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Display-Messungen

19.03.2012 | 10:57 Uhr |

Display-Messungen

Apple preist das Retina-Display des neuen iPad 3 als Durchbruch in der mobilen Display-Technologie an und der subjektive Eindruck beim Betrachten ist tatsächlich schon einmal sehr gut. Doch wir wollen es genau wissen und messen im Labor nach.

Der Bildschirm unseres Testgeräts leuchtet mit maximal 320 cd/qm. Das liegt in etwa auf dem Niveau des Vorgängers, der in unserem Test 350 cd/qm erreicht. Damit gehört der iPad-Bildschirm nach wie vor zu den hellsten Tablet-Displays: Er kann sich - anders als bei der Auflösung - aber nicht von Android-Tablets wie beispielsweise dem Samsung Galaxy Tab 10.1N oder dem Sony Tablet S absetzen, die über ähnlich helle Displays verfügen.

Das Kontrastverhältnis ermitteln wir mit 818:1. Das ist gegenüber dem iPad 2 eine deutliche Steigerung (594:1). Hier merkt man, dass eine grundlegend neue Display Technologie zum Einsatz kommt. Das Bild setzt sich bei der Reaktionszeit fort. Mit 19,1 Millisekunden schaltet das Retina-Display im Vergleich zum iPad 2 (41,2 Millisekunden) doppelt so schnell von Schwarz auf Weiß und wieder zurück. In der Praxis macht sich das jedoch nur bei besonders schnellen Action-Spielen bemerkbar.

Der Farbraum des Retina-Displays im neuen iPad (transparenter Körper) ist deutlich größer als im iPad 2 (farbiger Körper)
Vergrößern Der Farbraum des Retina-Displays im neuen iPad (transparenter Körper) ist deutlich größer als im iPad 2 (farbiger Körper)

Wesentlich deutlicher wirkt sich der Farbumfang des Retina-Displays aus. Hier macht der Bildschirm in der Tat einen gewaltigen Sprung nach vorn. Gegenüber dem iPad 2 oder dem iPhone 4S ist der Farbraum des neuen iPad wesentlich größer. Die Folge: Fotos und Videos erscheinen mit brillanten Farben, satten Tönungen und natürlichen Abstufungen.

Die Akkulaufzeit im Test

Laut Apple hält der Akku des neuen iPad 3 genau wie der des Vorgängers zehn Stunden durch. Im LTE-Betrieb sollen es neun Stunden sein. Mangels LTE-Funktion in Deutschland lässt sich diese Behauptung nicht überprüfen. Daher messen wir die Akkulaufzeit beim Surfen im Wlan. Ein Javascript ruft dazu in Safari vier populäre Webseiten nacheinander auf und wiederholt den Vorgang, bis sich das iPad wegen Strommangels von selbst ausschaltet. Das Display ist dazu auf halbe Helligkeit eingestellt, Bluetooth schalten wir ab. Unsere Messung bestätigt Apples Angabe von zehn Stunden Laufzeit. Wir messen mit 10:18 Stunden sogar etwas mehr. Das ist auch im direkten Vergleich zum iPad 2 ein besseres Ergebnis. Der Akku des Vorgängers gibt hier schon nach 9:30 Stunden auf.

Anders sieht das im Worst-Case-Szenario aus: In diesem Test spielt das iPad ein h.264-Video im Vollbildmodus ab. Dabei stellen wir die Helligkeit auf Maximum, Wi-Fi und Bluetooth sind eingeschaltet. Bei dieser typischen Situation aus der Praxis hält das neue iPad nur sechs Stunden und 30 Minuten durch. Das sind gut eineinhalb Stunden weniger als beim iPad 2. Hier muss man also Abstriche hinnehmen, die dem besseren Display und schnellerem Grafikchip geschuldet sind.

Dass der Unterscheid zum iPad 2 in diesem Fall nicht noch größer ausfällt, liegt an dem leistungsfähigeren Akku, den Apple in das neue iPad eingebaut hat. Weiterhin liegt aber lediglich ein 10-Watt-Ladegerät bei. Das wirkt sich negativ auf die Ladezeiten aus: Bei komplett leerem Akku vergehen über sechs Stunden, bis die Batterie wieder voll aufgeladen ist. Beim Laden messen wir einen Momentanverbrauch von 25 Watt auf der Primärseite. Das macht einen Gesamtstromverbrauch von 150 Wh für eine volle Akkuladung. Gesetzt den Fall, man lädt das iPad im Schnitt alle zwei Tage voll auf (kompletter Ladezyklus), kommt man auf knapp 30 kWh im Jahr. Beim gegenwärtigen Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde zahlt man also knapp acht Euro pro Jahr für den Betrieb des neuen iPad. Das iPad 2 braucht hier im Vergleich nur etwas mehr als die Hälfte.

Datenübertragung

LTE nennt sich der neueste Standard zur drahtlosen Datenübertragung im Mobilfunknetz. Damit sollen nie gekannte Datenraten möglich werden. Apple bewirbt das neue iPad mit LTE-Tauglichkeit und spricht von 73 Megabit pro Sekunde, die beim Download möglich wären. Zum Vergleich: der typische DSL-Anschluss deutscher Haushalte schafft nur 16 Megabit pro Sekunde. Doch die Realität sieht anders aus, denn LTE funkt in Deutschland anf anderen Frequezen als in den USA und das iPad ist ausschließlich für die USA-Frequenzen ausgelegt. Auf LTE-geschwindigkeit muss man also hierzulande verzichten, doch Apple hat das iPad auch in Sachen 3G-Netz überarbeitet. HSPA+ und DC-HSDPA heißen hier die Schlagwörter. Damit sollen immerhin 21 bis 42 Megabit pro Sekunde machbar sein. Voraussetzung ist allerdings, dass der Mobilfunkanbieter diese Technologien in seinem Netz bereitstellt und der Datentarif sie auch zulässt.

In unseren Tests messen wir im Abstand von etwa einem Kilometer zu Sendemast in einem Bürogebäude zwischen vier und sechs Megabit pro Sekunde (Telekom- und O2-Netz). Das ist ein guter Wert und deutlich besser, als beim iPad 2, das unter identischen Bedingungen lediglich zwei bis fünf Megabit pro Sekunde erreicht.

Auch die Übertragungsraten per Wlan sind etwas besser geworden. Hier messen wir nun bis zu 40 Megabit pro Sekunde in unmittelbarer Nähe des Wlan-Routers (ein Meter).

Der neue Funkchipbringt offensichtlich in Zusammenhang mit dem für LTE geänderten Antennendesign auch bei der UMTS-Technologie Vorteile.

Zubehör

Zubehör, das für das iPad 2 entwickelt wurde, sollte größtenteils auch mit dem neue iPad zu gebrauchen sein. Die um 0,6 Millimeter größere Dicke dürfte sich nur bei ganz eng anliegenden Hüllen und Cases bemerkbar machen.

Mehr Probleme kann es mit externen Geräten geben, die man am Dock-Connector betreibt. Zumindest der bisherige HDMI-Adapter des iPad 2 funktioniert am iPad 3 nicht mehr. Will man das iPad an einen Full-HD-Fernseher anschließen muss man eine neue Version des Adapters kaufen (40 Euro). Diese funktioniert glücklicherweise sowohl mit dem neuen iPad als auch mit dem iPad 2. Full-HD-Inhalte kann man jedoch nur mit dem neuen iPad auf einem Fernseher abspielen.

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