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Crazy Talk 8 Pro: Gesichter ”unheimlich“ animieren

11.11.2016 | 08:21 Uhr |

Comicfiguren oder eigene Bilder per Software zum Leben erwecken, so dass sie mit den Zuschauer automatisch sprechen, das ist wirklich beeindruckend.

Das ”unheimlich“ in der Überschrift meinen wir tatsächlich wörtlich. Denn wenn man ein einfaches 2D-Foto von sich oder anderen bekannten Menschen in das Programm Crazy Talk 8 Pro für den Mac   importiert und ein paar vorbereitende Schritte unternimmt, ist es wirklich ein wenig unheimlich, wenn dieses Gesicht auf dem Bildschirm nun mit mir spricht, als wäre es lebendig.

Doch während der Entwickler Reallusion betont, wie einfach das Ganze ist, gibt es durchaus einige Hürden zu nehmen, wenn man mit eigenen Bildern beginnt. Zumindest für den Einstieg fällt es leichter, die Vorlagen zu nutzen. Diese bestehen aus fertigen Avataren, also bestimmten Figuren im realen oder Comic-Stil, die man im 2D- oder 3D-Format nutzen kann. In der Pro-Version bekommt man nach Registrierung eine Reihe von zusätzlichen Avataren und "Utensilien" wie Hüte, Frisuren oder weitere Bekleidung oder sogar Mimik über die Website zum Download geschenkt. Anderes lässt sich dazu kaufen.

Avatar mit Stimme und Stimmungen

Ist man zunächst zufrieden, verleihen wir dem Avatar einen Hintergrund aus den Vorlagen oder benutzerdefinierte und verpassen ihm ein Stimme sowie Stimmungen, etwa freudig, ärgerlich, albern und anderes mehr. Mit der Aufzeichnung von eigenen Sätzen komplettieren wir den Avatar für eine gezielte Mitteilung oder Ansage, beispielsweise in einer News-Sendung oder auf einer Party. Unser digitaler Stellvertreter spricht dann einigermaßen lippensynchron, wobei sich dies wie fast alle Details des Avatars in komplexen Bearbeitungsfenstern noch verfeinern lässt.

Klare Vorlagefotos sind besser geeignet

Am spannendsten ist es aber, ein eigenes Foto zu importieren und mit dem Programm zu bearbeiten. Dies können wir selbst oder natürlich auch andere Menschen aus Familie, Freundeskreis oder Beruf sein. Mit einer einfachen Aufnahme erstellt man am besten einen 2D-Avatar, mit auch seitlichen Aufnahmen geht es dann sogar in den 3D-Bereich. Zunächst aber kommt darauf an, ein klares Foto von vorn zu haben, Darsteller etwa mit nicht zu schmalen Lippen sind bei der anschließenden Vorbereitung am besten, das heißt am realistischsten zu übernehmen. Denn mit einigen Markierungen zeigt man dem Programm, wie genau die Konturen des Gesichts verlaufen, inklusive Augen, Mund und Nase. In schwierigeren Fällen lassen sich auch weitere Anfasspunkte (Details) zuschalten. Trotzdem gelingt es uns beispielsweise bei schmalen Lippen des Darstellers nur schwer, diesen nach der Konvertierung beim Sprechen natürlich erscheinen zu lassen

Fast jedes Detail lässt sich verfeinern

Mit einem integrierten Tool lässt sich das Modell freistellen. Dazu kann man zahlreiche Details wie das Heben der Augenbrauen und dies auch in Bezug auf die Aussprache anpassen. In der  optional zuschaltbaren Zeitleiste können praktisch sekundengenaue Einstellungen vorgenommen werden. Es führt zu weit, dies hier alles aufzuzählen. Eine ausführliche Online-Hilfe unterstützt die Vorbereitung.

Selbstverständlich lassen sich die fertigen Ergebnisse auch konvertieren respektive exportieren, um sie anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Dies klappt etwa als Quicktime-Film oder im H.264-Codec. Diese Videos lassen sich anschließend vorführen oder verschicken.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Das von uns getestete Crazy Talk 8.1 Pro läuft ab OS X 10.9, eine Testversion mit 15 Tagen Laufzeit ist erhältlich. Auch eine Windows-Ausgabe ist verfügbar (ab Windows 7 SP1). Die Pro-Variante kostet neu 129 Euro, eine günstigere Standard-Ausgabe mit weniger Funktionen ( Vergleich hier ) gibt es für 49 Euro.

Fazit und Empfehlung

Crazy Talk 8 Pro ist ein faszinierendes Programm und das einzige uns bekannte dieser Art. Wenn man erst mal eigene Fotos in Bewegung und zum Sprechen gebracht hat, kann man sich diesem Eindruck kaum entziehen. Andererseits sollte man die nötigen Feinarbeiten nicht unterschätzen – nur, wer sich gründlich einarbeitet, wird auch den maximalen Nutzen daraus ziehen. Das können Grußbotschaften, Teile von Animationen und anderes mehr sein. Für die reine Freude und den Spaß dabei sollte die Standard-Version zum günstigeren Preis ausreichen.

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