner als ein schlichter Keil ist. Mit einem klassischen Keil vom Schreiner hat er aber nur die schöne Rückseite aus Holz gemein.

Im Inneren werkelt eine typische Stereo-Bestückung bestehend aus zwei 25-mm-Hochtöner gepaart mit 90-mm-Mitteltöner. Nach unten abgerundet wird das ganze durch einen 150-mm-Subwoofer.

Durch die halbrunde Form ist ein schöner raumfüllender Klang möglich.

Bowers & Wilkins hat mit der Formation-Serie eine komplette Reihe für Multiroom und Surround geschaffen. Die Vernetzbarkeit lag dabei im Vordergrund.
Vergrößern Bowers & Wilkins hat mit der Formation-Serie eine komplette Reihe für Multiroom und Surround geschaffen. Die Vernetzbarkeit lag dabei im Vordergrund.
© Bowers & Wilkins

Soundcheck

Die spannende Frage bei Lautsprechern ist immer die nach dem Klang. Und da die Formation-Serie sich auf Highres-Audio versteht, füttern wir die Lautsprecher natürlich in erster Linie damit.

Wer träumt in der jetzigen Zeit nicht von einer Party? Also starten wir mit dem Album "Disco" von Kylie Minogue. Die helle Stimme von Kylie kommt sehr klar und präsent rüber. Insgesamt ist die Abstimmung beider Formation-Lautsprecher ähnlich hell und klar. Absolut tanzbar zeigt sie die Wiedergabe des Lieds „Dance“. Leicht beschwingt, so wie das Lied, gibt sich die Wedge, das Flex-Duo ist etwas leichter, es fehlt schlicht der Tiefgang.

Der Bass ist in der Standard-Einstellung für Kylie etwas zu gering eingestellt. Dank Klangregler ist das aber kein Problem. Beim Flex-Duo reicht das nicht so ganz, sie kommen schneller an ihre Grenzen, was bei dem kleinen Gehäuse logisch ist. Daher ist der Subwoofer Formation Bass eine empfehlenswerte Ergänzung.

Aber auch die Wedge kommt mal an ihre Grenzen, wenn man ihr zu hohe Lautstärken abverlangt. Aber wen wundert es bei dem kompakten Gehäuse. Das haben wir mit der neuen „All Blessed“ von Faithless ausprobiert. Das Album ist partytauglich abgemischt, sodass man den Bassregler am besten unangetastet lässt. Aufgedreht macht das mit der Wedge richtig Spaß.

Nicht immer ist man in Partystimmung, also ab zu besinnlicher ruhiger Musik von Melody Gardot und Till Brönner. Hier zeigt sich die wahre Stärke der Formation-Lautsprecher. Nicht dass sie nicht partytauglich sind, das können sie durchaus – aber die leisen Töne sind es, die oft schwieriger zu reproduzieren sind.

Die Formation Wedge gleicht einer Skulptur und macht sich daher neben der Kunst im eigenen Hause sehr gut.
Vergrößern Die Formation Wedge gleicht einer Skulptur und macht sich daher neben der Kunst im eigenen Hause sehr gut.
© Bowers & Wilkins

Wie so viele Künstler haben Melody und Till die Corona-Zeit anscheinend genutzt, ein neues Album zu veröffentlichen. So steigen wir ein mit „If you love me“ von Melody Gardot. Die sanfte Stimme gepaart mit der zurückhaltenden Trompete zeigt sich sehr stimmig sowohl mit der Flex, als auch der Wedge. Bei höherer Lautstärke öffnet sich bei der Wedge eine offenere Bühne, bei der Flex fehlt dann der Subwoofer. Das zeigt sich auch bei „Love Song“, die Band hat mehr Substanz bei der Wedge. Dafür zeigt sich noch etwas anderes. Das Stereobild ist bei der Wedge enger. So sitzt Melody viel näher mit ihrer Band zusammen als das Flex-Stereopaar.

Jetzt darf Till Brönner mit seinem ganz speziellen Trompetensound zeigen, was die Formations können. Die Klangabstimmung spielt im da ganz in die Hände, beziehungsweise Trompete. Sehr schön aufgelöst ist die Trompete präsent im Vordergrund. Die Darbietung ist stimmig und weiß zu gefallen.

Passend zur Weihnachtszeit liefert den Abschluss Michael Buble mit „It´s beginning to look a lot like Christmas“. Mit jedem Musikgenre beweist sowohl die Formation Flex als auch Wedge zu gefallen. Sehr musikalisch mit vergleichbarem Charakter aber kleinen Unterschieden in der Darbietung.

Multiroom

Im Prinzip bedeutet Multiroom Koppeln mehrerer Lautsprecher zu einem Verbund. Dieser Verbund kann die gleiche Musik spielen, die Lautstärke jedoch lässt sich individuell anpassen. Nach dieser Definition sind alle Airplay-fähigen Lautsprecher als Multiroom-fähig.

Bowers & Wilkins geht hier aber mit der Formation-Serie einen Schritt weiter und nutzt eine direkte Funkverbindung für unterschiedliche Szenarien.

Zum Beispiel für den Einsatz am Fernseher. Die Soundbar Formation Bar lässt sich so um den Subwoofer Formation Bass erweitern und sogar bis zu einem 5.1-System mit zwei Formation Flex als Rücklautsprecher.

Für den reinen Musikeinsatz gibt es weitere Spielpartner wie das Topmodell Formation Duo und die Formation Audio, um die vorhandene Stereoanlage in das Formation-Universum zu integrieren.

Den schönen Rücken aus Holz sieht man leider fast nie bei der Formation Wedge.
Vergrößern Den schönen Rücken aus Holz sieht man leider fast nie bei der Formation Wedge.
© Bowers & Wilkins

Die App

Zu den Formation-Geräten gibt es eine passende App, die aber nur zur Konfiguration benötigt wird. Darunter fällt die Ersteinrichtung, das Koppeln von beispielsweise zwei Flex zu einem Stereo-Paar und die Klangeinstellung.

Für die Musikauswahl kommen die Apps der Anbieter wie Qobuz, Spotify oder Apple Musik zum Einsatz. Für Spotify gibt es eine direkte Anbindung, alle anderen laufen über Airplay 2 oder Roon.

Empfehlung

Bowers & Wilkins verstand es schon immer, nicht einfach nur Lautsprecher zu machen, sondern sind immer auch mit einem künstlerischen, vielleicht sogar ästhetischen Anspruch an die Entwicklung gegangen.

Die Formation-Serie, aus der wir die Flex und die Wedge hatten, ist da ein typisches Beispiel. Nicht nur optisch, sondern auch technisch haben die Spezialisten aus England neues geschaffen. Das sich die Lautsprecher auch direkt per Tastendruck verknüpfen lassen ist sicher eine gute Weiterentwicklung. Dass man jedoch nur mit der hauseigenen App die Lautsprecher einrichten und zum Leben erwecken kann, ist auf lange Sicht hin keine so gute Idee. Das war bei früheren Modellen besser.

Was die Formation Flex und die Wedge so richtig gut können, ist musizieren. Eine Flex alleine klingt gut, zwei zu einem Stereo-Paar verknüpft ist schon fast eine ausgewachsene Stereoanlage. Mit einem Subwoofer wäre das Glück fast komplett.

Im Stereo-Paar gefällt die Flex mit einem schönen freien Stereobild. Kein künstlich überzogenes Sounding. Bowers & Wilkins hat es geschafft, ein paar Lautsprecher zu bauen, die einer Vielzahl von Musigenres gerecht werden.

Auf den ersten Blick mag da der Einzelpreis von 449,- Euro überzogen klingen. Zieht man das aber in Relation zu den Kosten einer kompletten Stereoanlage, ist der Preis absolut gerechtfertigt.

Die Wedge ist so ein Zwischending. Zu klein, um eine ordentliche Stereoanlage ersetzen zu können, aber zu groß, um einfach nur in der Küche Musik abzuspielen. Hier zählt entweder der optische Geschmack oder die beschränkten Platzverhältnisse. Viel Musik bekommt man mit der Wedge auf jeden Fall, da übertrifft sie die alte Zeppelin. Der Preis von 999,- erscheint da schon grenzwertig.

Info

Hersteller

  Bowers & Wilkins

Preis:

Formation Flex: 449,99 Euro

Preis:

Formation Wedge 999,- Euro

Vorteile:

Ausgewogener musikalischer Klang, einfache Koppelung mehrere Lautsprecher

Nachteile:

kein Ein/Ausschalter, keine Kompatibilität zu DLNA, Wedge etwas zu enges Stereobild, Taster reagieren etwas verzögert

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