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Bowers & Wilkins PI3: Sound, der im Ohr bleibt

15.11.2019 | 09:31 Uhr | Peter Müller

Völlig drahtlos kann auch Nachteile mit sich bringen, InEars mit Kabel zwischen den Hörern haben ihre Berechtigung. Vor allem bei einem solch starken Sound, wie ihn der PI3 von Bowers & Wilkins liefert.

Kann man einen Kopfhörer falsch herum aufsetzen und wenn ja, was passiert dann? Bei OverEars kann das durchaus passieren, so symmetrisch wie sie sind. Die besseren Lösungen haben auf dem Gewebe vor dem Lautsprecher groß "R" und "L" aufgedruckt, dann passiert die Verwechslung eher selten. Am Klang merkt man es nicht sofort, außer man kennt die Stücke oder weiß zumindest, wie ein Orchester sitzt und die Band steht – der Kontrabass sollte in der Klassik und im Jazz nach rechts (die Bassgitarre in Rock und Pop nur leicht rechts von der Mitte), auf dem linken Ohr irritieren die Tieftöner ein wenig.

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Bei True-Wireless-Systemen ist es schwieriger, die Hörer sind nun einmal so klein, dass man besonders bei schlechten Lichtverhältnissen die Aufdrucke nicht sieht. Wenn dann auch noch der linke Hörer in der Ladeschachtel rechts liegt und umgekehrt – gar nicht gut. Die Airpods Pro zum Beispiel liegen richtig – und wenn man sie mal vertauscht, wird es ohnehin schwierig, sie in die Gehörgänge zu bekommen.

Fazit

InEars, deren Hörer mit einem Kabel verbunden sind, werden immer seltener. Immerhin halten selbst Airpods nun besser in den Ohren. Doch gibt es zahlreiche Gründe, nicht vollkommen auf den Draht zu verzichten. Der PI3 von Bowers & Wilkins liefert einen astreinen Sound und eine Bedienung ohne überflüssigen Ballast, die Hörer sitzen gut und fest, lassen sich aber dennoch angenehm tragen. Mit 188 Euro sind sie angesichts ihrer Klangeigenschaften und der Stabilität der Konstruktion nicht zu teuer. Auch die drei Farben Gold, Space Gray und Blau wissen zu gefallen.

Auf den Sitz kommt es an

Wenn dann die InEars nicht richtig sitzen, leidet der Sound. Der Bass ist nicht seitenverkehrt, sondern weg. Nicht so, als hätten die Herren und Damen Kontrabassisten und Tubisten das Konzert vorzeitig verlassen. Eher so, als würden sie aus der Garderobe musizieren, vor der eine Blechwand steht.

Den Bowers & Wilkins PI 3 haben wir natürlich erst einmal verkehrt herum aufgesetzt. Nicht, weil die Augen nachlassen und wir in der Dunkelheit kein L von einem R mehr unterscheiden könnten, sondern weil schlicht und ergreifend keine solchen Markierungen aufgedruckt sind. Die InEars sind zwar per Bluetooth mit Musik beschickt, aber nicht völlig kabellos, ein Band hält sie zusammen. Dieses ist im Nackenbereich verstärkt und leicht gekrümmt, aus dieser Krümmung lässt sich aber die Orientierung nicht eindeutig schließen.

Das gelingt über den Klang dann eher, der seitenverkehrt nicht so schlimm blechern ist wie bei schlecht sitzenden InEars, aber keineswegs in einer Qualität, die man von Bowers & Wilkins erwarten würde. Mal einen tieferen Blick in den Karton genommen, wo noch je zwei Paar Ohreinsätze und Wings für den besseren Halt in der Ohrmuschel warten, da sehen wir auch ein Kärtchen, das aufzeigt, welche Seite wohin gehört. Die mit dem Ein/Aus-Schalter nach links, die mit den drei Steuerknöpfen nach rechts. Dann steht auch der dezente Aufdruck des Markennamens auf dem linken Kabel richtig herum. Und der Kopfhörer klingt dann vor allem so, wie er sollte. Weil nicht nur der Bass richtig steht, sondern auch die Ohrhörer von der richtigen Seite her in den Gehörgang reichen und so den Klang perfekt an das Trommelfell weiter geben.

Astreiner Klang, keine überflüssigen Funktionen

Die Verwechslungsgefahr der Seiten ist im Prinzip auch der einzige Fehler, den man dem PI3 vorwerfen könnte – aber es waren ja wir, die diesen Fehler begingen. So hören wir nun mit Vergnügen Musik in hoher und höchster Auflösung und sind begeistert. Der Bass macht einen angenehmen Druck, Mitten und Höhen schmeicheln mit ihren eigenen Treiber, das Stereopanorama ist ausgezeichnet. Vor allem ist die Geräuschdämpfung gerade einmal so stark, dass wir in der Bahn uns auf die Musik konzentrieren können, aber noch ausreichend mitbekommen, ob wir nicht die Musik besser stoppen oder gleich den Stöpsel aus dem Ohr nehmen sollten, um etwas von den Durchsagen zu verstehen.

Ein aktives Noise Cancelling vermissen wir nicht, der PI3 ist funktional das Gegenteil von überfrachtet, sondern auf den Kern reduziert. Am Kragen rechts – haben wir gelernt – finden wir im Kabel drei Knöpfe für Musik Stopp/Play, lauter und leiser. Mit der mittleren Taste können wir in der Titelliste auch vor (zweimal drücken) oder zurück (dreimal). Ein längerer Druck aktiviert Siri oder lehnt einen eingehenden Anruf an. Links finden wir nur den Einschalter, die Ladebuchse (USB-C) ist auch rechts angebracht. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung am Kragen doch, wir finden uns aber schnell zurecht, sind ja nicht so viele Knöpfe. Und vor allem müssen wir uns bei der Steuerung nicht auf die Ohren drücken, was sehr angenehm ist.

Mit einer Ladung hält der Bowers & Wilkins PI3 laut Hersteller acht Stunden durch, das können wir einigermaßen verifizieren, nicht aber die Umrechnung in "zwei Marathons" – wir wären froh, wenn wir in der Zeit einen schafften. Für den Sport sind die Hörer aber aufgrund ihrer Schweißresistenz gut geeignet, uns ist beim Training für den Marathon (ähem...) nichts verrutscht.

Für das Abspielen von Musik oder für weitere Konfiguration braucht man die App von Bowers & Wilkins nicht, allenfalls, um eine neue Firmware zu laden (war für den Test nicht nötig) oder um die Zeit einzustellen, nach der sich der nicht benutzte Kopfhörer abschaltet, um Energie zu sparen. Sprachansagen lassen sich noch deaktivieren, nicht aber die Sprache wechseln. Wozu auch? In einem wunderbaren britischen Akzent sagt uns eine weibliche Stimme, dass die Batterie schon recht leer sei – eine Viertelstunde später wiederholt sie sich und der Kopfhörer schaltet beinahe sofort danach ab.

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Fazit

InEars, deren Hörer mit einem Kabel verbunden sind, werden immer seltener. Immerhin halten selbst Airpods nun besser in den Ohren. Doch gibt es zahlreiche Gründe, nicht vollkommen auf den Draht zu verzichten. Der PI3 von Bowers & Wilkins liefert einen astreinen Sound und eine Bedienung ohne überflüssigen Ballast, die Hörer sitzen gut und fest, lassen sich aber dennoch angenehm tragen. Mit 188 Euro sind sie angesichts ihrer Klangeigenschaften und der Stabilität der Konstruktion nicht zu teuer. Auch die drei Farben Gold, Space Gray und Blau wissen zu gefallen.

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