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Color Projects 4: Bildoptimierung per Mausklick

19.07.2016 | 15:00 Uhr |

Fahle Bilder mit matten Farben machen sich nicht gut, weder am Computerbildschirm noch gar gedruckt. Color Projects hilft hier weiter.

Franzis Color Projects 4 ist eine Software, die es dem Einsteiger wie auch dem Profi ermöglicht, Bilder auf komplexe Weise zu verbessern, indem Parameter wie Lichtsituation, Schärfe und Farben und andere Details in Augenschein genommen werden, um sie nach individuellem Wunsch zu korrigieren, aufzuhellen und effektvoll zu optimieren. Dazu stehen zunächst zahlreiche Voreinstellungen (Presets) und Filter bereit, die nach Kategorien wie Landschaft, Architektur, Zeichnungen, Jahreszeiten oder Künstlerisch bis hin zu Surreal eine ganze Reihe ausgewählter Effekte auf das eingelesene Foto anwenden.


Bedienung: Mal einfach, mal kompliziert

Das Programm lässt sich sowohl selbstständig wie auch als Plugin für Bildbearbeitungen wie Photoshop oder Lightroom verwenden. Grundsätzlich öffnet man dabei nur ein einzelnes Foto. Stapelverarbeitung zur reihenweisen Optimierung von Bildern ist allerdings auch möglich. Während die grundlegende Bedienung recht einfach ist – im Idealfall hat man durch ein paar Mausklicks das gewünschte Ergebnis schon erreicht – geht es im Detail doch recht komplex zu. Man kann von den vielfältigen Möglichkeiten an sich nur begeistert sein, wir kommen gleich dazu. Doch vorher ist zu bemerken, dass die eigenwillige Gestaltung von Werkzeugsymbolen, bei denen man immer wieder grübeln muss, welcher Zweck sich dahinter nun wieder verbirgt, nicht sehr gelungen ist. Erst bei häufigem Gebrauch geht das flüssiger von der Hand. Hier hätte man optional eine Beschriftung für die Werkzeuge einarbeiten sollen. So muss man sich manche Funktionen selbst erarbeiten oder sich mit der Auskunft per Mouse-Over bei einigen Werkzeugen begnügen. Ein Handbuch auf Deutsch gibt es immerhin per Download oder auf der ebenfalls erhältlichen CD-ROM.

Nun hat Color Projects 4 wie schon angedeutet jede Menge positive Eigenschaften zu bieten. Vor allem päppelt es mit der passenden Voreinstellung kinderleicht beispielsweise ältere Fotos deutlich auf, die man vielleicht noch von Kameras mit geringerer Auflösung oder von früheren Handys übrig hat. Ohne großen Umstand holt die Software hier klare Konturen, intensivere Farben und ein insgesamt frischeres Erscheinungsbild heraus. Bilder lassen sich als Projekte speichern oder in gängige Fotoformate exportieren. Vergleichsfenster zeigen die frühere und die aktuelle Erscheinungsweise.
 Kompliziert wird es erst, wenn man sich mit den zahlreichen Feinheiten von Color Projects 4 beschäftigen möchte. Man merkt sofort, die Entwickler haben sich eine Menge dabei gedacht und eine ganze Palette durchaus sinnvoller Funktionen mit eingebaut. Diese findet man vor allem im sogenannten Expertenmodus. Hier lassen sich Bilder im Farbraum einrichten, Emulationen verschiedenster Fotofilme von Agfa, Fuji oder Kodak umschalten, Fotos entrauschen, der Tonwert einstellen und vieles andere mehr. Dazu kommen Fenster für das selektive Zeichen oder um Kratzer- und Sensorfehler zu entfernen, was übrigens in einem eigenen Bearbeitungsfenster sehr intelligent gelöst ist.


Sinnvolle Zusatzfunktionen

In der oberen Werkzeugpalette lässt sich eine Timeline aktivieren, mit der man nach Setzung von Undo-Punkten oder der Speicherung von Zwischenergebnissen zu diesen immer wieder zurückkehren kann. Es gibt einen eigenen RAW-Editor, Ansichten für vorher und nachher, Belichtungsreihen lassen sich anlegen, selbst einen Bilder-Browser findet man. Diese Vielfalt rechtfertigt unserer Meinung nach auch den sonst etwas hohen offiziellen Preis von 99 Euro (allerdings wurde das Programm zur Zeit unseres Tests Mitte Juli für 69 Euro angeboten). Und wenn einem doch die ein oder andere Funktion noch fehlt, lässt es sich mit Color Projects 4 wie erwähnt auch als Plug-in für Photoshop & Co. arbeiten, umgekehrt kann man ein geöffnetes Bild in einer anderen Fotoanwendung öffnen lassen. Zusätzlich kann man beim Speichern des Fotos Text hinzufügen und das Bild passend zuschneiden. 


Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit


Color Projects 4 läuft ab OS X 10.7, wobei nicht nur Intel-, sondern auch ältere G5-Macs unterstützt werden. Ein bisschen flotter darf der Mac aber schon sein, auf unserem Test-iMac von 2010 sind trotz 12 GB RAM Arbeitsspeicher bei komplexeren Vorgängen Wartezeiten inbegriffen. Das Programm gibt es zudem ab Windows 7, sodass man es auch auf verschiedenen Plattformen einsetzen kann. Erhältlich ist eine Download- oder wahlweise CD- (Box-) Version.

Fazit und Empfehlung

Keine Frage, Color Projects 4 ist eine äußerst mächtige und wirkungsvolle Bildbearbeitung für ansonsten schwachbrüstige Bilder etwa von älteren Handys, oder allgemein Fotos in niedriger Auflösung und an sich schwächerer Präsentation. Doch auch gute Schnappschüsse in allen Varianten lassen sich damit deutlich optimieren. Vor allem, solange man sich auf die einfache Anwendung der Vorlagen, Presets und Effekte beschränkt. Für die komplexeren Aufgaben bis hin zur selektiven Bearbeitung eines Motivs müssen die Entwickler deutlich an der Benutzeroberfläche arbeiten, damit diese leicht und intuitiv verfügbar wird. Denn eine Vielfalt an Möglichkeiten muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass man sich damit trotz Handbuchs an einigen Stellen ziemlich verloren vorkommt. Zu viel Potenzial für den Nutzer wird dadurch verschenkt. Abgesehen von diesen Kritikpunkten ist Color Projects 4 für engagierte Fotobearbeiter ein sehr geeignetes Programm.

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